31/05/2026
🔎 Archäologisches Fundstück der Woche: Kamm mit Besitzerinschrift ✍
3⃣ Fundstück aus der Ausstellung „Lager Liebenau. Ausgraben und Erinnern“
📍 Fundort: Schuttschicht nahe der heutigen Gedenktafel. Hier wurden nach dem Ende des Zwangsarbeitslagers zahlreiche Gegenstände entsorgt, darunter Schuhe, Kämme, Zahnbürsten, Tierknochen und Geschirr. Der Großteil der Funde steht in Zusammenhang mit dem Lager, darunter befinden sich jedoch auch jüngere Objekte.
🪮 Fragment eines Kamms:
- Kunststoff
- Teile des Griffs und der Zinken abgebrochen
- auf beiden Seiten eingeritzter Name der Besitzerin „Vlasta Široka“ sowie das Datum „1944“
🛁 Körperhygiene:
Kämme werden seit rund 10.000 Jahren zur Körperhygiene verwendet. Anfangs dienten sie dem Entfernen von Ungeziefer und Schmutz aus Haaren und Bärten, erst später auch der Gestaltung von Frisuren. Ein Kamm besteht aus einem Griff und Zinken in unterschiedlicher Länge und Anordnung. Feine Zinken dienten eher der Entfernung von Ungeziefer, grobe Zinken dem Entfernen gröberen Schmutzes.
📝 Über die Besitzerin:
Vlasta Široka kam 1944 als junge Frau aus dem Protektorat Böhmen und Mähren nach Graz und wurde zur Arbeit als Hilfsarbeiterin gezwungen – der Betrieb ist nicht bekannt. Den Kamm dürfte sie mit anderen persönlichen Gegenständen aus ihrer Heimat mitgebracht haben. Sein Besitz war ihr so wichtig, dass sie ihren Namen auf beiden Seiten einritzte. Er half ihr, sich trotz der unmenschlichen Umstände als Mensch zu fühlen.
👩🏭 Alltagsobjekt und persönliches Zeugnis:
Einerseits handelt es sich um ein industriell gefertigtes Massenprodukt aus Kunststoff. Andererseits ist der Kamm – nicht zuletzt durch die eingeritzte Besitzerinschrift – ein sehr persönliches Objekt.
📸 Kamm mit Besitzerinschrift, Sammlung Graz Museum | Foto: © Graz Museum