22/05/2026
Unabhängig von Importen - Pulver made in Styria
Kaiser Ferdinand II. befahl 1621 die Errichtung von eigenständigen steirisch-landschaftlichen Salpeterplantagen (Salittereien). Bedingt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen, in welche das Habsburgerreich damals verwickelt war, wie der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) und die Kampfhandlungen gegen das expandierende osmanische Reich, benötigten die Heere Massen an Pulver, welches bis dahin ausschließlich von den kaiserlichen Salpetersiedereien in Wien und Mikulov/Nikolsburg in Südmähren (heute Tschechien) bezogen wurden. Da aber deren Produktionsvolumen nun nicht mehr ausreichte, verzichtete Ferdinand II. auf das landesfürstliche Privileg der Salpetergewinnung. Grundherrschaftliche Salpeterwerke entstanden in der Steiermark etwa in: Aflenz, Bruck an der Mur, Eisenerz, Fürstenfeld, Graz, Hartberg, Irdning, Judenburg, Mitterdorf-Veitsch, Oberwölz, Peggau, Preding, Radkersburg, Schleinitz/Slivnica, Stadl an der Mur, Studenzen, Teufenbach, Voitsberg, Weiz, St. Georgen an der Stiefing, St. Johann im Saggautal, St. Martin im Sulmtal, St. Peter am Kammersberg und St. Veit am Vogau.
Mit der Errichtung heimischer Salittereien wollte man sich auch in den Erblanden aus der Abhängigkeit von Venedig, das den Handel mit teurem Salpeter aus Chile und Indien kontrollierte, lösen. Zudem waren von Natur aus nur geringe Salpetermengen in Europa vorhanden, weshalb hierzulande begonnen wurde, die Salpeterbildung „künstlich“, wenn auch auf Basis organischer Materialen (Tierkadaver, Jauche, Fäkalien), nachzuahmen.
Foto: Pulverhörner an der Holztramdecke im 1. Stock des Landeszeughauses, 17. Jahrhundert.