17/04/2025
Vor genau einem Jahr erinnerten wir an den ersten Abwurf einer Luftmine über Emden. In der Nacht auf den 1. April 1941 detonierte ein 1800 Kilo schwerer „Wohnblock-Knacker“ im Herzen der Stadt. Die Bilanz: 16 Tote, rund 30 zerstörte Häuser, 1550 Menschen über Nacht obdachlos. Der Angriff markierte den Beginn des Emder Bunkerbaus – und hinterließ eine traumatisierte Stadt.
Nun konnte nach langer Recherche der Pilot identifiziert werden: Kenneth Michael MacLeod Wasse (1914–1983), Squadron Leader der 9. Squadron der Royal Air Force. Wasse war ursprünglich Seemann, trat 1934 in die RAF ein und diente in Indien, Afghanistan und im Irak. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, ist er bereits ein erfahrener Pilot – und erhält eine besondere Aufgabe: Zum ersten Mal soll eine Luftmine über dem Deutschen Reich abgeworfen werden. Warum ausgerechnet Emden getroffen wurde, ist bis heute ungeklärt.
Wasses Wellington-Bomber wurde speziell für die Mega-Bombe umgebaut. Der Bereich „Zwischen beiden Sielen“ und das Telegrafenamt glichen am Morgen des 1. April 1941 einem Trümmerfeld.
Nach dem Einsatz wird Wasse als Kriegsheld gefeiert – 30 Häuser auf einen Schlag vernichtet! Nur eineinhalb Monate später heiratet er seine Rosemary. Doch der Krieg hinterlässt Spuren: 30 Einsätze über Deutschland, ein perforiertes Trommelfell, vermutlich stressbedingt.
Hass auf Deutschland? Fehlanzeige. Sein Großvater, Arthur Cramer Wasse, war Absolvent der Münchener Kunstakademie, lebte in Rothenburg ob der Tauber und wurde dort 1930 beerdigt. Werke des Künstlers hängen bis heute im Reichsstadtmuseum.
„Krieg ist tragisch“, schreibt Kenneths Sohn Ian MacLeod Wasse an den Emder Eike Schulz, der Kontakt zur Familie aufgenommen hat.
Nach dem Krieg wird Wasse Fluglehrer in Malta, Ägypten, Palästina und Kuala Lumpur. 1958 geht er in Ruhestand, lebt in Bermuda und Portugal, bis es ihn und seine Frau zurück nach England zieht. Dort stirbt er am 4. September 1983 an Lungenkrebs – und wird in West Monkton, Somerset, beigesetzt.
Ein bewegtes Leben – und ein Mann, der untrennbar mit Emder Stadtgeschichte verbunden ist.