03/06/2026
Barbara Erni beging zahlreiche Einschleichdiebstähle, eine verbreitete Überlebensstrategie ihrer Zeit. Gemeinsam mit ihren Geschwistern bestahl sie Häuser, die ihnen für eine Nacht Obdach boten: Trauben, Mehl, Apfelschnitze, Nüsse, Kleidung. Oft wurden sie ertappt und mussten alles zurückgeben; dennoch waren diese Diebstähle existenziell. Die Inszenierung der Fotografien zeigt die Gegenstände isoliert und macht sichtbar, wie sorgfältig gewählt das Diebesgut und wie lebensnotwendig es war. Es wurde nicht wahllos mitgenommen oder gar aus Langeweile geklaut. Die abgebildete Truhe verweist zugleich auf das Kernmotiv der «Goldenen Boos», jener Sage, die sich aus Erzählungen über Erni herausbildete. Darin geht es um eine Frau die mit einer grossen, golden bemalten Truhe auf dem Rücken herumreist. Bei ihrer Ankunft in Herbergen verlangt sie danach, die Truhe, in der angeblich ein Schatz versteckt ist, im schönsten Zimmer deponieren zu dürfen. Wenn alle schlafen steigt dann ein kleines Männchen aus der Truhe, es stiehlt Wertvolles aus dem Zimmer und verschwindet damit wieder in der Truhe.
📅 Seitenwagen Ausstellung «Céline Meier. Fragments of places» noch bis 2. August 2026. Infos via Link in Bio.
📸 Andri Stadler /
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