28/04/2026
Who’s who? #5
Er malt. Aber sein Blick gilt nicht der Leinwand.
Vor der Staffelei sitzt der heilige Lukas – Evangelist, Arzt, Schriftsteller. Und Schutzpatron der Maler. In «Der heilige Lukas malt die Madonna» (1515) von Niklaus Manuel sehen wir keinen gewöhnlichen Handwerker, sondern einen Mann in rotem Mantel mit Heiligenschein.
Warum malt er Maria?
Der Legende nach erscheint ihm die Muttergottes in einer Vision. Die goldenen Strahlen oben links, die bewegten Quasten – Spuren ihrer Gegenwart. Lukas hält fest, was er sieht. Wie in Trance. Malen wird hier zum Akt des Glaubens. Zum Versuch, das Unsichtbare sichtbar zu machen.
Und doch wirkt alles erstaunlich greifbar: das Atelier mit Bodenfliesen, die sich räumlich verjüngen. Der Gehilfe im Hintergrund, der weisse Farbhäufchen vorbereitet. Ein Raum zwischen Mittelalter und Renaissance – zwischen Goldgrund und neuem Wirklichkeitssinn.
Niklaus Manuel, einer der prägenden Künstler Berns an der Schwelle zur Neuzeit, versetzt den Heiligen in seine eigene Gegenwart. Vielleicht trägt Lukas sogar seine Gesichtszüge. Vielleicht ist dieses Bild auch eine Frage:
Was treibt uns an zu gestalten?
Was wollen wir festhalten, bevor es vergeht?
Wir alle kennen diesen Moment – wenn uns eine Idee, ein Bild, ein Gedanke nicht loslässt. Wenn wir versuchen, etwas Grösseres in Worte, Töne oder Farben zu fassen.
🔙 Im letzten «Who’s Who»-Post sind wir Albrecht Fugger begegnet – einem Mann zwischen Macht und Repräsentation.
Wie verändert sich unser Blick auf Kunst, wenn wir nun sehen, wie ein Heiliger selbst zum Maler wird?
Mehr entdecken im Kunstmuseum Bern.
Jetzt vorbeikommen. Besuch planen. Mehr erfahren. Tickets sichern.
kunstmuseumbern.ch/dasvolleleben
___
🖼️ Niklaus Manuel (I.), Der heilige Lukas malt die Madonna, 1515, Mischtechnik auf Fichtenholz, links 121,2 cm, rechts 121,9 x oben 84,5 cm, unten 83,8 cm; Malfläche 117,6 x 82,2 cm, Kunstmuseum Bern, Staat Bern