Collapse into Now: Mehr Gegenwart als im Moment war selten an der Potsdamer und drum herum - eröffnen doch inzwischen nahezu wöchentlich neue Räume für Kunst, die von abgerockten Off-Spaces über international vernetzte Galerien der A-Liga bis zu Projekten mit musealen Ambitionen reichen. Das allles natürlich immer hart an der Stadtkante lang, deren realistischer Kapitalismus sich am U-Bahnhof Kurf
ürstenstraße besonders schnittig zwischen Zusammenbruch und Aufbruch präsentiert: Dort, kurz bevor die großen Einrichtungshäuser das Straßenbild beherrschen, dominieren ein großes Erotikkaufhaus, der Drogenstrich sowie etliche Brachflächen den Blick und das soziale Geschehen. Das eine scheint das andere nicht im Geringsten zu bedingen und dennochoch verbindet sich ganz selbstverständlich die vorcodierte Einrichtungskultur durch die Schaufenster hindurch mit ihrer Kehrseite, der vegetativen Triebbefriedigung. Ausgerechnet hier, in Reichweite idealtypisch inszenierter Idyllen und einer nahezu klassischen Dystopie im Stil von "Taxi Driver", findet sich in einem Soututerrain ein neuer Ausstellungsraum. Sieben Stufen führen die Besucher hinunter auf eine Raumebene, die den Körper in ein Unterhalb und ein Oberhalb der Straße trennt. Diese Perspektive des Tiefparterres ermöglicht nicht den Feldherrenblick der Beletage, sondern fasst die Protagonisten der Straße als Individuen ins Auge - ihre Körper, ihre Kleidung, ihren Gang. Wie in einer Souffleurmuschel, scheint man mitten im Geschehen verortet und gleichzeitig dessen Beobachter zu sein. Die Fragen, die wir uns im Rahmen unserer Ausstellungen stellen wollen, entstehen zwangsläufig aus der besonderen sozialen Prägung des Außerhalb sowie aus der extremen physischen Nähe zum Geschehen: Was steht bei einer so direkten Konfrontation auf dem Spiel - muss sich die Kunst am ästhetischen Kalkül des Wohlbefindens - also dem Design - messen oder an der Straße, deren Einsatz der Körper, die Gesundheit, und somit das Leben ist? Wie kann es unter diesen Bedingungen der Kunst gelingen, den besonderen Status einer Zwischenexistenz zu behaupten? Und: Wie generiert sie ihre einzig mögliche Existenzform gerade dadurch, daß sie ihre konstitutiven Parameter, die Ästhetik und die Ethik, überschreitet? Antworten im U 37 - Raum für Kunst - ab jetzt.