17/07/2026
Der Schuh
Wie lange bleibst du, wenn alles in dir gehen will?
Es begann schon vor dem Weckerklingeln. Dieses Gewicht war sofort da. Ein Druck auf der Brust. Schwer und hart wie ein Schuh, der mitten auf dem Körper stand.
Kennst du dieses Gewicht am Morgen?
Genau an so einem Morgen blieb ich noch einen Moment liegen. Ich dachte an den Arbeitstag. An die gleichen Räume. Die gleichen Gespräche. Die gleichen Aufgaben, die ich längst erledigt habe, ohne noch wirklich da zu sein.
Dann stand ich auf, duschte, trank meinen Kaffee und zog mich an. Wie jeden Morgen schlüpfte ich in meinen unsichtbaren Schuh. Er sah vernünftig aus. Sicher. Gut eingelaufen. Er zahlte meine Rechnungen und gab meinem Alltag eine feste Form.
Nur passte er mir schon lange nicht mehr. Der Schuh drückte.
Ich wollte gehen. Der Gedanke ans Bleiben drückte. Der Gedanke ans Gehen auch.
Am selben Abend schrieb ich auf, was mir fehlte. Was ich nicht mehr wollte. Und wonach ich mich eigentlich sehnte. Ich suchte nach Möglichkeiten, statt nur nach Gründen zu bleiben.
Ich war mehr als nur dieser sichere Platz, an dem ich mich selbst nicht mehr wiederfinde.
Aus diesem Moment entstand das Bild.
Vielleicht trägst du auch solche unsichtbaren Schuhe. Dann soll dieses Werk dich daran erinnern: Du bist mehr als dein Arbeitsplatz. Mehr als deine Angst vor Veränderung. Mehr als der Schuh, der drückt.
Und wenn du auf das Schild schaust, widerspricht es genau dem Blick, der nur Sicherheit, Einkommen oder äusseren Erfolg sieht.
Es sagt:
Du bist mehr.
Mehr als der Platz, an dem du dich selbst verloren hast.
Mehr als die Gründe, die dich festhalten.
Mehr als das Leben, das längst nicht mehr passt.