16/05/2026
SCRIPTS OF SELF
Izabela Chamczyk, karin maria pfeifer, Sula Zimmerberger
12. - 20. Mai 2026
Lotna Gallery
Ul. Marszałkowska 45/49. Warschau
Wie bestimmt sich der Wert eines Menschen – und insbesondere der Wert einer Frau – in einer Gegenwart, die zwischen Selbstinszenierung, kultureller Prägung und gesellschaftlichen Zuschreibungen oszilliert? Die Ausstellung versammelt künstlerische Positionen, die diese Frage aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und dabei Spannungsfelder zwischen Repression und Selbstermächtigung öffnen.
Die Arbeiten von Izabela Chamczyk, entstanden während ihrer Residenz im Iran 2015, führen in einen Kontext, in dem weibliche Existenz von Widersprüchen geprägt ist: öffentlich verhüllt und kontrolliert, im Privaten jedoch Raum für radikale Selbstinszenierung. Der Ruf „Frau, Leben, Freiheit“ durchbricht diese Dualität – ein Akt des Widerstands, der mit existenziellen Risiken verbunden ist. Chamczyks Videoarbeiten machen diese Ambivalenz sichtbar: zwischen Unsichtbarkeit und Ausdruck, zwischen gesellschaftlicher Kontrolle und individueller Freiheit.
Sula Zimmerberger richtet den Blick auf ein anderes, nicht weniger wirkmächtiges Bild der Frau: das westlich geprägte Ideal makelloser Schönheit. Ausgangspunkt ist eine klassische Porzellanfigurine – alabasterhell, faltenlos, scheinbar zeitlos. Als Druck auf Stoff übertragen, gerät dieses Ideal jedoch in Bewegung: Falten durchziehen die Oberfläche, die Perfektion beginnt zu fließen, zu brechen. Der Vorhang wird zur Schwelle – er lädt dazu ein, den distanzierten Blick zu überwinden und das normierte Bild zu hinterfragen.
Auch Karin Maria Pfeifer verhandelt Fragen von Wert und Identität, jedoch über das Medium des Schmucks. Ihre Arbeiten verweisen auf Objekte, die weniger durch materiellen als durch ideellen Wert bestimmt sind – Erinnerungsstücke, die Zugehörigkeit, Herkunft und Kontinuität verkörpern. Gleichzeitig markieren sie in vielen kulturellen Kontexten eine existentielle Absicherung: von vererbbarer Wertanlage europäischer Gesellschaften bis zum am Körper getragener Überlebensreserve verstoßener indischer Frauen. Schmuck wird so zum Symbol für Bindung und Verlust, für das fortwähren