16/05/2026
Fromme Besuche und Gegenbesuche um Pfingsten
Seit 1722 pilgern Menschen am Sonntag vor Pfingsten aus St. Peter, St. Leonhard, Schiefling und Reichenfels im Lavanttal aufgrund eines Gelöbnisses aus der Pestzeit in einer Prozession über die Alm zur Marienkirche von Hirschegg in der Weststeiermark. Umgekehrt brechen 1724 erstmals die Hirschegger am Pfingstsonntag als „Steirer-Prozession“ nach St. Leonhard ins Lavanttal auf, um dem beliebten Volksheiligen Opfergaben zu bringen. Bis heute hat sich die Tradition dieser wechselseitigen Wallfahrt erhalten.
So berichtet 1934 Leopoldine Wawra aus Afritz in Kärnten von der Wallfahrt der Hirschegger nach St. Leonhard im Lavanttal:
„Und wenn sie nun endlich da sind, die aus den steirischen Bergen, müde und verstaubt, weil der Weg über Almen führt, weitab von den Möglichkeiten, anders vorwärtszukommen als zu Fuß, dann leuchtet die Freude auch aus dem Antlitz der sonnenverbrannten Wanderer. So mancher vom Alter und Mühsal gebeugter Rücken versucht sich nochmals gerade zu straffen, wenn es durch ein langes Spalier in das Gotteshaus geht. Vor der Kirche konnte man gegen eine Spende spezielle, den eigenen Bitten und Wünschen angepasste Opfergaben erwerben bzw. ausleihen. Es gab, dem hl. Leonhard als großen Viehpatron angepasst, Bienenstöcke aus Holz sowie einfache, aus Eisen geschmiedete Darstellungen von Pferden, Kühen, Kälbern, Ochsen, Schafen und Hühnern aber auch Darstellungen von Händen und Beinen sowie Kopfwehringe.
Nach der hl. Messe begab man sich auf Quartiersuche. Viele Wallfahrer hatten schon Stammquartiere. Am Abend gab es an zwei Stellen, beim vulgo „Geiger“ und beim vulgo „Goach“, Tanzmusik. Dies war besonders für die jüngeren Teilnehmer an der Wallfahrt eine beliebte Möglichkeit zur Unterhaltung und zum Kennenlernen anderer Mädchen und Burschen.“