19/08/2026
Vor 100 Jahren gründete Siegfried Braun die „Erste österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“. Die Krüppelarbeitsgemeinschaft (KAG) war eine Selbsthilfebewegung von körperlich behinderten Personen, die zwischen 1926 und 1938 durch ihre mediale Präsenz und vor allem durch die Herausgabe der Zeitschrift „Der Krüppel“ bekannt geworden ist. Ihr zentrales Motto lautete: „Arbeit, kein Mitleid!”.
Die Notlage von Menschen mit Behinderungen war damals aufgrund von Armut und Arbeitslosigkeit groß. Die KAG gründete mehrere selbstorganisierte Werkstätten - sie schuf Arbeit und bewies demonstrativ die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der „Krüppel“. Durch Spenden und den Verkauf von Produkten finanzierte sie letztlich 60 Arbeits- und Ausbildungsplätze in Werkstätten. Darüber hinaus waren die zentralen Tätigkeiten der KAG Beratung, Fürsorge, Fortbildung, Kontaktpflege unter den Mitgliedern, Arbeitsvermittlung, die Führung von Werkstätten und der Versuch, gesetzliche Verbesserungen zu erreichen.
Mit der politischen Entwicklung der Zwischenkriegszeit in Österreich schränkte die KAG ihre Ziele zunehmend ein. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde sie Widerstand in den Reichsbund der Körperbehinderten eingegliedert, als Teil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV).
Der Gründer Siegfried Braun wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft ins KZ Theresienstadt deportiert und später im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.
Foto: Abzeichen der KAG von 1927 mit dem Motto „Arbeit nicht Mitleid”, Fotograf: Fridolin Schönwiese, Wiener Stadt- und Landesarchiv
Foto: Das einzige Foto, das es von Siegfried Braun gibt. Fotograf*in unbekannt, Tschechisches Nationalarchiv