30/04/2026
Das Kunstmuseum Ahlen trauert um Timm Ulrichs, der am Mittwoch im Alter von 86 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Kunstwelt einen außergewöhnlichen Künstler, der als „Totalkünstler“ und „erstes lebendes Kunstwerk“ die Konzeptkunst auf unverwechselbare Weise geprägt hat.
Unser Haus war ihm über viele Jahre eng verbunden. Wir sind dankbar für die gemeinsame Arbeit, für sein Vertrauen und für die große Einzelausstellung „Timm Ulrichs. Nichts als Theater“, die wir 2023 zeigen durften. In unserer Sammlung ist Timm Ulrichs mit einer umfangreichen Werkgruppe präsent, die er selbst mit aufgebaut und begleitet hat. Als poetischer Wortjongleur und selbstironischer Dada-Urenkel setzte er sich mit Themen auseinander, die nie an Aktualität verloren haben.
Der Gedanke an das Ende war in seinem Werk stets präsent – nicht als Pathos, sondern als präzise, oft überraschend leichte Form der Auseinandersetzung. Timm Ulrichs verstand es, der eigenen Endlichkeit mit Klarheit und Widerspruch zu begegnen und daraus Bilder und Gedanken zu entwickeln, die bleiben.
Auch im öffentlichen Raum bleibt er sichtbar: Sein „Versatzstück, 1969/2001“, ein riesiger Blumentopf, der einen ausgewachsenen Baum umschließt, setzt einen irritierenden, humorvollen Akzent im Alltag des Ahlener Stadtparks.
Timm Ulrichs hat uns Werke hinterlassen, die dazu herausfordern, Gewohntes neu zu sehen und Widersprüche auszuhalten. Wir werden sein Erbe in Ehren halten und dafür Sorge tragen, dass seine Gedanken in unserem Haus auch künftig für die nötige Unruhe sorgen.
1: Selbst-Signierung (Tätowierung), 1962, Frankfurter Kunstverein, Foto: Susanne Esche;
2: Der erste sitzende Stuhl (nach langem Stehen sich zur Ruhe setzend), 1970; 3: Das literarische Gesamtwerk 1968, Band I, 1968; 4: Denken Sie immer daran, mich zu vergessen, 1969/75; alle © VG Bild-Kunst, Bonn 2026