23/06/2026
Ein Zarenbecher aus Amberg – mit tragischer Geschichte
Ein besonderes Objekt aus unserer Dauerausstellung erzählt von einem historischen Ereignis und einer Katastrophe – einer Massenpanik: Dieser emaillierte Becher wurde anlässlich der Krönung von Zar Nikolaus II. und Zarin Alexandra Feodorowna im Jahr 1896 gefertigt.
Hunderttausende Exemplare wurden als Geschenke für das russische Volk hergestellt – darunter auch in der Amberger Firma Baumann.
Zur Ausgabe der Becher versammelten sich auf dem Moskauer Chodynkafeld rund 500.000 Menschen. 150 Buffets sollten die Menschen anschließend verköstigen, in zehn Pavillons sollten Musikgruppen und Theatergruppen für Unterhaltung sorgen.
Doch die Anzahl der Geschenke reichte nicht aus. Als sich das Gerücht verbreitete, die Becher würden knapp werden, brach Chaos aus. Auf dem ungeeigneten Gelände kam es zu einer Massenpanik: 1.389 Menschen verloren ihr Leben.
Zwar besuchte das Zarenpaar anschließend die Verletzten und unterstützte die Hinterbliebenen, doch der Besuch eines Festballs am Abend des Unglückstages schadete ihrem Ansehen nachhaltig.
Eine anschließende Untersuchung machte vor allem den Hauptorganisator, den Onkel des Zaren, für das Unglück verantwortlich. Konsequenzen blieben jedoch aus. Das Volk demonstrierte. Viele sahen die Katastrophe als Beleg für die Ineffizienz und das Versagen der zaristischen Herrschaft.
Der russische Poet Konstantin Balmont schrieb über den Zaren Nikolaus: „Wer seine Herrschaft mit Chodynka begann, wird auf dem Schafott enden.“ Tatsächlich verlor der Zar 1917 im Zuge der Revolution seine Macht; ein Jahr später wurde er mit seiner Familie ermordet.
📍 Zu sehen in unserer Dauerausstellung: Zarenbecher