01/07/2026
Ein leeres Grab unter dem ältesten römischen Grabstein in Deutschland?!
Marcus Caelius war Centurio in der 18. Legion und nahm an einer der bekanntesten römischen Auseinandersetzungen teil: der Varusschlacht im Teutoburger Wald. Vermutlich fand diese Schlacht bei Kalkriese statt. Das germanische Heer unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius, auch Hermann genannt, vernichtete dabei beinahe die kompletten römischen Streitkräfte. Auch Caelius?
Der „Caeliusstein“ befand sich gar nicht in der Nähe des heute vermuteten Schlachtfelds. Er wurde 1620 am Fürstenberg zwischen Xanten und Birten wiederentdeckt, etwa 160 km vom Ort der Schlacht entfernt. Laut der Inschrift hat Caeliusʼ Bruder Publius ihn hier errichten lassen. Hat er seinen Bruder Marcus hier zur letzten Ruhe gebettet?
Die Inschrift verrät mehr: Zum einen steht Caeliusʼ Name unüblicherweise im Dativ als „M(arco) CAELIO”, quasi „Für Marcus Caelius“. Normalerweise wäre für Grabsteine eher der Nominativ im Sinne von „Hier liegt M. Caelius“ üblich. Zum anderen lässt sein Bruder Publius festhalten, dass „OSSA[--- I]NFERRE LICEBIT”, dass also Caeliusʼ Gebeine hier bestattet werden dürfen. Liegt er also gar nicht hier?
Publius ließ damit sehr wahrscheinlich ein leeres Ehrengrab, einen sogenannten Kenotaph (Scheingrab), für seinen Bruder Marcus errichten. Sollte jemand den Leichnam von Marcus Caelius vom Schlachtfeld bergen, könnte das Grab geöffnet und der Centurio auf der römischen Seite der Rheingrenze bestattet werden.
Die richtige Bestattung der Gefallenen der Varusschlacht war den Römern so wichtig, dass der römische General Germanicus im Jahr 15 n. Chr. während seiner Feldzüge das Schlachtfeld besuchte, um die noch auffindbaren Gebeine durch seine Soldaten bestatten zu lassen, wie Tacitus in den „Annales” festhielt.
📸: Caeliusstein, LVR-Landesmuseum Bonn, Jürgen Vogel / Grafik: Y. Schwarze
✒️: R. Haenßgen / Y. Schwarze