25/08/2024
Griechenland Teil 13, Ruska
Eine weitere Theorie über den Ursprung des Wortes „Rus“ geht von einem indo-arischen Ursprung aus. Dieser sogenannten alanischen Theorie zufolge hat das Wort eine indo-arische Wurzel ruksa-/ru(s)sa- („hell, hell“) und „Rus“ wird mit „Weiße Seite“ übersetzt. Die Anwesenheit von nicht-assimilierten Alanen in den Siedlungen und Städten der frühen Kiewer Rus ist archäologisch belegt. Allerdings wird diese Theorie von den meisten Wissenschaftlern zurückgewiesen. Die alanische Theorie wird vor allem deshalb als unwahrscheinlich angesehen, weil Alanen eher im Süden der Rus lebten, zudem in nur sehr geringer Zahl. Überdies waren die Alanen in der frühen Rus nicht so gut organisiert wie die skandinavischen Raubhändler. Die Alanen (griechisch Ἀλανοί Alanoí, lateinisch Alanī, Halanī; von iranisch Aryanam, vgl. ossetisch allon „legendäres Volk der Frühzeit“) waren ein iranisches Reitervolk, ein östlicher Teilstamm der Sarmaten. Sie existierten als Stammesverband wesentlich länger als die übrigen Sarmatenstämme und nahmen in der späteren Zeit auch andere Kulturelemente auf. Die Alanen nomadisierten ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. im nördlichen Kasachstan und nordöstlich des Kaspischen Meeres, zogen aber seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. unter dem Druck östlicherer Nomadenverbände, wie der Xiongnu, in die südrussischen Steppen zwischen der Wolga, dem Don und dem Kaukasus. Nach der Eroberung ihres Steppenreiches durch die Hunnen im 4. Jahrhundert schloss sich ein Teil den Hunnen auf ihren Zügen nach Westen an und beteiligte sich später an der sogenannten Völkerwanderung, während die übrigen im Nordkaukasus und Kaukasusvorland blieben. An der Völkerwanderung beteiligten sich alanische Kriegerverbände und ihre Familien in zwei, später drei Gruppen. Eine schloss sich den Zügen der Westgoten an und siedelte sich mit ihnen schließlich in Südgallien an. Die bekanntere Gruppe schloss sich den Vandalen an und gründete in Nordgallien ein kurzzeitiges Stammesreich römischer Foederaten, die am Sieg über die Hunnen in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern beteiligt waren. Alle in Gallien, Iberien und Afrika sesshaft gewordenen Alanen gingen bald in der einheimischen Bevölkerung auf und nur Ortsnamen (Alenquer (Portugal)) und Legenden erinnern an sie. Jene Alanen, die dagegen im Nordkaukasus-Vorland zurückblieben, bildeten im Frühmittelalter bis zum 9. Jahrhundert ein organisiertes Königreich mit mehrheitlich sesshafter, wahrscheinlich nicht allein iranischsprachiger Bevölkerung. Daneben belegen mittelalterliche Quellen kleinere alanische Gruppen auf der Krim und anfangs auch in der Zentral-Ukraine. Die Oberschicht des kaukasischen Königreichs Alanien wurde teilweise christianisiert und das Land ging erst im Mongolensturm im 13. Jahrhundert unter. Diese Alanen sind sprachliche Vorläufer der heute im Kaukasus lebenden Osseten. Die Osseten (ossetisch Ирӕттӕ irættæ „Iraner“) sind eine iranischsprachige Volksgruppe im Kaukasus, die insgesamt etwa 700.000 Menschen umfasst. Die Mehrzahl der Osseten lebt in der Teilrepublik Nordossetien-Alanien (einer Verwaltungseinheit der Russischen Föderation). Das Ossetische gehört zur iranischen Gruppe der indogermanischen Sprachfamilie. Es unterteilt sich in zwei Hauptdialekte, das westossetische Digoron und das ostossetische Iron (mit dem Tual-Dialekt Südossetiens). Fast alle Osseten beherrschen auch die russische Sprache, die sowohl in Nord- als auch in Südossetien neben Ossetisch eine Amtssprache ist. Viele Osseten in der Diaspora beherrschen heute kein Ossetisch mehr. Das deutsche Wort „ossetisch“ und „Osseten“ geht auf ein georgisches Wort zurück. Dieses setzt sich aus „Oss“, was Osseten bedeutet und „-eti“, was als Endung einfach nur „Land“ bedeutet, zusammen. „Oss-eti“ heißt also „Land der Ossen“. Die ossetische Kultur gehört der kaukasischen Kultur an. Etwa 80 % der Osseten sind orthodoxe Christen, eine signifikante Minderheit von etwa 15–20 % sind Muslime. Der Islam ist vor allem in Nordossetien verbreitet. Bedingt durch die lange antireligiöse Politik der Sowjetunion praktizieren viele Menschen keine Religion. Die Osseten stammen sprachlich von den Alanen ab, einem Teilstamm der iranischen Sarmaten (nachweisbar seit dem 1. Jahrhundert n. Chr.). Sie wanderten im 6. Jahrhundert in den Kaukasus ein und sind heute überwiegend christlich. Im Jahr 921 entstand das alanische Erzbistum. Im 13. Jahrhundert wurde ihr Reich von den Tataren und Mongolen zerstört. Die verbliebenen Alanen zogen sich in die Berge zurück, wovon heute noch zahlreiche Verteidigungs- und Wohntürme zeugen. Das moderne Volk der Osseten hat in dieser Zeit seinen Ursprung. Sie lebten damals im Norden des Kaukasushauptkamms. Ab dem 16. Jahrhundert breitete sich der Islam unter dem ossetischen Adel aus. Dieser war an einer engeren Verflechtung mit dem kabardinischen und balkarischen Adel interessiert. Daneben gehen die im 13. Jahrhundert nach Ungarn und in Nachbarländer geflüchteten Jassen wahrscheinlich auf kaukasische Alanen zurück. Die Jász (ungarisch, Plural Jászok) oder Jassi, Jassen, Jazonen oder fälschlich historisierend Jazygen waren ein vormals iranischsprachiger Verband, der im 13. Jahrhundert in das Gebiet des heutigen Ungarn eingewandert war. Ihre um das 16. Jahrhundert vom Ungarischen verdrängte Sprache war eng mit der ossetischen Sprache verwandt. Mit Unterbrechung durch die Türkenzeit, als das Gebiet der Jász im osmanischen Teil Ungarns lag, gehörten sie bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu den mit besonderen autonomen Privilegien vom Feudalsystem des Königreichs ausgestatteten Gruppen. Seit dem Spätmittelalter wurden die Jász in Ungarn oft in einem Atemzug mit den turksprachigen Kumanen genannt, welche in einer benachbarten Region lebten und mit den Jász zum Teil gemeinsame Verwaltungsstrukturen ausbildeten. Im Spätmittelalter bis in die Frühneuzeit lebten auch in anderen Regionen, wie im Fürstentum Moldau, einige Jassen. Um 44–35 v. Chr. ließ sich der vor der chinesischen Armee fliehende Xiongnu-Fürst Chih-chih am Tschüi nieder und erhob Tribut von den benachbarten Steppenstämmen bis hin zu den über 1000 km nordwestlich lebenden Jan-tsai (= Alanen) und anderen benachbarten Gruppen (Hu-chich, Imil, Ch’ien-k’u und sogar in Sogdien), bis er 35 v. Chr. von den Chinesen getötet wurde. Der stetige, westwärts gerichtete Druck aus dem Osten führte im 1. Jahrhundert n. Chr. zur Abwanderung eines Teils der Alanen aus der Region nordöstlich des Kaspischen Meeres ins heutige Südrussland, ein anderer Teil unterwarf sich den in Sogdien benachbarten Kang-kü. Seit dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. auch nördlich des Kaukasus nomadisierend, unternahmen die Alanen von dort und von ihren alten Sitzen an der Ostseite des Kaspischen Meeres Raubzüge durch das Partherreich und nach Medien, Armenien und Kleinasien. Im Jahre 137 n. Chr. drangen sie in die römische Provinz Kappadokien ein, wurden jedoch vom Statthalter Arrian besiegt. In römischen Diensten kamen viele sarmatische Söldner nach Gallien und Britannien, wo sie auch Siedlungen gründeten. Noch im Frühmittelalter waren viele französische und bretonische Adlige stolz auf eine legendäre alanisch-römische Herkunft. Auch in Kleinasien, Konstantinopel und sogar im Hunsrück lebten angesiedelte Sarmaten. Diese Söldner dürften oft keine Alanen aus dem Gebiet Nordkaukasiens und des Kaspischen Meeres gewesen sein, sondern andere Sarmaten, insbesondere Jazygen und Roxolanen aus Grenzregionen des Römischen Reiches, die später wohl missverständlich mit den zur Völkerwanderungszeit bekannt gewordenen Alanen aus dem Osten gleichgesetzt wurden. Die nach Westen gezogenen Alanen siedelten sich anfangs gemeinsam mit den Hunnen entweder in Pannonien (heute Ungarn) oder an der unteren Donau und teilweise auch auf der Krim an. Die Alanen aus Pannonien fielen zur Mehrheit von den Hunnen ab, schlossen sich 406 den Vandalen, Sueben und Burgunden auf dem Zug über den Rhein 406 an und wurden als Foederaten in Diensten des Weströmischen Reichs im nördlichen Gallien angesiedelt. Ihre Stammeskönige auf dieser Wanderung hießen Respendial und Goar. In der Umgebung von Orléans bestand für kurze Zeit ein alanisches Stammesreich. Ein großer Teil dieser Alanen schloss sich 409 dem Zug der Vandalen und Sueben auf die Iberische Halbinsel an, wo sie sich im mittleren Süden in der römischen Provinz Lusitanien und östlich davon ansiedelten. Die zurückgebliebenen Alanen in Gallien mussten sich noch 451 unter ihrem Stammeskönig Sangiban, dem Nachfolger von Goar, aufgrund ihrer Bündnisverpflichtungen mit Rom neben den Westgoten u. a. an der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern beteiligen, in der der legendäre König der Hunnen Attila durch seinen Gegenspieler Aëtius unter großen Verlusten geschlagen wurde. Dieses Alanenreich wurde kurz darauf (nach 451) durch die Westgoten erobert, die ehemaligen Bündnispartner gegen Attila. Neben den Krimgoten und anderen Gruppen siedelten sich zu dieser Zeit auch einige Alanen auf der Krim an, die dort noch bis ins Mittelalter existierten und neben anderen Volksgruppen einige befestigte Städte gründeten, zum Beispiel Sudak oder Çufut Qale. Çufut Qale ukrainisch und russisch Чуфут-Кале Tschufut-Kale, krimtatarisch Çufut Qale, karaimisch Къале ist eine mittelalterliche Festungsstadt auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Sie liegt etwa 2,5 km östlich der Stadt Bachtschyssaraj im gleichnamigen Rajon Bachtschyssaraj. Der Name Çufut Qale kommt aus dem Krimtatarischen und bedeutet so viel wie „Judenfestung“ (çufut ‚Jude‘, qale ‚Festung‘). Die karaimische Sprache (karaimisch Къарай тил Qaraj til), kurz Karaimisch, ist eine Turksprache aus dem Zweig der kiptschakischen Sprachen. Sie wird von der ethnisch-religiösen Gruppe der Karäer gesprochen, die sich etwa im 8. Jahrhundert vom Judentum abgespalten hat und heute noch im Baltikum, Osteuropa, der Türkei und auch in Israel einige Anhänger hat. Die Karäer (karaimisch Къарайм Qarajm, Къараймлер Qarajmler) (auch hebräischBene ha-Miqra, deutsch ‚Söhne des Lesens‘ oder als hebräischYahadut Qara'it) verstehen sich als jüdische Religionsgemeinschaft, die sich seit dem 7./8. Jahrhundert n. Chr. als Oppositionsbewegung gegen die Auslegung der jüdischen Gebote mit dem Talmud im dominierenden rabbinischen Judentum herausbildete und sich bis zum 12. Jahrhundert in den meisten orientalisch-jüdischen Gemeinschaften, auch im Byzantinischen Reich vom islamischen Spanien und dem Balkan bis nach Mittelasien (aber nicht in West- und Mitteleuropa) verbreitete, ab dem 16. Jahrhundert aber wieder viele Anhänger verlor. Im 19. Jahrhundert existierten größere Anhängerschaften des Karäertums nur noch auf der Krim und in einigen osteuropäischen Regionen, deren Vorfahren im Spätmittelalter auch von der Krim gekommen waren, sowie in Ägypten. Sehr kleine Restgemeinschaften bestanden daneben noch in Istanbul, Jerusalem und im Irak. Die meisten Karäer, besonders die orientalischen, wanderten im 20. Jahrhundert vorwiegend nach Frankreich und Israel aus. Aus historisch gewachsenen Gründen wird besonders die turksprachige Volksgruppe der Krim und Osteuropas als Karäer bezeichnet, entstanden aus einer Gruppe Anhänger der karäischen (nicht-rabbinischen) jüdischen Religion, deren Sprache auf der Krim entstand. Sie breitete sich im Spätmittelalter durch Ansiedlung von Gemeinden anfangs nach Trakai (Litauen, polnisch Troki), von dort auch nach Panevėžys (in Litauen) und Wizebsk (heute Belarus), sowie nach Luzk (heute Ukraine, Region Podolien) und Halytsch (mit dem Vorort Salukwa; Galizien/ Ukraine), früher auch in einzelne Dörfer der näheren und ferneren Umgebung (wie Šėta/Westlitauen oder Kukesiw, westlicheres Ostgalizien) aus. Mit der Verstädterung entstanden kleine karäische Gemeinden in Vilnius, Warschau, Kiew, Odessa, Charkiw, Jewpatorija und anderen osteuropäischen Städten, wo ihre traditionelle Umgangssprache oft außer Gebrauch kam. Diese Karäische oder Karaimische Sprache gehört zur pontisch-aralischen Untergruppe des nordwestlichen Zweiges der Turksprachen und unterteilt sich in den östlichen Dialekt auf der Krim mit nur noch wenigen aktiven Sprechern, den südwestlichen Dialekt in Galizien und Podolien (letzte Sprecher in Halytsch und Salukwa) und einen nordwestlichen Dialekt in Litauen und Belarus (letzte Sprecher in Trakai). Die früher ebenfalls im Alltag turksprachigen rabbinischen Juden der Krim sind die Krimtschaken. Über den Ursprung der Krim-Karäer und osteuropäischen Karäer gibt es mehrere Gründungslegenden. Einige sehen als Ursprung der Karäer einen Konflikt, der im zweiten vorchristlichen Jahrhundert im jüdischen Priestertum zwischen der Mehrheit und einer Minderheit von Gläubigen aufbrach, die als „Söhne Zadoks“ – möglicherweise Sadduzäer (hebräisch: Zaduquim, arabisch: Saduqiyah) oder einer anderen Gruppe, die von den Griechen als Essener bezeichnet wurden, welche die übrige Priesterschaft als ungläubig und unrein betrachteten. Zu einer deutlich vom rabbinischen Judentum abgrenzbaren Religionsgemeinschaft wurden die Karäer wohl spätestens im 8. Jahrhundert n. Chr. unter Anan ben David, der vermutlich allerdings selbst kein Karäer war. In dieser Zeit übernahmen sie vermutlich einige Anschauungsweisen des Islam in ihr philosophisches und wissenschaftliches Weltbild. Besonders im Reich der turkstämmigen Chasaren sollen sie erfolgreich Anhänger geworben haben; andere dagegen glauben, dass die Chasaren überwiegend zum rabbinischen Judentum konvertierten. Es gab vor allem in Palästina in fast jedem größeren Ort eine karäische Gemeinde. Ein verbindliches Lehramt kennen die Karäer nicht, sondern betonen, dass jeder Gläubige das religiös Gebotene durch eigenständiges Lesen der Tora selbst erkennen müsse. Diese Einstellung war wohl maßgeblich dafür, dass die Karäer die Tora erstmals auch sprachwissenschaftlich untersuchten. Sie verglichen Übersetzungen der Tora in Aramäisch, Hebräisch und Arabisch und entdeckten dabei die nahe Verwandtschaft dieser semitischen Sprachen. Einige vermuten als ethnischen Ursprung Teile des israelitischen Volkes, die nicht nach Palästina zurückgekehrt seien, nachdem sie um 720 v. Chr. aus dem Nordreich Israel von den Assyrern verschleppt worden waren oder nachdem das Babylonische Exil des Südreichs um 540 v. Chr. geendet hatte. Als Vorfahren der heutigen Karäer werden meist die Krim-Karäer vermutet, eine Volksgruppe, die im frühen Mittelalter (8.–10. Jahrhundert) in den Gebieten des Schwarzen und des Mittelmeeres siedelte. Diskutiert wird auch, ob sie Nachfahren oder lediglich Zeitgenossen der Chasaren (7.–11. Jahrhundert) sind, die zum Judentum übergetreten sind und zu den Turkvölkern zählen. Fast alle sesshaft gewordenen alanischen Gruppen, außer jenen auf der Krim und in Kaukasien, wurden bereits im Mittelalter nicht mehr in Quellen beschrieben. Offenbar gingen sie innerhalb weniger Jahrhunderte in den größeren Nachbarbevölkerungen auf. Es blieb aber eine legendenhafte Erinnerung an die Alanen und Sarmaten zurück. Bedeutende Zentren waren neben der Halbinsel Krim auch Anatolien. Heute gibt es weltweit etwa 45.000 Karäer, von denen (2002) rund 25.000 in Israel leben, die restlichen vor allem in Polen, der Ukraine und Australien. Die Gesamtzahl der Karäer in der Ukraine und in Litauen wird (2002) auf etwa 3000 bis 4000 Menschen geschätzt. Bei der Volkszählung der UdSSR im Jahre 1989 gaben 2602 Menschen an, zur ethnischen Gruppe der Karäer zu gehören. Die Karäer können als Ethnisch-religiöse Gruppe betrachtet werden. Während ihrer Ausbreitung auf der Krim haben die Karäer zwar die hebräische Schreibweise beibehalten, aber die tatarische Sprache übernommen. Die karaimische Sprache gehört daher zu den Turksprachen und zerfällt in verschiedene Dialekte oder Lokalsprachen. Sie ist vom Aussterben bedroht oder wird bereits nicht mehr gesprochen. In der UdSSR von 1989 gaben 503 Menschen an, die karaimische Sprache als Muttersprache zu haben. In Litauen gibt es Ansätze, die Sprache als kulturelles Erbe und als Sakralsprache (ähnlich dem Latein der Katholiken) zu erhalten. Auf der Krim benutzen die Karäer ihre Muttersprache neben dem Hebräischen beim Gottesdienst. Während des Ersten Kreuzzugs wurden die Karäer wie die rabbinischen Juden verfolgt. Um 1099 wanderten sie daher in großer Zahl nach Konstantinopel aus. Dort galten sie wegen ihres Bezugs auf die Tora als „bibeltreu“ und erschienen insofern nicht im Widerspruch zur christlichen Religion. Daher wurden sie im byzantinischen Reich im Gegensatz zu den Juden nicht als Häretiker verfolgt. Im 14. Jahrhundert waren Karäer von der Krim, wo sie als Teil der Turkvölker siedelten, nach Galizien und Litauen ausgewandert. Nach Litauen wurden vom Großfürsten Vytautas im Jahre 1397 neben Tausenden von Tataren auch 380 karäische Familien als Leibwache und Beschützer seiner Burg in Trakai geholt. Die Stadt liegt 28 Kilometer westlich von Vilnius, der litauischen Hauptstadt. In der Umgebung gibt es 200 Seen. Der Ort ist berühmt für seine alte Wasserburg Trakai auf einer Insel zwischen dem Galvesee, dem Lukasee und dem Totoriskessee. Der Galvesee mit seinen 21 Inseln ist mit 46,7 m der tiefste See der Region. Seine Fläche beträgt 3,88 km². Heute leben in Trakai neben Litauern nicht wenige ethnische Polen, dazu Russen, Belarussen, Karäer und Tataren. Die Bevölkerung ist seit der Unabhängigkeit des Landes um circa 2500 Personen zurückgegangen. Das 13. und 14. Jahrhundert sind gekennzeichnet durch Kämpfe gegen die Kreuzritter des Deutschen Ordens. Während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde in Alt-Trakai eine steinerne Burg erbaut, die zeitweilige Residenz des Großfürsten. Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Burg zerstört und nicht wieder aufgebaut. An ihrer Stelle wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neogotische Kirche errichtet. In deren Nähe sind die Reste eines Benediktinerklosters zu sehen. Es gab den Bezirk Traken in der Woiwodschaft Traken des Großfürstentums Litauen. Neu-Trakai, die heutige Stadt Trakai ist drei Kilometer von der Burganlage Alt-Trakai entfernt. Die Stadt Trakai konnte sich nach dem Mittelalter aufgrund ihrer Lage zwischen den Seen nicht erweitern. Neben dem Marktplatz ist ein blaues Haus zu sehen, welches das Gebäude der alten Post ist. Es wurde von Dominikanern gebaut. Heute dient es der Verwaltung des Historischen Nationalparks von Trakai. Die zwei Burgen sind der architektonisch bedeutendste Verteidigungskomplex in Litauen. Die Gründung der Stadt im 13. Jahrhundert traf mit der des litauischen Staates zusammen. Der neu gegründete Staat musste 200 Jahre lang Invasionen des christlichen Europas widerstehen. Die Ordensritter versuchten die Gegend zu meiden, die Burgmannschaft war für sie unbesiegbar. In der Höhe zwischen zwei Seen – Bernardinu und Galves – stand eine Halbinselburg, die von der Stadt durch eine Mauer und einen tiefen Graben getrennt war. Die Burg war durch elf Wehrtürme geschützt. Sie wurde mehrmals – nicht nur von den Ordensrittern – angegriffen, sondern auch durch interne Kriege zwischen den Fürsten Litauens beschädigt.
Nach der Tannenbergschlacht 1410 wurde begonnen, die Burg wieder aufzubauen. Die Schlacht bei Tannenberg, auch Schlacht bei Grunwald (polnisch Bitwa pod Grunwaldem, litauisch Žalgirio mūšis) wurde am 15. Juli 1410 im Ordensland Preußen unweit der Orte Tannenberg und Grünfelde ausgefochten. Das Heer des Deutschen Ordens unter Hochmeister Ulrich von Jungingen sowie Aufgebote der preußischen Landstände und eine unbekannte Zahl von Söldnern nebst west- und mitteleuropäischen Rittern trug dort das entscheidende Treffen gegen eine gemeinsame Streitmacht des Königreichs Polen unter König Władysław II. Jagiełło sowie des Großfürstentums Litauen unter Großfürst Vytautas aus. Die seit 1303 andauernden Litauerkriege des Deutschen Ordens sowie die latente Rivalität zwischen Deutschem Orden und dem seit 1386 mit Litauen in Personalunion verbundenen Königreich Polen erreichten in dieser Schlacht ihren Höhepunkt. Unmittelbarer Anlass des Konflikts war nicht nur das seit 1309 zwischen dem Deutschen Orden und Polen umstrittene Pommerellen, sondern auch die seit 1303 in erbittert geführten Feldzügen umkämpfte Region von Schamaiten im westlichen Litauen, welches die Landverbindung zwischen Livland und dem preußischen Kernland bildete. Pommerellen (polnisch Pomerelia selten benutzt, lateinisch Pomerellia oder Pomerania), auch Weichselpommern (polnisch Pomorze Nadwiślańskie) oder Ostpommern im Polnischen Sinne (polnisch Pomorze Wschodnie, kaschubisch Pòrénkòwô Pòmòrskô), einschließlich Danziger Pommern (polnisch Pomorze Gdańskie), ist eine historische Landschaft an der Ostseeküste in der heutigen polnischen Woiwodschaft Pommern. Die Žemaiten, auch Samogiten oder Samaiten, litauisch Žemaičiai, waren ein baltischer Volksstamm. Er war im westlichen Litauen, in Samogitien (lit. Žemaitėjė), ansässig. Die Sprache ist Žemaitisch. Samogitien, wie diese Landschaft im Mittelalter genannt wurde, war 1398 im Vertrag von Sallinwerder durch Vytautas dem Deutschen Orden zugesprochen worden, was 1404 vom Königreich Polen aufgrund diplomatischen Druckes des Papstes Innozenz VII. nochmals bestätigt wurde. Infolge der 1402 erfolgten Verpfändung der östlich der Oder gelegenen kurfürstlich brandenburgischen Neumark an den Deutschen Orden, an deren Erwerb auch Polen Interesse zeigte, verschlechterte sich das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen dem Deutschen Orden und dem Königreich Polen. Der litauische Großfürst Vytautas unterstützte zudem aus machtpolitischen Interessen seit 1402 die mit der Herrschaft des Ordens unzufriedenen Schamaiten, sodass es 1409 zum offenen Aufstand gegen die Ordensherrschaft kam. Im Herbst 1409 eroberten Söldner des Ordens das Dobriner Land, griffen leichtere Reiter in Kujawien an und belagerten Bromberg. Das Königreich Polen sowie Vytautas von Litauen waren vorerst aufgrund der relativ späten Jahreszeit nicht in der Lage, einen erfolgversprechenden Heerbann aufzubieten. Zudem nahte der Winter heran, was die Entscheidung des Hochmeisters begründete, seine Söldner aus Kujawien und von Bromberg abzuziehen.Das Dobriner Land ist eine polnische Landschaft am Ostufer der Weichsel. Es schließt südlich der Drewenz an das Kulmerland an und umfasst etwa den Powiat Lipnowski und den Powiat Rypiński. Der Name leitet sich von der Stadt Dobrin an der Weichsel ab. Es gehörte zu Kujawien. Im Juli 1343 erhielt der polnische König Kasimir der Große vom Deutschen Orden im Frieden von Kalisch das Dobriner Land sowie Kujawien. Im Gegenzug versprach er, in Zukunft keine Ansprüche mehr auf Pommerellen, das Kulmerland und das Michelauer Land zu erheben. Am 8. Oktober wurde ein bis zu Sankt Johanni (24. Juni des folgenden Jahres) befristeter Waffenstillstand geschlossen. Im Januar kam es zum letzten Versuch, einen Ausgleich zu erreichen: Der zur Schlichtung angerufene böhmische König Wenzel IV. sprach am 15. Februar 1410 dem Orden aufgrund des Kontraktes zu Sallinwerder das Verfügungsrecht auf Schamaiten zu. Dieses Urteil wurde indes sowohl vom polnischen Adel als auch vom Großfürsten Litauens, Vytautas, nicht akzeptiert. So bereiteten sich die Kontrahenten intensiv auf eine militärische Entscheidung während der Sommermonate des Jahres 1410 vor. Dieser als „grosser streyth“ bezeichnete Krieg gipfelte im Zusammentreffen der Heere unweit Tannenbergs. Im Winter 1409/10 fand in Brest-Litowsk eine polnisch-litauische Beratung statt, auf der ein Feldzugsplan entworfen wurde. Erstmals sollte es eine koordinierte Kriegsführung geben. Der Plan sah vor, mit vereinten Kräften gegen die Marienburg zu ziehen, das Haupthaus des Ordens zu erobern und somit den Orden entscheidend zu schwächen. Der Deutsche Orden mobilisierte die verfügbaren Streitkräfte sämtlicher Komtureien und befahl zeitgleich das Aufgebot der Städte sowie des ansässigen Landadels. Der livländische Landmeister Conrad von Vytinghove erteilte dem Hochmeister jedoch eine Absage und berief sich auf ein Waffenstillstandsabkommen mit Großfürst Vytautas. Der Feldzug begann am 30. Juni mit der Überquerung der Weichsel bei Czerwińsk nad Wisłą durch das polnische Heer über eine für die damalige Zeit neuartige Pontonbrücke. Dort traf das Heer mit den nördlich des Flusses heranziehenden Litauern und ihren Hilfstruppen zusammen. Das vereinigte Heer bezog unweit Bieżuńs ein befestigtes Lager und befand sich nun unmittelbar an der Grenze des Deutschordensstaates. Das Heer des Ordens zog am 2. Juli auf Soldau, in dessen Nähe sich bereits eine vorgeschobene Abteilung unter dem Ordensmarschall Friedrich von Wallenrode befand. Dort verschanzte sie sich bei Kauernick an den Ufern des Flusses Drewenz. Das daraufhin konzentriert ins Ordensland vorrückende Heer des polnischen Königs sowie die Streitmacht des Großfürsten Vytautas wichen einer für sie taktisch nachteiligen Konfrontation vor den befestigten Schanzen des Ordensheeres aus. Die Verbündeten versuchten ihrerseits, das Ordensheer östlich zu umgehen, und stürmten am 8. Juli die befestigten Siedlungen Soldau und Neidenburg. Das Hauptheer des Ordens stand nur einige Kilometer westlich des Geschehens, als es am 13. Juli zur Erstürmung von Gilgenburg durch Litauer und Tataren kam. Vermutlich aufgrund der dortigen Geschehnisse und der Verwüstung Gilgenburgs befahl Ulrich von Jungingen den sofortigen Aufbruch des Heeres mit dem Ziel, den Gegner unverzüglich zu stellen. Nachdem in der darauffolgenden Nacht über dem Lager des Ordensheeres unweit von Frögenau und der gesamten Tannenberger Heidelandschaft ein schweres Gewitter niederging, standen sich die Heere seit dem Vormittag des 15. Juli zwischen den Dörfern Grünfelde und Tannenberg sowie Ludwigsdorf und Faulen gegenüber. Jan Długosz, der spätere Chronist der Schlacht, dessen Vater an ihr teilgenommen hatte, nennt zwar keine Zahlen, doch ist es möglich, anhand seiner Auflistung der beteiligten Banner, für das Ordensheer sowie den polnischen Adel eine Schätzung abzugeben: So standen inklusive von Kriegsaufgeboten der preußischen Stände um die 20.000 Mann unter der Fahne des Ordens, während das Königreich Polen 15.000 mehr oder weniger gut gerüstete Kämpfer ins Feld führte. Unberücksichtigt bleibt bei diesen Schätzungen die Anzahl der Litauer, Tataren, Ruthenen und Belarussen unter dem Kommando Vytautas’. Der britische Militärhistoriker Stephen Turnbull schätzt, dass das Heer des Deutschen Ordens 27.000 Mann stark war, das ihrer Gegner insgesamt 39.000 Mann umfasste. Diese Streitmacht war dem Ordensheer also zahlenmäßig überlegen, doch waren die Kämpfer des Ordensheeres besonders gegenüber den litauischen Kräften besser bewaffnet und ausgebildet. König Władysław II. ordnete sein Heer in drei Linien. Am rechten Flügel standen die von Großfürst Vytautas befehligten, leichter bewaffneten und gerüsteten Litauer, Ruthenen und Lipka-Tataren, am linken die Polen unter dem Kommando von Jan Zyndram von Maszkowic und Zbigniew Kazimierz von Goblinic. Die Frontlinie war fast drei Kilometer lang. Das Ordensheer stand ursprünglich gleichfalls in drei Linien. Als Hochmeister Ulrich von Jungingen die lange Front der Polen-Litauer erkannte, gruppierte er sie in zwei Linien um und verbreiterte damit die Aufstellung seines Heeres, um nicht vom Gegner umgangen zu werden. Auf dem rechten Flügel des Ordensheeres stand der Großteil ordensfremder Ritter, zusammengefasst unter der Fahne des Heiligen Georg. Auf beiden Seiten waren die Ritter in Banner gegliedert. Bei den Litauern gliederten sich die Krieger in Stammesverbände unter dem Kommando eines Bojaren, Teile des Fußvolks blieben zum Schutz der Heerlager zurück. Vor den Bannern der Ordensritter standen Armbrustschützen. Auf einer Anhöhe links des Ordensheeres bezogen Steinbüchsen Stellung. Weil das Ordensheer auf Befehl des Hochmeisters willkürlich vorgerückt war, befand es sich nun in taktisch nachteiliger Position, da sich die Masse des polnisch-litauischen Heeres auf bewaldetem Areal befand, sodass ein Angriff der schwer gerüsteten Ritter ausgeschlossen war. Laut mittelalterlicher Kampftaktik wurde darauf Wert gelegt, die Initiative durch einen frontalen Reiterangriff auf einen frei im Gelände befindlichen Gegner zu gewinnen. Diese Option blieb dem Ordensheer aufgrund der Umstände verwehrt. Es musste also defensiv bleiben und den Angriff des polnisch-litauischen Heeres erwarten, was sich unter den sommerlichen Bedingungen des 15. Juli nachteilig auswirkte. „Es ist Brauch kriegerischer Streiter, wenn ein Kriegsheer zum Kampfe bereit des andern wartet, so sendet es diesem ein Schwert zu, um es zum gerechten Streit auf dem Kampfplatz zu fordern. Sehet, so reichen auch wir euch jetzt zwei Schwerter entgegen, das eine für Euch, den König, das andere für Euch, Herzog Witold, im Namen des Meisters, des Marschalls und der Ritter des Ordens, auf dass ihr den Kampfplatz erwählet, wo ihr ihn wollt. Nehmet sie euch zur Hilfe, diese Schwerter, zum Beginne des Streites. Aber zaudert nicht ferner und versäumet nicht die Zeit. Wozu versteckt ihr euch in Wäldern und verberget Euch, um dem Kampfe zu entfliehen, dem ihr für wahr doch nicht mehr entgehen könnt?“Johannes Longinus, polnischer Chronist. Die eigentliche Schlacht begann um die Mittagszeit. Zuvor hatte Hochmeister Ulrich von Jungingen auf Anraten des Ordensmarschalls Wallenrod dem König Władysław sowie Vytautas jeweils ein blankes Schwert überbringen lassen und somit zum unverzüglichen Kampf aufgefordert. Dieses der deutschen ritterlichen Tradition entsprechende Vorgehen erschien dem Hochmeister erforderlich, da sich Władysław II. nicht zu einem Angriff entschließen konnte. Unabhängig von seiner Aufforderung an Wladyslaw ließ Großfürst Vytautas seine leichte Reiterei am rechten Flügel des vereinigten Heeres angreifen und eröffnete um die Mittagsstunde die Schlacht. Dieser Angriff veranlasste das vorzeitige Abfeuern der Geschütze des Ordensheeres. Der Einsatz der kosten- sowie logistikintensiven „Feuerrohre“ in einer Feldschlacht erwies sich in der Folge als taktischer Fehlschlag. Durch den ungestümen Angriff der eigenen Truppen auf dem linken Flügel wurden die Stückmeister ihres Schussfeldes beraubt und zudem war die neuartige Waffe mit technischen Problemen behaftet: Das vom Gewitterregen der vorangegangenen Nacht feuchte Schwarzpulver zeigte sich zu großen Teilen als unbrauchbar. Auch erwies sich die Zielgenauigkeit der damaligen auf Steinbüchsen beruhenden Feldartillerie schon auf 150 Meter als sehr gering, was sich gerade bei der Abwehr von schnellen Reiterattacken nachhaltig auswirkte. Die Artillerie zeigte demnach nur geringe Wirkung. Der Gegenattacke der schweren Kavallerie auf dem linken Flügel der Ordensstreitmacht unter dem Kommando des Ordensmarschalls Friedrich von Wallenrode zeigte sich die leicht ausgerüstete litauische Reiterei unterlegen. Die schwer gepanzerten Ritter des Ordensheeres drängten die Angreifer zurück, doch statt eine geschlossene Formation zu halten, verfolgten sie den zurückweichenden Gegner. Damit aber löste sich die Schlachtordnung in diesem Sektor auf. Angriff gefolgt von Rückzug, Neugruppierung und Gegenangriff gehörte seinerzeit aber zur üblichen Kampfweise der leichten Reiterei der Steppenvölker (Tataren, Bessarabier, Walachen), doch diesmal gelang diese Neugruppierung nicht und die Litauer und Tataren flohen. Ob es sich bei diesem scheinbaren Rückzug von Großteilen des litauischen Kontingents nun um eine Kriegslist oder mehr oder weniger um einen gut genutzten Zufall handelte, ist eine bis heute strittige Frage. Ältere polnische Quellen berichten, die Litauer seien schlichtweg geflohen. Diese Interpretation wird durch litauische Angaben gestützt, die den polnischen König beschuldigen, die Litauer zu Beginn der Schlacht im Stich gelassen zu haben. Drei belarussische Banner, die laut Schlachtplan den Anschluss an die polnischen Kontingente halten sollten, schlossen sich nicht dem allgemeinen Rückzug auf dem litauischen Flügel an. Die Belarussen versuchten hingegen, sich geordnet in Richtung Zentrum zurückzuziehen, um dort Anschluss an die polnischen Banner zu finden. Ein wenig später erfolgender Angriff der polnischen Ritterschaft gegen den rechten Flügel des Ordensheeres unter dem Großkomtur Kuno von Lichtenstein wurde durch die fünfzehn Banner der preußischen Komtureien sowie durch ritterliche Gäste des Ordens aufgehalten. Das Gefecht unter weitgehend gleich Gerüsteten blieb dort vorerst ohne Entscheidung. Allerdings fiel das polnische Reichspanier kurzzeitig in die Hände des Ordens. Die Polen eroberten es in einem überraschenden Gegenstoß unter Führung des Ritters Zawisza Czarny umgehend zurück, der Legende nach, weil die Ordensritter infolge des triumphalen Absingens des Chorals: Christ ist erstanden (Siegeshymne des Ordens) vom Schlachtgeschehen abgelenkt waren. Nach mittelalterlichem Verständnis bedeutete der Fall des gegnerischen Hauptbanners den Tod oder die Gefangennahme des feindlichen Heerführers, was viele Krieger des Ordensheeres aufgrund der räumlichen Distanz zum unmittelbaren Geschehen vermuteten und unter Anbetracht des scheinbar zur Flucht ausartenden litauischen Rückzugs als endgültigen Sieg deuteten. Diese Tatsache erklärt das in den Quellen belegte Anstimmen des Siegeschorals. An vorderster Front kämpfend, ging Ulrich von Jungingen das gleiche Risiko ein wie die von ihm geführten Kämpfer; das missglückte Manöver und seinen Wagemut bezahlte er mit dem Leben. Der Hochmeister erwies sich dort zwar den Idealen des Rittertums ergeben, was sich aber später als verhängnisvoll erwies. Jungingen zeigte sich der Nachwelt als tapferer Krieger, jedoch nicht als weitblickender Feldherr, der selbst im Falle eines verlorenen Treffens hinhaltenden Widerstand zu organisieren vermochte. Der Hochmeister schien eine kritische Phase in der Schlacht oder ein generell verlorenes Treffen grundsätzlich ausgeschlossen zu haben. So erklärt sich der einhergehende Verlust jeglicher koordinierter Führung mit dem Tod des Heerführers. Hinzu kam die Verteilung der Großgebietiger, das heißt der potenziellen Stellvertreter, auf die einzelnen Flügel, was eine einheitliche Führung unmöglich machte. So war der Ordensmarschall Friedrich von Wallenrode, Befehlshaber des weit vorgepreschten linken Flügels, zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits gefallen, während Großkomtur Kuno von Lichtenstein isoliert auf dem rechten Flügel des Ordensheeres das Gelände zu behaupten suchte. Nach dem Fall des Hochmeisterbanners begann sich am späten Nachmittag die Ordnung des Ordensheeres aufzulösen. Ohne Führung vermochte das Ordensheer keinen geordneten Widerstand zu leisten, die Schlacht verzettelte sich in erbitterte Gefechte zwischen den einzelnen Bannern und sogar vom Hauptheer isolierten Rittern. Das Festhalten des Großkomturs auf bestehenden Positionen erleichterte die Umfassung dieses Heeresteils durch die polnische Reiterei. Dagegen wurde auf polnischer Seite durch den König und dessen Berater Jan Zyndram von Maszkowic nun böhmisches Fußvolk in die Schlacht geführt, was die ohnehin ausgedünnten Reihen des Ordensheeres ins Wanken brachte. Auf das Schlachtfeld zurückkehrende litauische Kräfte verschoben das Kräfteverhältnis nochmals zu Ungunsten des Ordens, dessen restliches Heer nun an den Flanken umfasst wurde. Einzelne Einheiten entgingen der Vernichtung durch Flucht. Unter ihnen befanden sich der einzig überlebende Großgebietiger, der Großspittler des Deutschen Ordens und gleichzeitig Komtur von Elbing, Werner von Tettlingen sowie der Komtur von Danzig, Johann von Schönfels und der Komtur von Balga Friedrich von Zollern. Sich zurückziehende Kräfte versuchten beim Heerlager des Ordensheeres nahe Frögenau eine letzte Verteidigung, wurden jedoch von dem polnisch-litauischen Heer sowie Teilen des eigenen Trosses, der in Anbetracht der Lage abrupt die Fronten wechselte, endgültig besiegt. Das Lager wurde gestürmt und geplündert. Neben dem Hochmeister kam bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Führungsschicht (Großgebietiger, Komture) des Ordens um. Die erbeuteten 51 Banner des Deutschen Ordens wurden im Spätherbst in feierlicher Prozession in die Krakauer Wawelkathedrale gebracht und dort als Siegessymbol über die „Krzyżacy“ gezeigt. Die verbliebenen Ordensbrüder wählten in der Folge den Komtur Heinrich von Plauen zum neuen Hochmeister. Dieser führte danach eine Reihe von Prozessen gegen Ritter, die angeblich in der Schlacht bei Tannenberg versagt hatten, sowie gegen Burgvögte, die ihre festen Häuser voreilig dem Feind ausgeliefert hatten. Prominentester Angeklagter war der Führer des Eidechsenbundes und Bannerträger in der Schlacht bei Tannenberg, Nicolaus von Renys.
Er wurde nach weiteren ordensfeindlichen Aktionen wegen Hochverrats 1411 in Graudenz hingerichtet. Langfristig bedeutete die Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg die wirtschaftlich vorteilhafte Anbindung Preußens an Polens Ressourcen und folglich für den Deutschen Orden den Anfang vom Ende seiner auf mittelalterlichen Rechtsbedingungen begründeten Territorialherrschaft in Preußen. Der Mythos von der „gottgewollten“ Unbesiegbarkeit des Ordensheeres wurde bei Tannenberg endgültig gebrochen. Es gelang zwar noch, die Marienburg gegen den Angriff der Polen und Litauer zu verteidigen, aber im Ersten Frieden von Thorn, am 1. Februar 1411, musste der Ordensstaat einige strittige Gebiete an Polen-Litauen abtreten und 100.000 Schock böhmische Groschen Entschädigung zahlen. Auch war der Ruf des Ordens infolge der Niederlage nachhaltig geschädigt, denn auf dem Konzil von Konstanz wurden Polen und Litauen nicht, wie der Orden es anstrebte, als Aggressor gegen Christen verurteilt. Die Heidenmission in Litauen verlor damit endgültig ihre Legitimation. Von Papst und Kaiser wurden dem Orden alle Ansprüche auf vorgeblich heidnisches Land im Großfürstentum Litauen abgesprochen. Die Idee der Zwangsbekehrung musste endgültig aufgegeben werden, was das Existenzrecht des Ordensstaates im Baltikum in Frage stellte. Der 1454 ausbrechende Dreizehnjährige Krieg zwischen dem Deutschen Ritterorden und dem Königreich Polen und den mit dessen König verbündeten preußischen Städten, auch als schmutziger Krieg bezeichnet, endete mit einer schweren Niederlage des Ordens und führte 1466 zur Teilung Preußens im Zweiten Frieden von Thorn. Aufgrund dieses Vertrages kam der westliche Teil des Ordensstaates („Preußen königlichen Anteils“) unter die Oberhoheit des polnischen Königs, der Hochmeister verpflichtete sich vertraglich, dem polnischen König den Lehnseid zu leisten. Damit verlor der bisher als Landesfürst auftretende Hochmeister immens an Reputation und musste den untergeordneten Rang eines Vasallen der polnischen Krone akzeptieren. Auf diese Weise konnte sich der Aufstieg Polen-Litauens zu einer neuen Großmacht in Europa fortsetzen. Nach dem Tod Vytautas des Großen wurden die Arbeiten allerdings nicht beendet. Im 18. Jahrhundert sind Angehörige des Dominikanerordens hierher gekommen, die hier ein Kloster und eine Kapelle gebaut hatten. Später ist sie endgültig zerstört worden. Erst während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgten Restaurierungsarbeiten. Nach der Eingliederung der Krim (1783) und den polnischen Teilungen (1772–1795) gehörten alle Siedlungs- und Sprachinseln der mittel- und osteuropäischen Karäer zum russischen Kaiserreich. Dort wurden die Karäer auf Grund ihrer ethnischen und religiösen Besonderheiten nicht als Juden diskriminiert. Nach der Zeit der Völkerwanderung stand alanische Kavallerie aus dem Gebiet nördlich des Kaukasus als Söldner häufig in byzantinischen Diensten, muslimische Alanen (Arsiyah) in chasarischen Diensten. Bei der Entstehung der Kiewer Rus spielten die Alanen als Kriegerelite im Süden des Reiches um Kiew wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Vom 13. Jahrhundert bis 1475 existierte auf der Krim das Fürstentum Theodoro, das dem Umfeld des byzantinischen Reiches zuzurechnen war und sich neben anderen auch auf alanische Bevölkerungsanteile stützte. Diese Alanen auf der Krim wurden noch bis ins 16. Jahrhundert in Quellen erwähnt. Danach gingen sie, wie vorher schon andere angesiedelte regionale Gruppen der Alanen, in der umgebenden Bevölkerung auf. Spätestens im 9. Jahrhundert entstand im Nordkaukasus der Staat Alanien, der wenige Jahrzehnte später von byzantinischen Missionaren teilweise christianisiert wurde. Auch hier gingen die anfangs nomadischen Alanen zur Sesshaftigkeit über. Seit wann genau Alanien von einer Stammesunion mit Stammeskönigen zu einem organisierten Königreich überging, ist schwer zu klären, spätestens im 9./10. Jahrhundert. Nach dem georgischen Historiker Wachuschti Bagrationi oder Batonischwili im 18. Jahrhundert, der ältere Quellen verwendete, soll seit dem 11. Jahrhundert in Alanien eine Nebenlinie der Georgischen Bagratiden regiert haben. Nach Angaben der muslimischen Geographen al-Masʿūdī und Ahmad ibn Rustah existierten in Alanien über einhundert Dörfer und einige Städte, Burgen und Festungen, die teilweise später archäologisch untersucht wurden. Mit dem Einfall der Mongolen im 13. Jahrhundert wurde dieses alanische Königreich zerschlagen. Daraufhin flüchteten um 1237 einige tausend Alanen – zusammen mit ca. 40.000 Kiptschaken (auch Kumanen oder ungarisch Kunok genannt) – vor den Mongolen nach Ungarn. Im Komitat Jász-Nagykun-Szolnok (Jaß-Großkumanien-Sollnock) mit dem Hauptort Jászberény bildeten sie die Volksgruppe der Jász (Jassen, Assen „ungarische Alanen“). Ein Teil der Jassen flüchtete auch in Gebiete östlich der Karpaten, zum Beispiel wird der Name der ostrumänischen Stadt Iași auf sie zurückgeführt. Ihre Sprache wurde um das 16. Jahrhundert verdrängt, ihre autonomen Privilegien in Ungarn neben denen der Kumanen aber erst im 19. Jahrhundert. Ein weiterer Teil der kaukasischen Alanen schloss sich nach den Angaben Giovanni de Marignollis und Wilhelm von Rubruks dem Mongolenreich an, die mehrere Tausend Alanen in mongolischen Diensten beschrieben. Ein dritter Teil flüchtete höher in den Kaukasus. Im Nordkaukasus leben bis heute sprachliche Nachfolger der Alanen: das Volk der Osseten. Dieser neue Name stammt aus der mittelalterlichen georgischen Bezeichnung für die alanische Bevölkerung im Kaukasus („Oss-eti“ heißt georgisch „Land der Ossen“, wobei der ethnische Name „O(w)ss(en)“ mit den oben erwähnten Namen „Ass(en)“ und „Jass(en)“ verwandt ist). Die Alanen waren ursprünglich ein Reitervolk, das nomadisch, seltener halbnomadisch als Viehhirten in den südrussischen Steppen lebte, wo sie Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde hüteten. Die Alanen lebten meist in Jurten und auf Wagen (siehe auch: Wagenburg) und zogen mit ihren Herden in andere Weidegebiete, sobald das Land abgefressen war. Die Alanen ernährten sich hauptsächlich von Milchprodukten (Käse, Joghurt, Kefir) und Fleisch. Im Zuge des Kontaktes mit dem Bosporanischen Reich, den Römern und im Laufe der Völkerwanderung wurden die Alanen in einigen Regionen sesshaft, unter anderem am Kuban, im Kaukasus, auf der Krim, um Kiew herum, in Ungarn, in Oberitalien, in Katalonien, in Portugal und in Tunesien. Typisch für die alanische Kunst sind die verschlungenen Tiermuster des skythisch-sarmatischen Tierstils, der unter den Alanen die Kunst der germanischen Völkerwanderungszeit prägte, zuerst bei den Goten, dann bei den Vandalen und schließlich bei den merowingerzeitlichen Franken. Auch aus alanischen Gräbern der Völkerwanderungszeit ist die Praxis der Schädeldeformation bekannt. Alanische Krieger waren mit einem skythischen Reflexbogen, einem langen zweischneidigen Schwert (dem sog. sarmatischen Langschwert), einem Dolch und einer Lanze (oft vom Contus-Typ) ausgestattet. Schwer gepanzerte Kataphrakte waren bei den Alanen nicht ganz so häufig anzutreffen wie bei den anderen sarmatischen Stämmen, die Alanen kämpften häufiger als leichte Lanzenreiter. Eine typisch alanische Kampftaktik war die vorgetäuschte Flucht und der Parthische Schuss. Im Gegensatz zu den Sarmaten (siehe auch: Amazonen) gibt es bei den Alanen keine Hinweise darauf, dass auch Frauen kämpften. Die Alanen hatten in ihrer nomadischen Zeit in der Antike wie viele Nomadenvölker eine weitgehend oder vollständig schriftlose Kultur. Auch aus der sesshaften Periode im Mittelalter sind nur wenige Sprachdenkmäler erhalten, was zumindest vermuten lässt, dass auch in dieser Zeit wenig geschrieben wurde. Dazu kommen Untersuchungen antiker Namen, nicht nur skythischer und sarmatischer Stämme, Stammeskönige und Götter, die Herodot und mehrere andere historische Quellen erwähnen, sondern auch umfangreiches Namensmaterial aus den griechischen Städten an der Nordküste des Schwarzen Meeres, wo nicht nur Herodot erwähnt, sondern auch archäologisch sicher ist, dass dort griechische Bewohner mit skythischen und sarmatischen Händlern, Söldnern und Handwerkern zusammenlebten. Man wählte alle Namen aus, die nicht griechischen Ursprungs sind. Dabei erklärten sich fast 80 % der Namen mit alt-(nordost-)iranischen Bedeutungen. Die übrigen Namen sind entweder nicht zu klären oder ihre Träger waren anderer Herkunft. Neben der Erforschung der sakischen Sprache führten diese Entdeckungen und weitere Ortsnamen schon im 19. Jahrhundert zu der Erkenntnis, dass iranische Sprachen im ersten vorchristlichen Jahrtausend und noch um die Zeitenwende in osteuropäischen und großen westlichen Teilen der mittelasiatischen Steppen im Gegensatz zu späteren Zeiten eine zentrale Position hatten. Mehrere Orts- und Flurnamen wie zum Beispiel Allainville oder Alaincourt weisen möglicherweise noch heute auf die vormalige Anwesenheit von Alanen in Frankreich hin. Sie treten im Gebiet der mittleren Loire, der oberen Rhone-Alpen und der oberen Garonne-Ost-Pyrenäen auf, also in genau den Regionen, in denen die Ansiedlung von Alanen zur Völkerwanderungszeit nachgewiesen ist. Auch im Süden Portugals und Spaniens gehen einige Namen wahrscheinlich auf die Alanen zurück, wie Alenquer. Laut einigen deutschen, russischen und britischen Sprachwissenschaftlern und Historikern könnte die (Bezeichnung Rus, der alte Name Russlands und der Russen, auf den alanischen Teilstamm der Ruchs-as oder auf die sarmatischen Roxolanen zurückgehen. In beiden Stammesnamen verbirgt sich – wie etwa in den iranischen und russischen Vornamen Rustam und Ruslan sehr umstritten) – altnordiranisch *raochscha (später ruch oder rusch=‚weiß‘, ‚Licht‘). Rus als Volksname würde demnach ‚die Hellen‘, ‚Strahlenden‘ bedeuten. Die Anwesenheit von Alanen in den Siedlungen und Städten der frühen Kiewer Rus ist archäologisch belegt. Allerdings wird die Rukhs-as-Theorie von den meisten Wissenschaftlern zurückgewiesen, man identifiziert das Wort „Rus“ ursprünglich als Bezeichnung skandinavischer Waräger in Russland, später für die gesamte Kiewer Rus. Eine ebenfalls sehr bekannte Persönlichkeit ist der alanische Königssohn und zweite Ehemann der wichtigsten georgischen Herrscherin Königin Tamar, unter der das Königreich Georgien den Gipfel der Ausdehnung und Entwicklung erreichte, Prinz David Soslan (georg. Dawit Soslani) († nach 1207). Er beteiligte sich sehr aktiv an der Politik der Herrscherin, war Stifter mehrerer georgischer Kirchen und Klöster und galt besonders als erfolgreicher General, der einen georgischen Adelsaufstand niederschlug und mehrere erfolgreiche Feldzüge besonders gegen die Atabegs von Aserbaidschan und die Rum-Seldschuken befehligte. Als Atabegs von Aserbaidschan (aserbaidschanisch: Eldənizlər) wird die türkische Dynastie der Eldigusiden (auch Ildegisiden) bezeichnet, welche im 12. und 13. Jh. zunächst unter Oberhoheit der Seldschuken, dann faktisch unabhängig über Āzarbāydschān, Arrān und Teile des persischen Iraks (Dschibal) herrschte. 1136 ernannte Sultan Mas'ud ibn Muhammad, der seldschukischer Herrscher beider Irak, den Militärsklaven (Mamluk) Schams ad-Din Eldigüz zum Atabeg – also Erzieher und Vormund – des Kronprinzen Arslan-Schah. Eldigüz erhielt als Iqta (Lehen) die aserbaidschanische Provinz Arran und wählte Bərdə als Residenz. 1161 erweiterte Eldigüz seine Herrschaft, sodass die seldschukischen Prinzen von Hamadan unter seine Kontrolle fielen. Nach dem Tod von Sultan Mas'ud ibn Muhammad wurde Eldigüz 1152 in die Nachfolgewirren des Thrones verwickelt. 1160 riefen die Emire des Reiches ihn dazu auf, seinen Schützling Arslan-Schah nach Hamadan zu bringen, um ihn dort zum neuen Herrscher zu ernennen. Als Atabeg eines Sultans erhielt Eldigüz den später von seinen Nachfolgern übernommenen Titel Atabak-i azam („Großatabeg“) und kontrollierte zeitweise nicht nur Aserbaidschan, Arran und die Provinz Dschibal, sondern auch Kerman, Fars, Chuzestan, Gilan, Schirwan, Mazandaran, Ahlat, Erzurum und Maragha. Laut dem mittelalterlichen Historiker Sadr ad-Din al-Husaini erstreckte sich sein Einflussgebiet „von den Toren von Tiflis bis nach Makran“. Georgien war mit seiner großen Armee, in der auch 40.000 Kyptschaken dienten, Eldigüz’ großer Gegenspieler: 1138 griff der georgische König Dimitri I. die Stadt Gəncə an und erbeutete das bekannte eiserne Tor von Gəncə als Trophäe, die sich noch heute im Kloster Gelati befindet. Ab 1161 begannen die Georgier Raubzüge nach Ani, Dvin, Gəncə, Naxçıvan und andere Gebiete der Atabegs zu unternehmen. Eldigüz gründete eine Union unter den Seldschuken und kämpfte gegen Georgien, sodass König Giorgi III. 1163 besiegt wurde. Daraufhin besetzten die Georgier 1165 wieder Gəncə und drangen vorübergehend bis nach Naxçıvan und Beyləqan vor. 1173 begann Eldigüz einen großen Feldzug gegen Georgien, wurde jedoch besiegt und verstarb ein 1174 in Naxçıvan. Nach Eldigüz’ Tod versuchte sich Arslan-Schah 1175 aus der Kontrolle der Atabegs zu lösen. Das misslang und er wurde von Eldigüz’ Sohn und Nachfolger Muhammad Dschahan-Pahlavan vergiftet. Pahlavan herrschte von 1174 bis 1186 und verlegte die Hauptstadt von Naxçıvan nach Hamadan. Sein jüngerer Bruder Qizil-Arslan Uthman wurde zum Herrscher Aserbaidschans ernannt. 1174 eroberte Qizil-Arslan Täbris, das zu neuen Hauptstadt wurde. Dschahan-Pahlavan schlug alle rebellischen Emire und setzte an ihre Stellen loyale Mamluken ein. Er vergab jedem von ihnen ein Lehen. Seine zwölfjährige Herrschaft wird als die friedlichste Periode der Atabegs von Aserbaidschan angesehen. Unter seiner Herrschaft wurde die Zentralmacht gestärkt und kein fremder Feind fiel in das Reich ein. Es wurden freundschaftliche Beziehungen mit den zentralasiatischen Choresm-Schahs aufgebaut. All dies beeinflusste die Entwicklung der Wissenschaften, des Handwerkes, des Handels und der Künste positiv. Nach Muhammad Dschahan-Pahlavans Tod wurde sein Bruder Qizil-Arslan (reg. 1186–1191) neuer Herrscher. Er erhielt die Kontrolle über die Sultane aufrecht, auch wenn die Zentralmacht wegen aufbegehrender Mamluken schwächer wurde. Sogar der ehemals treue Schirwan-Schah Ahsitan I. ibn Manutchihr fiel 1186 in das Gebiet der Atabegs ein, wurde jedoch besiegt, woraufhin Qizil-Arslan das Gebiet zwischen Şamaxı und Derbent besetzte. Als 1191 mit Toghril III. der letzte Sultan der Großseldschuken getötet wurde, ernannte sich Qizil-Arslan mit Unterstützung des Kalifen in Bagdad zum neuen Sultan, wurde aber noch im selben Jahr ermordet. Die Macht wurde zwischen seinen drei Söhnen Abu Bakr, Qutluq Inandsch und Amir Amiran aufgeteilt: Abu Bakr regierte Aserbaidschan und Arran, seine Brüder Chorasan und andere angrenzende Gebiete. Schon bald kam es aber zu Streitigkeiten zwischen den dreien, aus welchen Abu Bakr als Sieger hervorging. Der Machtkampf schwächte das Reich dermaßen, dass die feindlichen Georgier und Choresm-Schahs angriffen und den Untergang der Atabegs beschleunigten. Der Machtverfall beschleunigte sich unter Atabeg Uzbek, der Abu Bakr 1210 nachfolgte und kein großes Interesse an den Staatsgeschäften zeigte. Das Reich wurde von verschiedenen Mächten angegriffen, vor allem eroberten die Georgier unter Königin Tamar mehrere Städte. 1217 erkannte Uzbek die Oberherrschaft der Choresm-Schahs an, 1220 musste er sich mit den Mongolen auseinandersetzen, wobei er seine Hauptstadt Täbris nur durch Geldzahlungen vor einer Plünderung bewahren konnte. Am 25. Juli 1225 eroberte schließlich der letzte Choresm-Schah Dschalal ad-Din Täbris und nahm anschließend Uzbeks Gemahlin zur Frau. Als der in die Festung Alindscha (beim heutigen Chanegah) geflohene Atabeg davon erfuhr, soll er aus Ku**er und Scham verstorben sein. Sein gesamtes Reich fiel somit an Sultan Dschalal ad-Din, welcher Aserbaidschan seinerseits 1231 endgültig an die Mongolen verlor.