01/10/2026
MARTIN WALDE
über tragen
07.09. - 31.10.26
MO – FR 09.30 – 18.00
Seit den 1980er-Jahren kreist das Werk des in Wien lebenden Tiroler Künstlers Martin Walde um Fragen, die Wissenschaft, Wahrnehmung und Imagination gleichermaßen berühren.
Die aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Rhomberg - Waldes zweite - versammelt Zeichnungen, Aquarelle, Skulpturen und Druckarbeiten aus seiner Werkserie der „MUDprints“.
Herzstück der Schau ist die Glas-Plasma-Skulptur Hallucigenia“ im abgedunkelten hinteren Raum der Galerie. Das gläserne Gebilde mit langen, dünnen Beinen und überdimensioniertem, birnenförmigem Kopf ist mit Edelgasen gefüllt - „völlig ungefährlich“, so der Künstler.
Über eine Teslaspule wird hochfrequente Wechselspannung erzeugt, die die Gase zum Leuchten bringt und im Inneren blitzartige Entladungen entstehen
lässt. So erhält die Skulptur etwas beinahe Alienhaftes.
Die fremdartige Anmutung kommt nicht von ungefähr. Die Existenz der Hallucigenia, eines über 500 Millionen Jahre alten Urzeittiers, wurde durch
Fossilienfunde nachgewiesen. Seine genaue Erscheinung und Einordnung beschäftigte die Forschung über Jahrzehnte hinweg und führte immer wieder zu neuen Deutungen.
Wissen als Prozess
Dieser Prozess des Irrens und Korrigierens interessiert Walde. Die Arbeiten, mit denen er sich seit 1986 beschäftigt, haben nicht den Anspruch, das Urzeittier möglichst exakt abzubilden. Vielmehr erzählen sie die Geschichte wechselnder Interpretationen.
In diesem Sinne versteht sich der Künstler als „Vermittler zwischen Wissenschaft und populärwissenschaftlichem Diskurs“, als „Überträger von Ideen“, die er für wichtig halte. Gleichzeitig sei er selbst Zuschauer. So erscheint die Ausstellung letztlich als Untersuchung der Mechanismen,
mit denen Wissen entsteht - und vermittelt wird.
Wo die Wissenschaft Eindeutigkeit sucht, macht Walde die produktiven Unschärfen sichtbar.
Vielen Dank der 𝗧𝗜𝗥𝗢𝗟𝗘𝗥 𝗧𝗔𝗚𝗘𝗦𝗭𝗘𝗜𝗧𝗨𝗡𝗚 und Julia Bader für die Besprechung der Ausstellung in der Ausgabe vom 30.09.2026.