Pilecki-Institut

Pilecki-Institut Kultur- und Forschungsinstitut zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, Polens sowie Ost- und Mitteleuropas
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27/05/2026

History did not end in 1945.
Nor did it end in 1989.
Nor will it end in 2026.

That is why we regularly discuss with diplomats from around the world the lessons of Witold Pilecki, his mission into the German concentration camp Auschwitz to inform the world about its horrors, the role of the Polish Underground State in organizing and encouraging these efforts, the near-total destruction of Warsaw by N**i Germany, and the extraordinary effort to rebuild the city from ruins.

And how it was possible that Pilecki, after escaping from Auschwitz, was executed by the Stalinist regime.

Because totalitarian evil always lurks just around the corner.

Learning history also means preparing for the future.

Warsaw 1945–1947: The Life of Ruins and Life in the RuinsNew lecture by Dr. Błażej Brzostek accompanying our exhibition ...
26/05/2026

Warsaw 1945–1947: The Life of Ruins and Life in the Ruins

New lecture by Dr. Błażej Brzostek accompanying our exhibition “WARSAW REBORN. REPORTAGE PHOTOGRAPHY 1945–1949”

How does one live in a destroyed city? How do ruins change over time, and how do new forms of everyday life emerge among rubble, provisional shelters, and overgrown landscapes of debris?

Dr. Błażej Brzostek is regarded as one of the leading historians of Warsaw, and his books on the Polish capital have profoundly shaped contemporary understanding of the city’s past. His most recent book, “Wstecz,” was enthusiastically received as a “brilliantly narrated journey into the past” and a “masterful combination of history, memory, and urban space.”

Warsaw 1945–1947: The Life of Ruins and Life in the Ruins

Lecture by Dr. Błażej Brzostek

02.06, 18.00 | Pariser Platz 4A, 10117 Berlin

Registration: https://forms.gle/LUd2j65So5gpQJ3x8

In his lecture, historian and author Dr. Błażej Brzostek — whose acclaimed history of Warsaw, “Wstecz!”, has been celebrated throughout Poland — opens up new perspectives on the Polish capital in the immediate postwar years. The dialectic between destruction and rebirth in a city razed to the ground, which many visitors immediately perceive in the exhibition “Warsaw Reborn …”, is expanded by Brzostek into another dimension: that between nature and culture, between ending and new beginning.

Focusing on Warsaw between 1945 and 1947, Brzostek explores the unique world of life among the ruins and the complex relationship between people and their devastated surroundings. While nature slowly reclaims the ruined city, its inhabitants simultaneously attempt to rebuild everyday life amid the rubble.

„Ich bemühte mich so zu leben, dass ich mich im Angesicht des Todes eher freuen als fürchten kann“, lauteten die bekannt...
25/05/2026

„Ich bemühte mich so zu leben, dass ich mich im Angesicht des Todes eher freuen als fürchten kann“, lauteten die bekannten Worte Witold Pileckis nach der Verkündung seines Todesurteils. Am 25. Mai 1948 wurde es auf Befehl der kommunistischen Behörden vollstreckt.

Witold Pilecki war Pfadfinder, Offizier der Polnischen Armee und der Heimatarmee, Mitbegründer der Geheimen Polnischen Armee, Warschauer Aufständischer und Mitglied der antikommunistischen Organisation „NIE“. Er ließ sich freiwillig nach Auschwitz deportieren, wo er eine Widerstandsbewegung organisierte und Beweise für die deutschen nationalsozialistischen Verbrechen sammelte. Bis heute ist von keinem anderen Menschen eine vergleichbare Tat bekannt.

Und doch war die Sicherung der stalinistischen Herrschaft wichtiger als alles andere. Am 8. Mai 1947 wurde er vom kommunistischen Sicherheitsdienst UB verhaftet, während der Ermittlungen brutal verhört und gefoltert.

Ein Jahr später verurteilten ihn die kommunistischen Machthaber auf Grundlage fabrizierter Beweise in einem Schauprozess zum Tode. Unter denjenigen, die um Gnade baten, war auch seine Frau Maria, doch der damalige kommunistische Oberhaupt Bolesław Bierut machte von seinem Gnadenrecht keinen Gebrauch.

Die Erinnerung an Pilecki wollten die Kommunisten bis zum Ende nicht zulassen: Trotz eines zwischenzeitlichen Tauwetters und einer vorsichtigen Liberalisierung des kommunistischen Systems in Polen nach 1956 blieb seine Geschichte bis zur Wende von 1989 tabu und wurde von der offiziellen Geschichtsschreibung systematisch verschwiegen. Seine Familie wurde bis zum Ende des Kommunismus diskriminiert; Angehörigen blieb unter anderem der Zugang zu Universitäten verwehrt.

Die Täter dieser Verbrechen wurden indes nie zur Rechenschaft gezogen. Bis heute ist der genaue Ort seiner Bestattung unbekannt. Ein symbolisches Grab befindet sich auf dem Warschauer Friedhof Powązki.

Um seine zeitlose Botschaft des Antitotalitarismus, des Widerstands gegen Unterdrückung und der Freiheit dauerhaft in Europa zu verankern, erklärte das Europäische Parlament im Jahr 2019 den 25. Mai, den Todestag Witold Pileckis, zum Internationalen Tag der Helden des Kampfes gegen den Totalitarismus.

Eine weitere enthusiastische Rezension der Sonderausstellung "Warschaus Neuanfang 1945-1949. Fotografien vom Leben in de...
22/05/2026

Eine weitere enthusiastische Rezension der Sonderausstellung "Warschaus Neuanfang 1945-1949. Fotografien vom Leben in den Trümmern" in dem anerkannten Branchenmagazin "World Architects" (Link in den Kommentaren).

"Vom ungebrochenen Lebensmut der in das weitgehend zerstörte Warschau zurückgekehrten Menschen und von ihrer Tatkraft beim Wiederaufbau erzählt eine beeindruckende Fotoausstellung in Berlin. Sie dokumentiert die ersten Jahre nach Kriegsende in der polnischen Hauptstadt." schreibt Oliver G. Hamm

"Wer derzeit in Berlin, vom Brandenburger Tor kommend, über den Pariser Platz schlendert, wird an der Fassade eines sonst unscheinbaren Gebäudes von zwei gut gelaunten Jungs mit verschmitzten Gesichtern angestrahlt. Sie werben – beziehungsweise die von Jerzy Baranowski angefertigte Fotografie wirbt – für eine kleine, aber wichtige Ausstellung, deren Titel schon erkennen lässt, dass solch unbeschwerte Momente eher die Ausnahme als die Regel der hier gezeigten Bildmotive sind: »Warschaus Neuanfang 1945–1949. Fotografien vom Leben in den Trümmern«.

Und doch gewinnt, wer sich dem themenreichen Bilderreigen aussetzt, den Eindruck, dass sich die Menschen in der von deutschen Truppen weitgehend zerstörten polnischen Hauptstadt in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Lebensmut nicht haben nehmen lassen und in einer gewaltigen Kraftanstrengung die Trümmer beseitigt, den Wiederaufbau begonnen und die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes wiederbelebt haben."

world architects

Buchvorstellung - "1918-1939: Hätte das freie Polen überleben können?"09.06.2026 | 18.00 Pariser Platz 4A, 10117 BerlinA...
22/05/2026

Buchvorstellung - "1918-1939: Hätte das freie Polen überleben können?"
09.06.2026 | 18.00 Pariser Platz 4A, 10117 Berlin

Anmeldung: https://forms.gle/yAmZeCvfYBQgT3Zm7

Übersetzung des Klappentexts:

War das wiedergegründete Polen tatsächlich nur ein „Saisonstaat“? Lag sein Schicksal und Fortbestehen wirklich nur begrenzt in den Händen der Polen selbst? Oder wurde seine Zukunft vor allem durch die Politik der Nachbarstaaten und das Kräfteverhältnis zwischen Deutschland und der Sowjetunion bestimmt? Und war die angebliche „Vergänglichkeit“ des polnischen Staates womöglich eher eine propagandistische Behauptung seiner Gegner als historische Realität?

Das unabhängige Polen sah sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, mit gewissermaßen unauflösbaren inneren Widersprüchen: den aus der Zeit der Teilungen herrührenden zivilisatorischen und mentalen Unterschieden, wirtschaftlicher Rückständigkeit sowie nationalen Spannungen. Diese Schwächen waren real und struktureller Natur; nicht selten verstärkten sie die von außen verbreiteten Narrative über die Instabilität und mangelnde Dauerhaftigkeit des wiedergeborenen polnischen Staates. Haben sie zusammen mit dem Angriff Deutschlands und der Sowjetunion zum Untergang Polens nach nur zwanzig Jahren beigetragen?

Dieses Buch ist eine Reflexion über die Grenzen der Handlungsfähigkeit eines Staates zwischen Hammer und Amboss. Seine Schlussfolgerungen sind zugleich eine Warnung: Unabhängigkeit ohne tragfähige Fundamente kann sich als bloße Episode der Geschichte erweisen.

Krzysztof Kloc (geb. 1989) ist Historiker und Professor am Institut für Geschichte und Archivwissenschaft der Universität der Nationalen Bildungskommission in Krakau. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, insbesondere die Zwischenkriegszeit und das Piłsudski-Lager, das Schicksal der polnischen Intelligenz, das Umfeld der „Kultura“ um Jerzy Giedroyc sowie biographische Studien zu dieser Epoche. Er ist Autor der Bücher Michał Sokolnicki (1880–1967). Piłsudczyk – Historiker – Diplomat (2018), Piłsudski. Eine Studie zum Phänomen des Kommandanten (2021) sowie „Der Belarusse, der einen Litauer spielt“. Czesław Miłosz und Polen 1918–1939 (2024).

Gustaw Herling-Grudziński: Gulag-Überlebender, großer Schriftsteller und Chronist des TotalitarismusGestern wäre Gustaw ...
21/05/2026

Gustaw Herling-Grudziński: Gulag-Überlebender, großer Schriftsteller und Chronist des Totalitarismus

Gestern wäre Gustaw Herling-Grudziński 107 Jahre alt geworden. Viele seiner Beobachtungen über den Alltag im sowjetischen Gulag könnten ebenso gut aus den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine stammen. Seine großen Werke über das Lagersystem und den Totalitarismus der Sowjetunion sind deshalb leider nicht bloß historische Literatur geblieben. Sein Leben als Anders-Soldat, Gulag-Häftling und Mitbegründer der Zeitschrift Kultura hilft, die Geschichte Polens im 20. Jahrhundert besser zu verstehen – und ebenso vieles an der Gegenwart. Doch auch stilistisch und ästhetisch genügt sein Werk höchsten Ansprüchen.

Eine „Andere Welt“ oder eine „Welt ohne Erbarmen“?

„Welt ohne Erbarmen“ – so lautet der deutsche Titel von Inny Świat, dem klassischen Lagerbericht Herling-Grudzińskis, der 1953 in Deutschland erschien. Wörtlich übersetzt hätte der Titel „Andere Welt“ geheißen. Rasch wurde das Buch zu einem internationalen Erfolg und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es fand schnell Eingang in den Kanon der Lagerliteratur und erschien in der englischen Erstausgabe mit einem Vorwort von Bertrand Russell.
„Sowohl die Kommunisten als auch die Nationalsozialisten haben auf tragische Weise gezeigt, dass in einem großen Teil der Menschheit ein Impuls zur Grausamkeit existiert, der nur auf eine Gelegenheit wartet, um sich in seiner ganzen nackten Abscheulichkeit zu entfalten“ – so Russells Fazit über das Buch.

Herling-Grudzińskis Werk, das laut Albert Camus „in allen Ländern veröffentlicht und gelesen werden sollte – um seiner selbst willen und um all dessen, was es enthüllt“, zeichnet sich durch eine deskriptiv-kühle Objektivität aus. Es dokumentiert den Lageralltag, die erbarmungslosen Hierarchien unter den Insassen und die infolge von Mangelernährung auftretenden Krankheiten wie Nachtblindheit. Der Autor schildert die ganze Bandbreite zwischenmenschlicher Beziehungen im Gulag: Manche kämpften darum, das Menschliche in sich und anderen zu bewahren – andere waren dazu längst nicht mehr in der Lage oder um es mit Herling-Grudzińskis Worten zu sagen: „Der Mensch bleibt nur so lange menschlich, wie man ihn menschlich leben lässt“.

Dreifache Rezeption

Die internationale Rezeption des Buches verlief in drei Phasen:
Zunächst fand allein die Tatsache Anerkennung, dass die sowjetische Lagerrealität überhaupt beschrieben und dokumentiert wurde. Danach würdigte man die komplexe psychologische Analyse Herling-Grudzińskis – er zeigte, was Totalitarismus und Lageralltag mit dem Menschen machen. Schließlich fand das Werk auch literarische Anerkennung – unter anderem für seine zahlreichen Anspielungen auf Autoren wie Dante, Remarque oder den polnischen Schriftsteller Stefan Żeromski.

Ein Leben zwischen Widerstand, Literatur und Exil

Diese Vielschichtigkeit verdankt sich nicht nur Herling-Grudzińskis Schreibkunst, sondern auch seinem Lebensweg. Dieser war geprägt von politischem Widerstand, militärischem Einsatz und geistiger Unabhängigkeit. Bereits nach wenigen Jahren an der Universität Warschau fiel er durch seinen unersättlichen Lese- und Schreibdrang auf: Er verschlang die Werke von Gombrowicz, Miłosz, Bruno Schulz und vielen anderen, um sie literarisch zu verarbeiten. Doch das Jahr 1939 war nicht mehr fern.
Im März 1940 versuchte er, aus dem sowjetisch besetzten Grodno über Litauen nach Frankreich zu gelangen, um sich der polnischen Armee im Westen anzuschließen. Die von ihm engagierten Schleuser waren jedoch NKWD-Agenten – einer von ihnen hieß, ironischerweise, Mickiewicz.

Hier begann jene Erfahrung, ohne die er sein Buch Welt ohne Erbarmen nie hätte schreiben können. Der damals 23-jährige Herling-Grudziński wurde zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt, nachdem man ihn beschuldigt hatte, die Grenze mit dem Ziel übertreten zu wollen, gegen die Sowjetunion zu kämpfen. Symptomatisch: Auf seinen Einwand, man könne in der Anklageschrift doch wenigstens „Deutschland“ statt „Sowjetunion“ einsetzen, erhielt er nur die Antwort: „Das kommt aufs Gleiche raus!“

Wie viele andere Polen konnte er dank des Sikorski-Majski-Abkommens nach 18 Monaten entkommen. Erst ein halbes Jahr nach der letzten Deportationswelle – nur wenige Wochen vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion – gelang es General Władysław Sikorski, Stalin zu einem Abkommen zu bewegen, das die Flucht von 25.000 polnischen Soldaten und zahlreichen Zivilisten ermöglichte.

Doch für viele bedeutete das noch keine echte Freiheit: Sie waren krank, geschwächt und völlig mittellos. Sie mussten betteln, auf zufällige Mahlzeiten hoffen und in Bahnhofshallen oder auf Bahnsteigen übernachten – mitten im russischen Winter. Nach anderthalb Monaten unter solchen Bedingungen gelang es Herling-Grudziński schließlich, sich der Polnischen Armee unter General Anders anzuschließen.

Er kämpfte u.a. im Irak, Ägypten und nahm schließlich an der Schlacht um Monte Cassino teil – als Funker. Wie vielen Anders-Soldaten war ihm jedoch bereits damals klar, dass das künftige Nachkriegspolen in der sowjetischen Einflusssphäre verbleiben würde.

Exil, Bruch, Rückkehr

Nach dem Krieg ließ sich Herling-Grudziński in Italien nieder. „Wichtig war, dass ich mich einfach in Italien verliebte. Es war mein gewähltes Land“, sagte er später. „Als ich mit meiner Frau Krystyna dortblieb und mit Giedroyć Kultura gründete, war ich einfach glücklich.“ Doch schon bald kam es zum Zerwürfnis mit Jerzy Giedroyć, woraufhin Herling-Grudziński nach Großbritannien zog – wie viele andere polnische Emigranten lebte er dort in relativer Armut. Zwischenzeitlich verschlug es ihn auch nach München, bevor er sich schließlich dauerhaft in Italien niederließ. Zu seinen späteren, hochgeschätzten Werken zählen unter anderem Wieża (Der Turm) und Książę niezłomny (Der unbeugsame Prinz). Er schrieb weiterhin über die Geschichte des Totalitarismus, aber auch über moderne, beunruhigende Entwicklungen, die daran anknüpften – etwa die Terrorwelle in Italien. Auch seine übrigen Werke waren wahre literarische Zitatscollagen, durchzogen von unzähligen literarischen Anspielungen.

In Polen wurde er erst Ende der 1970er Jahre breiter rezipiert – sein großes, eingangs erwähntes Buch über das Gulag-System erschien dort erst 1988. Ähnlich wie andere Autoren, etwa Zbigniew Herbert, kritisierte Herling-Grudziński später den aus seiner Sicht zu nachsichtigen Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit im freien Polen nach 1989.

„Warum hat Polen ein Pilecki-Institut in Berlin?“Solche Treffen gehören zu den wichtigsten für uns: Mit internationalen ...
20/05/2026

„Warum hat Polen ein Pilecki-Institut in Berlin?“

Solche Treffen gehören zu den wichtigsten für uns: Mit internationalen Botschaftern und Diplomaten aus aller Welt sprachen wir heute über die zeitlose Botschaft Witold Pileckis und des polnischen Untergrundstaats, über den Wiederaufbau Warschaus in den Trümmern, darüber, warum häufig Besucher aus den ehemaligen „Bloodlands“ Tränen in den Augen haben, wenn sie am Ende der Pilecki-Ausstellung ankommen, und über viele, viele weitere Themen.

Letzten Endes waren wir uns alle einig, dass Pileckis antitotalitäre Freiheitsbotschaft gerade im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und anderer Gräueltaten unverhofft aktuell bleibt.

Polnische Botschaft in Deutschland / Ambasada Polska w Niemczech

Karl Dedecius: Der Übersetzer als BrückenbauerHeute erinnern wir an den 105. Geburtstag von Karl Dedecius. Er galt als b...
20/05/2026

Karl Dedecius: Der Übersetzer als Brückenbauer

Heute erinnern wir an den 105. Geburtstag von Karl Dedecius. Er galt als bedeutendster Übersetzer und Vermittler polnischer Literatur in Deutschland sowie als Gründer des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt und des großen editorischen Projekts „Polnische Bibliothek“. Wie kaum ein anderer prägte er nach dem Zweiten Weltkrieg den deutsch-polnischen kulturellen Dialog und machte Generationen deutscher Leserinnen und Leser mit der Literatur, Geschichte und geistigen Welt Polens vertraut. Er übersetzte Werke von Zbigniew Herbert, Wisława Szymborska, Czesław Miłosz, Tadeusz Różewicz und vielen anderen.

Karl Dedecius wurde 1921 in Łódź geboren – einer Stadt, die damals von kultureller Vielfalt, Mehrsprachigkeit und dem Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften geprägt war. Als Sohn deutscher Eltern wuchs er in einem polnischen Umfeld auf, sprach Deutsch und Polnisch selbstverständlich nebeneinander und besuchte ein polnisches Gymnasium. Früh lernte er, zwischen verschiedenen kulturellen Perspektiven zu leben. Diese Erfahrung wurde zum Fundament seines späteren Wirkens.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete für ihn einen tiefen Einschnitt. Dedecius wurde zur Wehrmacht eingezogen, kämpfte in Stalingrad, wurde schwer verwundet und verbrachte viele Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Gerade die Erfahrung von Krieg, Gewalt und ideologischer Zerstörung machte kulturelle Verständigung für ihn zu einer existenziellen Aufgabe.

Nach seiner Rückkehr lebte Dedecius zunächst in Weimar und später in Westdeutschland. Er arbeitete bei einer Versicherung und übersetzte polnische Literatur zunächst nebenberuflich. Was als persönliche Leidenschaft begann, entwickelte sich bald zu einer kulturellen Aufgabe von historischer Bedeutung. In einer Zeit, in der die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland im Schatten von Krieg, Gewalt und tiefem Misstrauen standen, machte Karl Dedecius die Stimmen polnischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Deutschland bekannt.

Für Generationen deutscher Leserinnen und Leser wurde er zur wichtigsten Stimme der polnischen Literatur. Seine Übersetzungen waren weit mehr als sprachliche Übertragungen – sie waren Einladungen zum Verstehen. Dedecius war überzeugt, dass Literatur Menschen näherbringen kann, gerade dort, wo Politik und Geschichte tiefe Gräben hinterlassen haben.

1980 gründete er das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt und schuf damit einen dauerhaften Ort des deutsch-polnischen Dialogs. Gleichzeitig arbeitete er unermüdlich an seinem großen editorischen Projekt weiter: der „Polnischen Bibliothek“, die zentrale Werke der polnischen Literatur im deutschen Sprachraum zugänglich machte. Sein Ziel war es stets, die Vielfalt der polnischen Kultur sichtbar zu machen und stereotype Bilder zu überwinden.

Karl Dedecius erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie hohe polnische und deutsche Ehrungen. Seine vielleicht größte Leistung bestand jedoch darin, nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts neues Vertrauen zwischen Menschen geschaffen zu haben. Er verstand Übersetzung nicht nur als sprachliche Arbeit, sondern als kulturelle Verantwortung.

Heute erinnern wir uns an Karl Dedecius als Humanisten, Europäer und Brückenbauer. Sein Werk zeigt, wie wichtig kultureller Austausch für eine offene Gesellschaft ist. Es erinnert daran, dass Verständigung nicht abstrakt entsteht, sondern durch Sprache, Literatur und die Bereitschaft, dem Anderen zuzuhören.

Pop-Up Exhibition: Justice in Memory. The NKVD Operation and North Azovian Greeks of Ukraine. On 28 May 2026, the Berlin...
20/05/2026

Pop-Up Exhibition: Justice in Memory. The NKVD Operation and North Azovian Greeks of Ukraine.

On 28 May 2026, the Berlin branch of the Pilecki Institute will host a special event dedicated to the memory of North Azovian Greeks who fell victim to the NKVD Greek Operation — a largely overlooked episode within the broader wave of Stalinist repressions targeting national minorities across the Soviet Union in the late 1930s. Organized in cooperation with the NGO ‘North Azovian Greeks: Urums and Roumeans’ the discussion will explore how violence and persecution reshaped languages, identity, and collective memory, and how these historical experiences resonate today in the context of Russia’s war of aggression against Ukraine.

The event will also introduce a small exhibition featuring family photographs of North Azovian Greeks from the 1930s, offering a personal and visual dimension to the histories discussed. Some images are shown only as silhouettes, symbolically reflecting the photographs missing from thousands of family archives, as current generations of North Azovian Greeks have been forced to flee and/or leave their homes due to Russia’s ongoing war against Ukraine. Alongside these photographs and visuals, the exhibition presents a series of works by Ukrainian artist Anatoliy Belov, portraying prominent representatives of the North Azovian Greek community who were targeted by Soviet repressions during the NKVD Greek Operation.

Photos: ГО "Надазовські греки" / NGO 'North Azovian Greeks'

Adresse

Pariser Platz 4a
Berlin
10117

Öffnungszeiten

Dienstag 10:00 - 17:00
Mittwoch 10:00 - 18:00
Donnerstag 10:00 - 18:00
Freitag 10:00 - 18:00
Samstag 10:00 - 18:00
Sonntag 10:00 - 18:00

Telefon

+493027578955

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