02/06/2026
Anfang der 1970er Jahren wurden in Frankreich seitens der Strafverfolgung der Druck auf Prostituierte erhöht. Zunehmend mussten diese im Verborgenen arbeiten. Der Schutz durch die Öffentlichkeit ging verloren. Es kam zu Morden und zahlreichen Gewalttaten an Sexarbeiterinnen. Die Straftaten blieben meist ungesühnt. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, besetzten mehr als 100 Prostituierte 1975 eine Kirche in Lyon. Nach acht Tagen wurde die Kirche durch die Polizei geräumt. Um auf die ausbeuterischen Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiterinnen aufmerksam zu machen, wird seit 1976 jährlich am 02. Juni der internationale Hurentag begangen.
Auch in der Literatur spielen Prostituierte immer wieder eine bedeutende Rolle. Émile Zola machte 1880 in seinem Buch „Nana“ eine Sexarbeiterin zum Sinnbild für Korruption und den Untergang der feinen Gesellschaft im Zweiten Kaiserreich.
Die tragische Begleiterin Sikes Nancy eines Kriminellen, die im viktorianischen England in der Gosse lebte, sorgt bei den Lesern von „Oliver Twist“ schon damals für Mitleid.
Fantine aus „Die Elenden“ von Victor Hugo rutscht als alleinerziehender Mutter in die Prostitution ab, um das Überleben ihrer Nachkommen zu sichern.
In Thomas Manns „Doktor Faustus“ besucht der Komponist Adrian Leverkühn ein Bordell, wo er auf die Dirne Esmeralda trifft.
Das sind nur wenige Beispiele der klassischen Literatur aus verschiedenen Ländern, die von Schicksalen und Geschichten verschiedener Sexarbeiterinnen erzählen. Nicht selten ist die Prostitution dabei ein Spiegel der gesellschaftlichen Probleme und prekärer Lebensumstände, die genau wie der internationale Hurentag auf die Missstände aufmerksam machen sollen.
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