01/06/2026
Gestern verstarb Tomi Reichental, Überlebender des KZ Bergen-Belsen, im Alter von 90 Jahren in Irland.
Thomas (Tomi) Reichental wurde im Juni 1935 in Piešťany (damals Tschechoslowakei, heute Slowakei) in einer jüdischen Familie geboren. Sein Vater war Landwirt, die Mutter Hausfrau, er hatte einen älteren Bruder. Die Schule konnte Tomi aufgrund der Verfolgungsmaßnahmen nur kurz besuchen. Sein Vater schloss sich Partisanen an.
Tomi, seine Mutter, sein Bruder und seine Oma wurden in Haft genommen und im November 1944 in das Frauenlager des KZ Bergen-Belsen transportiert. Dort starb die Großmutter im März 1945.
Nach der Befreiung durch britische Truppen kehrten die Reichentals zunächst zurück in ihre Heimat und emigrierten dann 1949 nach Israel. Dort diente Tomi ab 1953 in der Armee. Nach einer Ausbildung zum Ingenieur lebte er ab 1959 in Irland und leitete eine Maschinenbaufabrik. Er heiratete und bekam drei Kinder.
Über Jahrzehnte hinweg schwieg Tomi Reichental über sein Verfolgungsschicksal. Erst mit dem Ruhestand begann er, über seine Erlebnisse als Kind im Holocaust zu berichten. Es entstanden mehrere Dokumentarfilme sowie seine Autobiografie „I Was A Boy In Belsen“, die er 2011 veröffentlichte. Für sein Engagement erhielt er in Irland zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.
Tomi Reichental war mehrere Male zu Besuch in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, unter anderem für Gedenkfeiern, Dreharbeiten und verschiedene Veranstaltungsformate. 2012 führte Dr. Thomas Rahe ein mehr als fünfstündiges lebensgeschichtliches audiovisuelles Interview mit ihm durch.
Unser Mitgefühl gilt seiner langjährigen Partnerin Joyce und seiner Familie.