18/01/2025
Otto Schommartz, der letzte Kapitän der PADUA
Otto Schommartz wurde am 29. Januar 1909 in Prerow geboren und wuchs zusammen mit seinen Brüdern in der Langen Straße 7, der Adler-Apotheke seines Vaters, des Apothekers Otto Schommartz und seiner Frau Charlotte, geb. Thomas, auf. Er besuchte die Realschule in Barth und ging 1924 wie seine zwei älteren Brüder und später sein jüngerer Bruder in Hamburg zur See. Er heuerte zunächst als Schiffsjunge auf der ESSEN an und kam später auf die ULUNDI. Sein Herz schlug jedoch für die Windjammer und so bewarb er sich bei Laeisz in Hamburg und machte dort seine erste Fahrt unter Segeln auf der PRIWALL unter Kapitän Jürgen Jürs. 1930 erhielt er das Offizierspatent A5 und drei Jahre später das Patent A6 „Kapitän auf Großer Fahrt“. 1933/34 machte er als Zweiter Offizier auf der PADUA die Wett- und Rekordfahrt der beiden Flying P-Liner Padua (unter Kapitän Jürgen Jürs) und Priwall (unter Kapitän Robert Clauß) nach Australien mit. Im September 1938 übernahm er für wenige Tage das erste Mal das Kommando auf der PADUA, musste es jedoch krankheitsbedingt wieder abgeben. Bis zum Kriegsausbruch hatte er 18-mal Kap Hoorn umsegelt. 1939/40 war er in Vigo (Spanien) interniert. Danach wurde er am 01. April 1941 Kapitän der PADUA, verließ mit dem Schiff aber bis Kriegsende nicht mehr die Ostsee. Am 31.12.1945 erreichte die PADUA Hamburg, von wo aus sie am 11. Januar 1946 ihre Reise über Kiel und Lübeck nach Swinemünde antrat, wo sie als Reparationsleistung an die Sowjetunion übergeben wurde.
Otto Schommartz war Mitglied der Seefahrervereinigung Internationale Bruderschaft der Kap Hoorniers. Er war mit Lotte Schommartz, geb. Müller, verheiratet und hatte mit ihr drei Kinder (Manfred, Anke und Hermann). 1943 wurde die Familie in Hamburg in der Operation Gomorrha ausgebombt, lebte von 1944 bis 1952 in Glücksburg und danach wieder in Hamburg Hummelsbüttel am Alsterweg. Nach Überbrückung einer schwierigen Zeit wurde Schommartz 1949 Kapitän der Reederei A. Kirsten und dort 1952 bis zu seinem Tod 1964 Nautischer Inspektor. Begraben wurde Otto Schommartz auf dem Friedhof Hamburg Ohlsdorf.
Daten zur Viermastbark PADUA
Stapellauf: 11. Juni 1926
Bauwerft: Joh. C. Tecklenborg, Wesermünde
Betreiber: F. Laeisz, als frachtführendes Schulschiff
Abmessungen: Länge über alles 114,50 m, Breite über Spanten 14,04 m, Tiefgang 6,26 m, Tragfähigkeit 4698 Tonnen, Gesamtsegelfläche 3800 qm
Kapitäne: Carl Schuberg (1926 – 1928), Hermann Piening (1928 – 1930), Robert Clauß (1930 – 1932 & 1935 – 1937), Jürgen Jürs (1933 – 1935 & 1937 – 1938), Richard Wendt (1938 – 1940), Otto Schommartz (1941 – 1946)
Verbleib: 1946 an die Sowjetunion übergeben und umbenannt in KRUZENSHTERN, heute vom russischen Ministerium für Fischwirtschaft als Ausbildungsschiff genutzt, mit bis 76 Mann Stammbesatzung und bis zu 160 Kadetten und Trainees.
Trivia: Die PADUA wurde mehrfach als Filmkulisse genutzt, 1935 für den Film „Die Meuterei auf der Elsinore“, 1940 für „Ein Herz geht vor Anker“ und 1944 für „Große Freiheit Nr. 7“ mit Hans Albers.
Verwendete Literatur
Gerdau, Kurt: Viermastbark Padua …ein ruhmreiches Schiff, Köhlers Verlagsgesellschaft MbH Herford, 1978