11/06/2026
Die nächste Führung des Förderkreises Königshütte findet am Dienstag, den 16. Juni, statt. Sie beginnt wie gewohnt um 15 Uhr am Hüttenbrunnen und dauert etwa zwei Stunden.
Während der Führung erhaltet ihr viele spannende Informationen zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Eisenhüttenwesens der Region. Die Königshütte hat diese Gebiete als größte fiskalische Eisenhütte des Königreichs Hannover mit Guss- und Eisenprodukten versorgt. Außerdem besucht ihr das Südharzer Eisenhüttenmuseum. Hier erfahrt ihr am Beispiel der Königshütte vieles zur Geschichte des Eisenhüttenwesens im Harz und über die Vernetzung der Königshütte mit dem Solling. Eine Karte im Südharzer Eisenhüttenmuseum zeigt das Einzugsgebiet der Königshütte von Osterode / Lerbach im Westen bis nach Elbingerode im Osten.
Anhand eines Funktionsmodell - es zeigt die erste Hochofenhütte um 1740 - lässt sich gut nachempfinden, wie schwer die Arbeit in der Hochofenhütte damals gewesen ist. Zum Abschluss könnt ihr euch eine Auswahl an der breiten Palette von Produkten anschauen, wie sie (nicht nur) auf der Königshütte hergestellt worden ist.
Ich hatte in den letzten Wochen die Gebäude vorgestellt, die heute zum Industriedenkmal Königshütte gehören. Heute will ich euch auf eine Zeitreise mitnehmen und in die Zeit zurückschauen, in der die Königshütte gebaut worden ist, und … dabei zwei wichtigen Fragen nachgehen: warum wurde die Königshütte gebaut und wie kam es zum Standort bei Lutterberg, dem heutigen Bad Lauterberg.
Seit dem 30jährigen Krieg waren knapp 100 Jahre vergangen, die Kriegsfolgen waren immer noch zu spüren, die Wirtschaft hatte sich noch nicht überall erholt. Vorhandene Ressourcen wurden nicht mehr oder immer noch nicht genutzt, es fehlten finanzkräftige Arbeitgeber, die erst investierten, bevor sie Nutzen ziehen konnten. Zu solchen Arbeitgebern gehörte auch der Staat, in diesem Fall in Form des Kurfürsten von Hannover. Zu den Ressourcen gehörten neben dem Eisenerz und dem Holz, die im Gebiet vorhanden waren, die brachliegenden kleinen Eisenhütten.
Doch wie musste vorgegangen werden:
zuerst einmal mussten die alten Hüttenstandorte aufgesucht und geschaut werden, ob es in den Hütten noch brauchbares Inventar gab. 1640 wurde dann – angeschoben vom Landesherren, dem Kurfürsten von Hannover – eine sogenannte Hüttenvereinigung geschaffen. Ihre Mitglieder schauten erst einmal, was es noch an Hütten gab, die Hüttenstandorte waren bekannt. Es wurde geschaut, wie (baufällig) es vor Ort aussah, und es wurde nach noch brauchbarem Inventar geschaut. Das alles wurde listenmäßig zusammengefasst. 224 Seiten sollen zusammengekommen sein. Akribisch wurde aufgeführt, was vorhanden war: z. B. Hochöfen und Blasebälge, aber auch Gebrauchsmaterial wie Nägel und mehr. Wie verfallen die Hütten, d.h. die Gebäude waren, wurde ebenfalls festgehalten.
Wo standen diese Eisenhütten?
Die meisten der Hütten stand im Elbingeröder Gebiet im Bereich der Kalten Bode. Das Gebiet gehörte damals zum Kurfürstentum Hannover. Aber auch an der Lutter hat es eine Eisenhütte gegeben, ‚an der Oder unter dem Lutterberge‘ steht im Protokoll. Wo genau die Hütte lag, lässt sich aus den Aufzeichnungen nicht ermitteln, wohl aber, dass sie relativ neu gewesen sein muss. Ob es sich um die Süssenhütte (siehe unten) gehandelt hat, ist nicht nachvollziehbar. Zeitlich würde es passen. Die Hütte könnte aber auch am Oberlauf der Oder gestanden haben, der Name Lutterberg nur die Bezeichnung für ‚Berg an der Lutter‘ gewesen sein.
Insgesamt sind in dem Inventarium sieben Hütten aufgelistet worden. Aus der Auflistung geht auch hervor, dass vermutlich zwei der sieben Hütten, nämlich Mandelholz (ihr Standort befand sich auf dem heutigen Parkplatz des Hotels ‚Zur grünen Tanne‘) und Lüdershof (an der Kalten Bode im heutigen Ortsteil Königshütte der Stadt Oberharz am Brocken im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt), noch betrieben worden sind.
Dass eine neue Eisenhütte entstehen sollte, stand schnell fest. 1707 wurde die Rothehütte im Bereich der ehemaligen Eisenhütte Lüdershof errichtet. Und auch der Bau einer zweiten Eisenhütte war schon geplant.
Auf dem Gelände der heutigen Königshütte hatte es eine private Eisenhütte gegeben, die Süssenhütte. - Joachim Süsse hatte sie vor 1580 gegründet, es gab zunächst einen Eisenhammer, einen Rennherd sowie einen Hüttenteich. Später war die Süssenhütte in fiskalischen Besitz übergegangen. 1623/24 war der Hüttenbetrieb eingestellt worden.
Der Standort war ideal für eine neue Eisenhütte: hier gab es Wasser, das für die benötigte Energie genutzt werden konnte. Auch Eisenstein und Holz für Holzkohle gab es um Lutterberg, dem heutigen Bad Lauterberg.
1733 begannen die Bauarbeiten. Übrigens: der Name ‚Königshütte‘ war eine Idee des ersten Hüttenreuters, wie die Rechnungsbeamten im Hüttendienst damals hießen. Der Name ‚Königshütte‘ war ideal, die Königshütte brachte recht schnell Gewinn ein.
Noch etwas: die beiden Hütten – Rothehütte und Königshütte standen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern waren miteinander verbunden.
Zu den Gebäuden der neuen Eisenhütte, der Königshütte, gehörten ein Hochofengebäude mit zwei Hochöfen. Da man keine Erfahrung hatte, (oder war die Erfahrung verloren gegangen?) gab es einen Ofen mit einem quadratischen und einen Ofen mit einem runden Querschnitt, außerdem wurde das Faktoreihaus gebaut, über das ich unlängst berichtet habe, mehrere Hammerhütten, zwei Hüttenhäuser (Wohnhäuser), ein Stall, ein Schlackenpochwerk und eine Zerrennhütte, d.h. die Hütte, in der das Eisenerz geschmolzen wurde. Von den Gebäuden aus dieser ersten Bauphase sind heute noch das Faktoreihaus, der Stall und eines der Wohnhäuser (Hüttenhäuser) vorhanden.
Das Bild zeigt die Königshütte um 1830.
Doch zurück zur Führung: Ein Eintrittsgeld wird für die Führung nicht erhoben. Die Führungen werden ehrenamtlich von Vereinsmitgliedern durchgeführt. Um dies aufrechterhalten zu können, sowie zur Erhaltung des Ensembles, bittet der Förderkreis um eine Spende.