14/10/2026
Michael Zeynsler lebte in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Als Bildschnitzer schuf er religiöse Kunst für Kirchen und Altäre – genau in jener Epoche, in der Reformation, Bauernkriege und Bildersturm die bisherige Glaubenswelt erschütterten.
In den 1520er Jahren verbreiteten sich die Ideen der Reformation auch in Biberach. Viele Menschen wandten sich von der alten Kirche ab, religiöse Bilder gerieten zunehmend in die Kritik. Gleichzeitig zeigten die Bauernkriege mit dem Baltringer Haufen, wie groß die gesellschaftlichen Spannungen geworden waren.
Für einen Künstler wie Zeynsler muss dies eine Zeit voller Unsicherheit gewesen sein. Jahrzehntelang galten Altäre und Heiligenfiguren als sichtbarer Ausdruck von Glauben und Hoffnung — plötzlich wurden genau diese Kunstwerke infrage gestellt oder sogar zerstört.
1531 erreichte der Bildersturm schließlich auch Biberach. In der Stadtpfarrkirche St. Martin verschwanden zahlreiche Altäre. Für einen Bildschnitzer bedeutete das nicht nur einen religiösen Wandel, sondern auch den Verlust seiner künstlerischen und wirtschaftlichen Grundlage.
Wie Zeynsler selbst zur Reformation stand, wissen wir heute nicht. Da er auf der Liste der Biberacher Altgläubigen von 1530 nicht aufgeführt wird, nehmen wir an, dass auch er – wie die meisten Biberacher Handwerker – evangelisch geworden ist. Ist er dadurch selbst bilderfeindlich geworden und hat sich von seiner Kunst abgewendet? Welchen Zwiespalt muss er gefühlt haben? Unter welchem existenziellem Druck muss er dadurch gestanden haben?
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