Der Transkribierer. Leiden und Freuden eines Inschriftentüftlers.

Der Transkribierer. Leiden und Freuden eines Inschriftentüftlers. Der Transkribierer = Johannes Reiss. Jüdische Friedhöfe, hebräische Grabinschriften, Transkriptionen Dezember 2023 in Pension.

Der Transkribierer = Johannes Reiss, geb. 1959, Studium aus Judaistik und Altsemitische Philologie und orientalische Archäologie, von 1988 bis 13. Juni 2023 Geschäftsführer und Leiter des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt und seit 1. Spezialgebiet: Transkription und Übersetzung hebräischer Grabinschriften.

03/09/2026

Ich freue mich total, dass ich am jüdischen Friedhof in Rechnitz mitarbeiten darf, vielen Dank an R.E.F.U.G.I.U.S, an Eva Schwarzmayer und alle, die daran beteiligt sind. Die ersten Grabsteine konnte ich mit Hilfe der Herren fotografieren und für die Dokumentation fertig machen.
Allerdings steht Rechnitz in den nächsten Monaten noch öfter am Programm, bis alle Grabsteine fotografiert und die Inschriften gut lesbar gemacht sind. Jedenfalls eine wichtige und schöne Aufgabe und ja, die ersten Blicke lassen viel Spannendes erwarten...

PS: ein kleiner Fehler im Interview ist mir in der Hektik passiert, es muss natürlich heißen, "links und rechts vom Tränenbaum" und nicht "links und rechts vom Grabstein", sorry.

Vielen Dank an Walter Reiss für das tolle Video!

Update 21. August, 14.45h: Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit der Freistadt Eisenstadt., danke! Die Stadt hat, wie i...
19/08/2026

Update 21. August, 14.45h: Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit der Freistadt Eisenstadt., danke! Die Stadt hat, wie ich auch in vielen Kommentaren geschrieben habe, alle Jahrzehnte, die ich in Eisenstadt tätig war, die jüdischen Friedhöfe vorbildlich gepflegt, es gibt auch genügend Beweise auf meiner Website... Das ist auch weiterhin der Fall, wurde mir versichert, was mich sehr beruhigt. Auch heuer wurde schon viermal gemäht, und auch heute/gestern wurde der Friedhof wieder zugänglich gemacht. Vielen Dank an die Freistadt Eisenstadt, den Bürgermeister Thomas Steiner, der den Auftrag gab und den Mitarbeitern der Stadt, die die Arbeit erledigten!

Das macht mich traurig und ich weiß, dass es schon einmal besser geklappt hat. Die Fotos sind von heute, 19. August 2026, 9.58h, älterer jüdischer Friedhof in Eisenstadt.

Eigentlich hatte ich vor am Friedhof zu arbeiten, was aber das kniehohe "Gras" und Unkraut unmöglich machte. Aber es geht gar dabei gar nicht nur um mich, es geht um die hunderten jüdischen Besucherinnen und Besucher, die jährlich den in Österreich mit Abstand am besten dokumentierten jüdischen Friedhof besuchen wollen um an den Gräbern ihrer Ahnen zu beten. Warum können die jüdischen Friedhöfe in Kobersdorf, Lackenbach oder auch Rechnitz usw. praktisch das ganze Jahr problemlos besucht werden, weil sie regelmäßig gemäht werden und in der Landeshauptstadt ist das nicht möglich?

Jedenfalls ist dieser Zustand des jüdischen Friedhofes wirklich nicht zumutbar. Unverständlich auch, weil die Hitze und Trockenheit der letzten Wochen das Wachsen des Grases praktisch ohnehin fast unmöglich machte. Ohne knie- oder hüfthohe Stiefel geht derzeit gar nichts.

Eisenstadt Landeshauptstadt Claudia Prutscher

Vor einigen Tagen habe ich mich sehr gefreut, als ich auf  Facebook sah, dass am jüdischen Friedhof in Rechnitz sich in ...
30/07/2026

Vor einigen Tagen habe ich mich sehr gefreut, als ich auf Facebook sah, dass am jüdischen Friedhof in Rechnitz sich in der Erde befindliche Grabsteine und Grabsteinfragmente geborgen werden konnten und an der Friedhofsmauer aufgestellt wurden. Den Plan hatten Christine Teuschler und Eva Schwarzmayer (REFUGIUS) schon vor einigen Jahren, schön, dass es ihnen jetzt gelungen ist, das Vorhaben zu realisieren. Denn nun ist es, zumindest bei den meisten Grabsteinen und Grabsteinfragmeinten, möglich, die fast ausschließlich hebräischen Inschriften zu lesen und zu übersetzen.

Noch mehr gefreut habe ich mich, als ich eingeladen wurde, mir die Grabsteine und Inschriften anzusehen. Sie sollten natürlich fotografisch archiviert und die Inschriften dokumentiert werden.

Die jüdische Gemeinde Rechnitz entstand wie die meisten der ehemaligen jüdischen Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter der Herrschaft der ungarischen Adelsfamilie Batthyány und erreichte, ebenfalls wie fast alle anderen ehemaligen jüdischen Gemeinden in dieser Region in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höchststand, im Jahre 1859 mit 880 Gemeindemitgliedern. 1938 bedeutete auch für die mittlerweile knapp 150 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde das jähe Ende, bis November 1938 hatten alle Jüdinnen und Juden den Ort verlassen müssen.

Am jüdischen Friedhof, der in der Vergangenheit mehrmals geplündert und geschändet wurde, befinden sich heute circa 160 Grabsteine. Umso erfreulicher, dass nun weitere circa 60 Grabsteine und Grabsteinfragmente geborgen werden konnten.

Beim ungarischen jüdischen Landeskongress vom Dezember 1868 bis Februar 1869 kam es zu einer Neuordnung der jüdischen Gemeinden, die schließlich zur endgültigen Teilung in neologe, orthodoxe und status-quo-ante-Gemeinden führte. Die jüdische Gemeinde Rechnitz, die größte jüdische Gemeinde der jüdischen Gemeinden unter Batthyánischer Herrschaft (neben Schlaining und Güssing), entschied sich, hinkünftig eine neologe jüdische Gemeinde zu sein.

Dass für diese Entscheidungen die jeweiligen religiösen und geistigen Gemeindeführer, die Rabbiner, maßgeblich verantwortlich waren, liegt auf der Hand. Die Sieben-Gemeinden auf esterházyschem und heute nord- und mittelburgenländischem Gebiet schlossen sich klar der Orthodoxie an, die südlichen Gemeinden, Schlaining, Rechnitz und Güssing trafen teils nicht so klare Entscheidungen.

In Rechnitz folgte auf den orthodoxen Rabbiner Gabriel Engelsmann nach einer achtjährigen Vakanz (vom Tod Engelsmann 1850 bis 30. Dezember 1858) der Reformrabbiner Maier Zipser, der großen Einfluss auf die jüdische Gemeinde hatte und 1869 starb. Auch sein Nachfolger, der Zipsers Witwe heiratete, Moritz Moses Ehrlich, dürfte die jüdische Gemeinde Rechnitz im Geist seines Vorgängers 50 Jahre lang geführt haben, bis zum seinem Tod 1921.

Also gings gestern in der Früh nach Rechnitz, es war sozusagen der Sondierungstag und die Ergebnisse dieses ersten Ansehens der Grabsteine und Inschriften war schon so spannend und übertraf alle meine Erwartungen, dass ich mich schon sehr auf die nächsten Besuche freue.

Nur so viel sei jetzt schon verraten: Fast alle Grabsteine und Grabsteinfragmente, die wir heute ein wenig unter die Lupe nehmen konnten, waren aus der Zeit 18. Jahrhundert bis spätestens Mitte 19. Jahrhundert, also aus einer Zeit, als in Rechnitz noch die strenge Orthodoxie geübt wurde und von Reformjudentum noch keine Rede war. Das ist an mancher Inschrift gleich auf den ersten Blick zu erkennen, und zwar sowohl am Stil und Inhalt der Inschrift selbst als auch an der teils faszinierenden und von mir nicht erwarteten Grabsteinsymbolik bzw. der “Beschriftung der Grabsteinsymbolik”.

Es war ein sehr heißer Tag, nach einigen Stunden beendeten wir unseren Besuch und ich bedanke mich bei den beiden Damen von REFUGIUS, Christine Teuschler und Eva Schwarzmayer sehr herzlich für die Einladung nach Rechnitz.

Der Rückweg führte über Hochstrass, ein kleiner Ort nahe Lockenhaus. In Hochstrass bekommt man bei Ruth Patzelt den wirklich mit Abstand besten Honig. Als Honigliebhaber quasi ein doppelter Grund, in Hochstrass Pause zu machen: um Ruth zu treffen und um den sensationell guten Honig zu kaufen.

Ruth Patzelt ist aber nicht nur eine tolle Imkerin. Über ihre jahrzehntelange Arbeit zur Geschichte der Jüdinnen und Juden in Lockenhaus lesen wir, übrigens genauso wie über die beiden Damen Christine Teuschler und Eva Schwarzmayer, in einigen Tagen in meinem nächsten Blogartikel mehr.

https://der-transkribierer.at/religion-und-kultur/ueber-aus-der-erde-geborgenen-grabsteine-und-den-besten-honig/

Refugius - Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative
1938.2018 Shalom.Nachbar in Lockenhaus

Zugegeben, ich war überrascht: Jüdischer Friedhof Lackenbach: Zwei Grabsteine, ein Ehepaar, Julie und Samuel Adler, nebe...
05/07/2026

Zugegeben, ich war überrascht: Jüdischer Friedhof Lackenbach:

Zwei Grabsteine, ein Ehepaar, Julie und Samuel Adler, nebeneinander begraben.
Zwei hebräische Grabinschriften auf modernen Granitsteinen, beide Anfang 20. Jahrhundert, beide am Sockel die Namen in deutscher Sprache, was auf zumindest leichte Assimilationstendenzen schließen lässt.
Beide Grabinschriften auf den ersten Blick sozsuagen "zwei glatt, zwei verkehrt", also recht simpel und schnell machbar.

Und dann passiert das, was eben gelegentlich passiert: Ich bleibe beim Ehemann in der Eulogie, also im Lobteil der Inschrift, in Zeile 10 hängen. Die Lesbarkeit ist kein Thema, glasklare Schrift, aber ich stolpere über den Sinn und auf einmal war klar, schnell geht da nichts.

Es heißt im Kontext: "Er war ein aufrechter und tugendhafter Mann, wandelte in Lauterkeit und Tugendhaftigkeit" und dann kommt die Zeile 10:

"fest hielt er am Baum des Lebens".

Nun kommt der "Baum des Lebens" in hebräischen Grabinschriften doch gar nicht so selten vor, wenn auch fast ausschließlich im Sinne von "Unter dem Baum des Lebens erfreut sich deine Seele, im Garten Eden wird man dir dein Festmahl bereiten" u.Ä.

Für "an etwas haften", "an etwas festhalten" fand ich keine Belege im Zusammenhang mit dem Baum des Lebens. Abgesehen davon, dass eine eschatologische, also endzeitliche Deutung der Zeile an dieser Stelle eher auszuschließen ist. Die Zeile muss sich also, so mein Gedankengang, auf die Lebenszeit von Samuel Adler beziehen, auf sein, wie auch immer idealisiert dargestelltes irdisches Leben.

Zwar finden wir in der hebräischen Bibel einige Male den "Etz (Ha)Chajim", den Lebensbaum, und besonders in Sprüche 11,30 heißt es: "Die Frucht des Gerechten ist ein Lebensbaum...", aber woran hat der Verfasser der Inschrift konkret gedacht, als er diese Zeile schrieb?

Tatsächlich kannte er das kabbalistische Werk "Chesed Le-Abraham" ("Barmherzigkeit für Abraham"), das von Rabbi Abraham Azulai im Jahr 1619 anlässlich der Pestepidemie verfasst worden war.

In diesem Werk finden wir praktisch das wörtliche Zitat der Zeile 10 der hebräischen Grabinschrift des Samuel Adler: "Wer sich mit der Tora befasst und zwar speziell mit den Geheimnissen der Weisheit... der hält dadurch am Baum des Lebens fest (!)... und die Schechina, die Gegenwart Gottes, ist stets bei einem solchen Menschen..."

Dass Samuel Adler offensichtlich ein guter, weiser Mensch war, wird dann noch zwei Zeilen später, in Zeile 12 bestätigt, wo es heißt: "Gutes tat er dem Himmel (also Gott) und den Menschen", und in Zeile 13 folgt: "Sein Name gedeihe weiter für Generationen".

Ich gebe ebenfalls zu: ich habe in dieser Inschrift keine von der jüdischen Mystik, der Kabbala beeinflusste Zeile erwartet und war daher überrascht.

Klar wird aber damit auch, was überhaupt in der ehemaligen jüdischen Gemeinde Lackenbach gelesen und studiert wurde!
Denn diese Zeile zeigt uns sehr deutlich, dass hebräische Grabinschriften auch mit der Existenz von Matrikenbüchern nicht aufhören Primärquellen zu sein, die Inschrift muss vor allem auch als Quelle zur Erforschung der jüdischen Geschichte betrachtet werden. Und dazu gehören Fragen wie "Welche Ausbildung und welche Bildung hatten der Rabbiner und seine Rabbinatsassessoren?, Gab es in der jüdischen Gemeinde chassidische und/oder mystische Tendenzen? Was wurde in der jüdischen Schule und in der Jeschiwa gelesen und studiert? und viele andere Fragen.

In jedem Falle war die Inschrift spannend und wieder einmal kann ich nur wiederholen: auch nach fast 35 Jahren Dokumentation hebräischer Grabinschriften lerne ich immer wieder Neues und auch das fasziniert mich an meiner Arbeit...

Bleibt nur noch anzumerken, dass insbesondere auch jüdische Friedhöfe mit ausschließlich hebräischen Grabinschriften jenseits der Genealogie und biografischen Details über die Begrabenen in ihren Inschriften viele spannende und interessante Geschichten über die ehemaligen jüdischen Gemeinden bieten, die entdeckt und gefunden werden wollen. Dazu müssen wir aber die jüdischen Friedhöfe besuchen, beim Entdecken der spannenden Geschichten helfe ich Ihnen gerne, siehe meine Rundgänge auf den jüdischen Friedhöfen des Burgenlandes.

https://der-transkribierer.at/burgenland/juedischer-friedhof-lackenbach/adler-samuel-08-jaenner-1913/

Samuel Adlers Ehefrau:
https://der-transkribierer.at/burgenland/juedischer-friedhof-lackenbach/adler-julie-geb-kronberger-11-jaenner-1907/

Der jüdische Friedhof ist auch in Frauenkirchen ein letzter für alle sichtbarer Rest einer ehemaligen langen und bedeute...
17/06/2026

Der jüdische Friedhof ist auch in Frauenkirchen ein letzter für alle sichtbarer Rest einer ehemaligen langen und bedeutenden jüdischen Geschichte des Ortes.

Nach 1945 war es Theresia Ehmann, die den Friedhof pflegte, den Schlüssel verwahrte und sogar heldenhaft verhinderte, dass der jüdische Friedhof von einem aus Deutschland angereisten Steinmetz, der die Grabsteine abtransportieren wollte, zerstört werde.

Hören Sie im Podcast von Dr. Sepp Gmasz Theresia Ehmann mit ihren Erinnerungen an jüdische Begräbnisse...

Allen Zuhörerinnen und Zuhörern aus Deutschland leiste ich bei Bedarf gerne Transkriptionshilfe ;-)

Vielleicht haben Sie auch Lust, den einen oder anderen Podcast des burgenländischen Volksliedwerks zu hören, wie zum Beispiel über den speziellen Dialekt der Region (das Hianzisch): https://bvlw.at/podcast/

Hier der Podcast mit Theresia Ehmann:

https://bvlw.at/wp-content/uploads/2025/11/23-Vom-Koschatn-und-der-Kria-%E2%80%93-Begraebnisrituale-der-einstigen-Judengemeinde-von-Frauenkirchen.mp3

Die 21-jährige Kylie sucht und besucht ihre Vorfahren in Kobersdorf.Meine sicher ehrenvollste, wichtigste und mich am me...
24/05/2026

Die 21-jährige Kylie sucht und besucht ihre Vorfahren in Kobersdorf.

Meine sicher ehrenvollste, wichtigste und mich am meisten glücklich machende Arbeit ist, Nachfahren von Jüdinnen und Juden einer der ehemaligen jüdischen Gemeinden die Gräber und Grabsteine ihrer Vorfahren zu suchen und zeigen zu dürfen.

Heute kam Familie Holzer aus New York nach Kobersdorf. Wir kennen einander seit Jahren und haben einander schon in Kobersdorf und 2019 sogar in Cleveland (Ohio) getroffen. Diesmal kamen Samuel und Irene Holzer mit ihrer Nichte Kylie, die kürzlich ihr Studium erfolgreich beendet hatte und den Ort, an dem ihre Vorfahren über viele Generationen lebten, noch nicht kannte.

Den Besuch in Kobersdorf begannen wir in der prachtvoll renovierten ehemaligen Synagoge, die die Familie das erste Mal sehen durfte. Samuel Holzer betonte sehr glücklich zu sein, dass dieser Ort, an dem seine Ur…urgroßeltern gebetet und geheiratet haben, so prachtvoll renoviert wurde und an die jüdische Geschichte des Ortes und damit auch an seine Familie erinnert.

Nach dem Besuch der ehemaligen Synagoge fuhren wir zum jüdischen Friedhof, der sich auch heute in der Mittagssonne in einer atemberaubenden Stimmung präsentierte.
Wir gingen sofort nach oben zum Grabstein von Samuel Holzers Urgroßvater Salomon Holzer, dem Sohn von Nathan Holzer, gestorben an Simchat Tora, umgerechnet am 2. Oktober 1934.

Danach besuchten wir auch die meisten der anderen Vorfahren der Familie wie David Holzer und Kylie glänzte beim Umrechnen vom jüdischen ins bürgerliche Datum mit brillanten Rechenkünsten. Kein Wunder, sie hatte auch einen Abschluss in Technik ;-)

Die große Überraschung kam aber ganz am Schluss, also wir schon am Weg runter zum Tor waren, wo links und rechts an der Mauer die umgefallenen Grabsteine und Grabsteinfragmente aufgestellt sind.

Tatsächlich sehe ich nun beim Hinuntergehen noch einen Grabstein der Familie Holzer, dessen Inschrift eben durch das “an die Mauer Lehnen” wieder sichtbar wurde und ich demnächst bearbeiten kann: Michle Holzer, die Ehefrau von Anton (Todros) Holzer, Halbbruder von Samuel Holzers Urgroßvater Salomon, gest. 20. Mai 1920. Michle starb am 30. Av 662, das ist der erste Neumondtag des Monats Elul, umgerechnet, der 2. September 1902.

Familie Holzer war sehr glücklich über den überraschenden Fund und wir hoffen alle, einander bald wieder zu treffen, sehr wahrscheinlich in Kobersdorf und nicht in den USA…

https://der-transkribierer.at/genealogie/kylie-suchte-und-besuchte-ihre-vorfahren/

Zwei Tage nach dem jüdischen Friedhof Mödling besuchten wir (E. Randol Schoenberg und Traude Triebel) die drei jüdischen...
04/05/2026

Zwei Tage nach dem jüdischen Friedhof Mödling besuchten wir (E. Randol Schoenberg und Traude Triebel) die drei jüdischen Friedhöfe im Seewinkel: Gattendorf, Kittsee und Frauenkirchen.

Es waren 300 Kilometer, die wir trotzdem entspannt abspulten, was wir der entschleunigenden Gegend verdanken. Flach und eben, in der Nähe von Frauenkirchen viele Windräder und Sonne den ganzen Tag (pannonische Tiefebene halt).

Unser erstes Ziel war Gattendorf, das einst jüdische קאטנדארף “Kottendorf”. Eine ehemals jüdische Gemeinde, die es seit dem frühen 18. Jahrhundert gab, die aber heute, was die Aufmerksamkeit auf sie betrifft, immer wieder sehr stiefmütterlich behandelt wird.

Herrn Dr. Klaus Derks, dem langjährigen Gemeindearzt von Gattendorf verdanken wir die gründlich recherchierte und umfangreiche Monografie über die jüdische Gemeinde Gattendorf.

Dr. Derks ist es auch, der mit uns zum jüdischen Friedhof fährt, der, am Rande der Ortschaft gelegen, vielleicht ein wenig schwer zu finden ist. Auf der Fahrt zum Friedhof genießen wir noch eine Führung durch das ehemalige jüdische Gattendorf: das einzige noch vorhandene jüdische Haus, der Platz, an dem bis 1996 die Synagoge bzw. das verfallene Gebäude der ehemaligen Synagoge stand, das 1996 dann geschleift wurde. Sicher keine Sternstunde fürs Burgenland, was den Umgang mit dem jüdischen Erbe betrifft.
Beim Friedhof angelangt, treffen wir auf den Historiker, Autor und Organisator von Barockmusikkonzerten, Roman Kriszt, der uns ab nun begleiten wird.

Nach Gattendorf führte uns Roman Kriszt zum Dreiländereck, jenen historischen Ort “am östlichsten Ende des westlichen Europa” (Zitat Dr. Klaus Derks), an dem Österreich, Ungarn und die Slowakei aufeinandertreffen.

Danach ging’s weiter nach Kittsee. Danke Frau Direktor a. D. Irmgard Jurkovics, die uns den Zugang zum Friedhof ermöglichte.

Am Weg zum Friedhof kamen wir auch an jenem Haus vorbei, das 2021 von Gerhard Ströck, weil es das Stammhaus seines Bäckereiunternehmens ist, gekauft wurde. An diesem Haus befindet sich auch die Tafel, dass es sich um das Geburtshaus des Komponisten und Violinisten Josef Joachim handeln würde. Ist es aber nicht. Weil das Haus aber schöner war als das tatsächliche Geburtshaus von Joachim, brachte man kurzerhand die Tafel hier an diesem Haus an. Daher stimmt das Bild vom Geburtshaus des Komponisten im verlinkten Wikipedia-Artikel auch nicht!

Der jüdische Friedhof Kittsee liegt im “Schatten des Schlosses”, was gleich beim Betreten augenscheinlich wird. Die Grabsteine sind leider zum größten Teil nicht mehr lesbar und obwohl die Gemeinde Kittsee wohl für uns Wege am Friedhof gemäht hat, war das Gras dort, wo nicht gemäht war, so hoch, dass ich an diesem Tag trotz intensiven Bemühens den Grabstein von Ascher Anschel, dem Illustrator der berühmten Kittsee-Haggda, nicht finden konnte.

Nach Kittsee ging es weiter zum dritten jüdischen Friedhof, nach Frauenkirchen. Danke Dr. Herbert Brettl für die Beschaffung des Friedhofschlüssels! Historiker Herbert Brettl ist auch der Autor des Buches “Die jüdische Gemeinde von Frauenkirchen פראוענקירכן, 3. Auflage 2016, ein “Must-read-book”.

Der Friedhof ist der mit Abstand größte jüdische Friedhof von den drei Friedhöfen, die wir an diesem Tag besuchten und er ist, so wie übrigens der jüdische Friedhof von Gattendorf, aufgeschüttet. Das bedeutet, dass unter der heute sichtbaren Gräberschicht sich zumindest noch eine ältere Gräberschicht befindet. Aufschüttungen werden üblicherweise möglichst vermieden, aber wenn es keine Möglichkeit gibt, neues Friedhofsgelände zu erwerben (nota bene: ein jüdischer Friedhof ist immer für die Ewigkeit angelegt und darf nicht aufgelassen werden), wenn ein Friedhof voll belegt ist, gibt es manchmal keine andere Möglichkeit. Prominente Beispiele sind etwa der jüdische Friedhof von Prag oder von Bratislava. Sowohl in Gattendorf als auch in Frauenkirchen ist das Areal, wo aufgeschüttet wurde, durch die Erhebungen deutlich zu erkennen.

Die Sonne, die vielen Kilometer und Schritte auf den ersten beiden Friedhöfen machten sich jetzt leider ein wenig bemerkbar und alle in der Gruppe wurden langsam müde. Daher bekam der jüdische Friedhof von Frauenkirchen nicht mehr ganz die Aufmerksamkeit, die er verdienen würde.

Und so machten wir uns am späten Nachmittag langsam auf die Heimreise…

https://der-transkribierer.at/religion-und-kultur/die-drei-juedischen-friedhoefe-im-seewinkel/

Schabbat Schalom, heute vom jüdischen Friedhof in Mödling! Wenn allerorts die Maibäume aufgestellt werden, besuchten wir...
01/05/2026

Schabbat Schalom, heute vom jüdischen Friedhof in Mödling!
Wenn allerorts die Maibäume aufgestellt werden, besuchten wir mit Randy Schönberg heute den jüdischen Friedhof Mödling.

Mödling besaß seit 1345 das Marktrecht, etwa um diese Zeit haben sich die ersten Juden im Ort angesiedelt. Im mittelalterlichen Mödling dürften etwa 60 Jüdinnen und Juden gelebt haben, sehr wahrscheinlich gab es auch damals bereits einen jüdischen Friedhof, der wohl als Vorgängerfriedhof des heutigen bezeichnet werden darf, zumal er örtlich ganz in der Nähe gelegen sein dürfte.

Der heute existierende jüdische Friedhof in Mödling wurde 1876 errichtet, grenzt an den Friedhof der Stadt Mödling an und umfasst über 3.000 m2. Bis 1938 wurden 373 Jüdinnen und Juden aus Mödling und den umliegenden Ortschaften auf diesem Friedhof begraben.

Nicht genug gedankt werden kann Frau Barbara Schildboeck, bis 1. September 2024 evangelische Pfarrerin in Hartberg (Steiermark), die schon vor fast 40 Jahren (!), im Sommer 1987 im Rahmen ihrer Diplomarbeit alle Inschriften des jüdischen Friedhofes transkribierte und die hebräischen Inschriften danach übersetzte und kommentierte. Ihre umfassende Dokumentation des Friedhofes ist eine akribische Arbeit von enormem Wert, nicht alleine deshalb, weil die Grabsteine im Laufe der Jahre auch auf diesem Friedhof immer mehr verfallen und die Inschriften zunehmend schlechter lesbar sind.

Vielen Dank an Mag. Gerhard Wannemacher und Dr. Christian Matzner vom Verein zur Zeitgeschichte Mödling, die uns nicht nur den Friedhofsbesuch, sondern auch den Besuch des Museums Mödling, wo es eine kleine jüdische Abteilung gibt, möglich machten.

Der jüdische Friedhof präsentiert sich heute leider in höchstem Maße unwirtlich, hohes Gras und Gestrüpp machten es unmöglich, manche Grabsteine bzw. ihre Inschriften sehen zu können.

https://der-transkribierer.at/religion-und-kultur/am-juedischen-friedhof-moedling/

Ein weder datiertes noch signiertes Aquarell in der Österreichischen Nationalbibliothek zeigt den ältesten jüdischen Fri...
29/04/2026

Ein weder datiertes noch signiertes Aquarell in der Österreichischen Nationalbibliothek zeigt den ältesten jüdischen Friedhof von Wien: jenen in der Rossau, der bis 1783 Hauptbegräbnisstätte der jüdischen Gemeinde Wiens war. Dabei wurde dieser Friedhof erst im 16. Jahrhundert angelegt, sicher in Verwendung war er seit 1582: in diesem Jahr starb Ester, Tochter des Akiba. 1783 wurden auf Geheiß von Kaiser Josef II alle Friedhöfe innerhalb der Vorstädte geschlossen, der Nachfolgefriedhof für die jüdische Gemeinde wurde der jüdische Friedhof Währing, der außerhalb der Stadtmauern lag.

Es gibt - wenig überraschend - sehr viele Verbindungen zwischen diesem ältesten jüdischen Friedhof in Wien und den burgenländischen jüdischen Friedhöfen. Der große Bibliothekar der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Bernhard Wachstein, publizierte 1912ff sein Mammutwerk "Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1922 folgte dann seine Publikation über den älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt.

Auf dem ältesten jüdischen Friedhof in Wien befindet sich auch der Marmorsarkophag von Rabbi Simson ben Josef Josel Wertheim, dem ungarischen Landesrabbiner, der 1684 als Hoffaktor nach Wien gekommen war. Das wohl schönste und beeindruckendste Grabmal auf diesem Friedhof.

derStandard.at/Web: danke für den wirklich informativen und schönen Artikel!

https://www.derstandard.at/story/3000000317500/juedisches-erbe-in-wien-der-friedhof-in-der-rossau

"Über den guten jungen Mann, der hier ruht, stimmt an Klagen und Wehgeschrei!Wahrheit und Güte säte er auf die Furchen s...
13/04/2026

"Über den guten jungen Mann, der hier ruht, stimmt an Klagen und Wehgeschrei!
Wahrheit und Güte säte er auf die Furchen seines Herzens.
Schon in seiner Jugend ließen seine Blüten erahnen, welche Früchte er später tragen würde.
Nun genießt er im ewigen Leben die Frucht seiner guten Taten."

Obwohl ich seit 34 Jahren praktisch täglich hebräische Grabinschriften transkribiere, bearbeite, übersetze, kommentiere und online stelle, habe ich bisher ein sehr wichtiges Element der hebräischen Grabinschriftenpoesie praktisch völlig ausgeblendet und vernachlässigt: Den Reim!

David Lichtenstadt, ein junger Mann, der mit 14 Jahren in Wien starb als Sohn eines Traiteurs, also eines Gastwirtes in gehobener Umgebung (wie Felix Czeikes in seinem Historischen Lexikon Wien schreibt). David Lichtenstadt ist am jüdischen Friedhof Währing in Wien begraben.

Schon der beeindruckend große und schöne weiße Marmorgrabstein des Kindes unterscheidet sich von den meisten Kindergräbern deutlich, kann aber vielleicht doch mit dem urbanen und besonders dem familiären Umfeld des Verstorbenen erklärt werden.

Besonders auffällig aber ist die rein hebräische Grabinschrift. Der sogenannte "Lobteil" der Inschrift, die Eulogie, umfasst 4 Zeilen, die im Kreuzreim (Wechselreim: a-b-a-b) abgefasst sind und die wir jedenfalls als literarisch hochwertige Inschrift mit sauber komponierter metrisch-poetischer Struktur bezeichnen dürfen, Bildersprache (säen, Acker des Herzens...), Elemente aus der rabbinischen Dialektik und klassisch-biblisch-poetische Suffixformen inklusive.

Reime finden wir in sehr vielen hebräischen Grabinschriften, bei David Lichtenstadt half mir der Kreuzreim besonders bei der korrekten Lesung des Schlusswortes von Zeile 6. Die Lehre aus der Geschichte: Das Stilmittel Reim darf auch als Lesehilfe nie unterschätzt werden...

https://der-transkribierer.at/juedischer-friedhof-waehring/lichtenstadt-david-18-september-1809/

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