06/03/2026
Heute vor genau einem Jahr eröffnete das Mitte Museum die Ausstellung "Duett der Moderne. Visionen für den Wiederaufbau in einer geteilten Stadt" – im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin (EMOP) Berlin und in Zusammenarbeit mit der Baukulturplattform . Im Zentrum stand der Dialog zwischen zwei Bildwelten: den Arbeiten von , die zwischen 2022 und 2024 Menschen in ihren Wohnungen im heutigen Hansaviertel und in der Karl-Marx-Allee fotografierte und historischen Fotografien beider Wohnquartiere aus der Sammlung des Mitte Museums und des – den sogenannten Abräumakten der 1950er Jahre. Vergangenheit und Gegenwart in Fotografien derselben Orte, einander gegenübergestellt.
Das Hansaviertel, wie es heute steht, ist ein Kind der Nachkriegszeit. Was vorher dort war – ein gründerzeitliches Wohnquartier mit eigenem Straßennetz und einer gewachsenen Nachbarschaft – wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Die Trümmer blieben zunächst liegen.
Ab 1947 begann das Bezirksamt Tiergarten, wie alle anderen Berliner Bezirke, mit einer ersten Beräumung der Ruinen. Mit der Arbeit entstand ein enormes bürokratisches Archiv: Lagepläne, Aufmaße, Wiegekarten, Stundenzettel – und knapp 9.000 Fotografien. Diese Unterlagen werden heute umgangssprachlich als Abräumakten bezeichnet. Als das Hochbauamt Tiergarten sich 1998 von ihnen trennte, füllten sie 80 Umzugskartons. Die Hälfte der Fotos ging ans Landesarchiv Berlin, die andere Hälfte befindet sich heute im Mitte Museum.
134 der Aufnahmen im Mitte Museum zeigen das Gebiet des heutigen Hansaviertels. Sie entstanden 1953 und 1954, aufgenommen von vier Fotografen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen: einem Moabiter Atelierfotografen, einem Ingenieur- und Architekturbüro, einem Fotojournalisten, der im Ostteil der Stadt als Pressefotograf gewesen war – und einem vierten, über den sich bislang nichts Näheres herausfinden ließ.
Was zeigen diese Bilder für euch – Verlust, Neubeginn, oder beides?