11/04/2026
In meiner Malerei arbeite ich nur mit vier Farben. Früher war mein Blick zu laut, jede Farbe rief, jede wollte sprechen, und das Bild schmeckte nach zu vielen Stimmen zugleich. Ich verlor mich in diesem grellen Flirren, in einem süsslich überladenen Sehen, das keinen Halt fand.
Also entschied ich mich für einen radikalen Schnitt in vier Farben, nicht mehr. Seitdem ist das Malen ruhiger, fast wie ein gedämpfter Klang auf der Haut. Der Druck hat eine kühlere Temperatur bekommen, die Anspannung klingt nicht mehr schrill, sondern trägt eine feste, klare Stille. Entscheidungen entstehen schneller, direkter, ehrlicher als ein kurzer, heller Impuls im Körper.
Schwarz, Rot, Weiss, Gelb. Diese vier Farben waren sofort da, ohne Zögern, wie ein vertrauter Geruch. Ich suche Kontraste, die nach vorne treten, die sich nicht im Hintergrund verlieren, sondern eine tastbare Präsenz haben.
Gelb fühlt sich für mich wie warmes Denken an ein helles Summen im Kopf, das nach Klarheit schmeckt. Es trägt eine leichte, vibrierende Energie, die den Blick öffnet und den Raum aufhellt.
Rot ist dichter, schwerer als ein pochender Klang, der sich durch den Körper drückt. Es hat die Hitze von Bewegung, eine scharfe, fast metallische Intensität, die antreibt und fordert.
Wess bringt eine stille Weite. Es ist ein leiser, kühler Atem, der sich über die Fläche legt und Raum schafft. Eine ruhige Helligkeit, die ordnet, ohne laut zu werden.
Schwarz schliesslich hat Gewicht. Es ist eine tiefe, dunkle Ruhe, die sich fast greifen lässt, ein stiller Widerstand, der alles zusammenhält und den Kontrasten ihre Schärfe verleiht.
Diese vier Farben sprechen nicht leise miteinander, sie stossen sich, verstärken sich, reiben sich aneinander. Genau darin entsteht der Dialog. Meine Werke suchen diesen Kontakt mit dem Betrachter, sie wollen nicht flüstern. Sie wollen spürbar sein, klar, direkt wie ein Blick, der sich nicht wegdreht.