28/05/2026
Am 2. Juni bietet der Förderkreis Königshütte eine Führung an. Sie beginnt wie gewohnt um 15 Uhr am Hüttenbrunnen und dauert etwa zwei Stunden. Im ersten Teil der Führung wird euch die Königshütte im Allgemeinen vorgestellt. Den Abschluss der Führung bildet der Besuch des Südharzer Eisenhüttenmuseums. Hier erfahrt ihr am Beispiel der Königshütte vieles zur Geschichte des Eisenhüttenwesens im Harz und über die Vernetzung der Königshütte mit dem Solling.
Anhand eines Funktionsmodell - es zeigt die erste Hochofenhütte um 1740 - lässt sich gut nachempfinden, wie schwer die Arbeit in der Hochofenhütte damals gewesen ist. Zum Abschluss könnt ihr euch eine Auswahl an der breiten Palette von Produkten anschauen, wie sie (nicht nur) auf der Königshütte hergestellt worden ist.
Einen Teil der Geschichte der Königshütte bildet die Steinrenner Hütte, eine Art Außenposten der Königshütte, wie man heute sagen würde. Die Steinrenner Hütte war 1788/89 von Berghauptmann von Reden im oberen Siebertal angelegt worden und lag ‚eine Meile von St. Andreasberg und 1,5 Meilen von der Königshütte entfernt‘ (Anm.: 1 Meile = 7,5 km). Die Steinrenner Hütte war angelegt worden, um Transportkosten zur Königshütte zu sparen. Es war preiswerter, das auf der Steinrenner Hütte gefertigte Roheisen zur Königshütte zu transportieren als das Eisenerz. 1804 gab es auf der die Steinrenner Hütte 11 Häuser und 99 Einwohner.
Eisenerz und Kohlholz (heißt: Holz für die Herstellung von Holzkohle) gab es im Bereich der Steinrenner Hütte reichhaltig. Die Transportwege von den Gruben waren recht kurz. Die Steinrenner Hütte besaß ab 1835 einen Hochofen, zusätzlich gab es einen Windofen, er wurde zum Austesten des Eisengehaltes des angelieferten Eisensteins benötigt. (Anmerkung: bei Zeno.org finden wir zu Windofen: Ein Ofen, in welchem das Feuer durch einen angebrachten Luftzug verstärket wird; ein Zugofen. Man hat von dieser Art sowohl Schmelzöfen als Stubenöfen. Übrigens: im Probierhaus der Königshütte (heute Südharzer Eisenhüttenmuseum) hat es für die Beprobung des gelieferten Eisenerzes ebenfalls einen Windofen gegeben.)
Um 1804 lieferte die Steinrenner Hütte 200 – 230 Zentner Roheisen pro Woche an die Königshütte, 1820 lieferte sie 7.569 Zentner Gusseisen und 362 Zentner Granuliereisen. (Anmerkung: den Begriff Granulat kennt ihr sicher, Granuliereisen, auch als Eisengranalien bekannt, bezeichnet winzige, tropfenförmige Eisenperlen, die historisch im Harzer Bergbau und Hüttenwesen hergestellt wurden. Die historische Funktion des Granuliereisens: das unedle Metall Eisen diente als Zuschlagstoff, um Schwefel aus dem Rohsilber zu entfernen und wurde entsprechend an die Silberhütten geliefert. Durch die große Oberfläche der kleinen Eisenperlen band das Eisen den störenden Schwefel als Eisensulfid. Um das Granuliereisen herzustellen, wurde das flüssige Roheisen in Wasser gegossen (der entsprechende Vorgang nennt sich granulieren), um die gewünschten kleinen Eisenperlen zu erhalten.)
Doch zurück zur Steinrenner Hütte: eine eigene Kasse hatte die Steinrenner Hütte nicht, die Einnahmen und Ausgaben wurden von der Königshütte verwaltet. Es gab aber separate Abrechnungen für die Steinrenner Hütte und es wurde das Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis der Steinrenner Hütte berechnet. Die Königshütte übernahm nämlich das von der Steinrenner Hütte angelieferte Roheisen zu festgelegten Preisen. Diese Preise variierten gelegentlich in Abhängigkeit der Produktionskosten und der Preise des Stabeisens, das aus dem Roheisen der Steinrenner Hütte gefertigt wurde. Abgerechnet wurde alle 14 Tage. 1857 wurde die Steinrenner Hütte stillgelegt und 1868 abgebrochen.
Die Probierung - d.h. die Bestimmung des Eisengehalts des im Bereich der Steinrenner Hütte vorkommenden Lerbacher und Elbingeröder Eisensteins - war wesentlich seltener nötig als die des Andreasberger Eisensteins. Denn bei ein- und derselben Grube verändert der Eisengehalt nicht leicht, und im Fall, dass er unordentlich geklaubt worden ist, kann man das schon aus dem Ansehen/Aussehen erkennen, denn er bricht derb.
Zurück zur Führung: Ein Eintrittsgeld für die Führung wird nicht erhoben. Die Führungen werden ehrenamtlich von Vereinsmitgliedern durchgeführt. Um dies aufrechterhalten zu können, sowie zur Erhaltung des Ensembles, bittet der Förderkreis um eine Spende.