Gedenkstätte Bonn

Gedenkstätte Bonn Dokumentieren, Erinnern, Lernen - über Verfolgung, Ermordung und Widerstand in Bonn in der NS-Zeit

Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn zeigen seit 1996 eine Dauerausstellung zum Thema Verfolgung und Widerstand.
2005 ist die Ausstellung grundlegend überarbeitet und 2012 aktualisiert und ergänzt worden. Darüber hinaus erforscht, recherchiert und dokumentiert die Gedenkstätte die Zeit des Nationalsozialismus in Bonn. Ein Themenschwerpunkt in zahlreichen Veranstaltungen ist die Auseinand

ersetzung mit den Menschen, die verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden oder die durch die NS-Politik gezwungen waren, Deutschland zu verlassen. In der Geschäftsstelle im Erdgeschoss gibt es eine Präsenzbibliothek, eine Videothek und einen Seminarraum für Veranstaltungen.

[English version below]Gleich 70 neue Stolpersteine wurden in der vergangenen Woche im gesamten Bonner Stadtgebiet verle...
19/06/2026

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Gleich 70 neue Stolpersteine wurden in der vergangenen Woche im gesamten Bonner Stadtgebiet verlegt. Sie sind das Ergebnis von zwei Jahren intensiver Recherchen zu den Biografien von Verfolgten aus Bonn und zeigen in der Regel den letzten frei gewählten Wohnort der Personen an.

In diesem Jahr wurden Stolpersteine für Menschen aus verschiedensten Verfolgungskontexten verlegt. Neben Stolpersteinen für ermordete Bonner Jüdinnen und Juden wie Familie van Gelder (Adenauerallee 72-74), gehören dazu auch solche für Menschen mit Krankheiten und Behinderungen wie Ella Dietl (Magdalenenstraße 6), Sinti und Roma wie Familie Reinhardt (Am Boeselagerhof 7), politische Gegner wie Enoch Beck (Langwartweg 66-72) oder Nachverlegungen von überlebenden Familienmitgliedern wie Sally Bär (Bonner Straße 10).

Besonders bewegt hat uns die Anwesenheit von zahlreichen Nachkommen, die teils lange Reisen aus Australien, Kanada, den USA oder Israel auf sich nahmen, um den Verlegungen beiwohnen zu können. Die Stadt würdigte ihre Anwesenheit mit einem Empfang im Alten Rathaus, den viele Angehörige zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch der Geschichte ihrer Familien nutzten. Auch die hohe Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung zeigt, dass das Projekt und das Gedenken an die Verfolgten vielen in der Stadt am Herzen liegen. Rund 500 Stolpersteine wurden mittlerweile im Bonner Stadtgebiet verlegt. Auch für die kommenden Jahre sind bereits Recherchen und Vorbereitungen angelaufen, um Leerstellen zu schließen und die Dimension des NS-Unrechts auch vor Ort sichtbar zu machen.

Foto: Josef Börding



A total of 70 new Stolpersteine were laid throughout Bonn last week. They are the result of two years of intensive research into the biographies of persecuted individuals from Bonn and generally mark the last place where these individuals chose to live as free citizens.

This year, Stolpersteine were laid for people from a wide variety of contexts of persecution. In addition to Stolpersteine for murdered Jews from Bonn, such as the van Gelder family (Adenauerallee 72–74), they also include those for people with illnesses and disabilities, such as Ella Dietl (Magdalenenstraße 6), Sinti and Roma such as the Reinhardt family (Am Boeselagerhof 7), political opponents such as Enoch Beck (Langwartweg 66-72), and additional Stolpersteine for surviving family members such as Sally Bär (Bonner Straße 10).

We were particularly moved by the presence of numerous descendants, some of whom undertook long journeys from Australia, Canada, the U.S., or Israel to attend. The city honored their presence with a reception at the Old City Hall, which many family members used as an opportunity to get to know one another and share their family histories. The public’s generous donations also demonstrate that the project and the commemoration of those who were persecuted are close to the hearts of many in the city. Around 500 Stolpersteine have now been laid throughout Bonn. Research and preparations are already underway for the coming years to fill in gaps and make the scale of N**i injustice visible on the ground.

[English version below]Die Rettung schien so nah für Manfred Hirschfeld – und ließ sich doch nicht mehr umsetzen. Gebore...
19/06/2026

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Die Rettung schien so nah für Manfred Hirschfeld – und ließ sich doch nicht mehr umsetzen. Geboren wurde er am 18.06.1917 in Bonn als Sohn des jüdischen Ehepaares Arthur und Regina Hirschfeld, einer geborenen Moses. Beide Elternteile stammten ursprünglich aus dem heutigen Polen, führten jedoch in der Bonner Innenstadt das Modehaus „Kronprinz“. Gemeinsam mit seiner älteren Schwester Betty und den jüngeren Zwillingen Thea und Willi wuchs Manfred Hirschfeld unter anderem in der Lennéstraße 14 auf. Die Familie war nicht sehr religiös und beschäftigte Haus- und Kindermädchen. Von Geschäftsreisen nach Köln brachte der Vater Manfred und seinen Geschwistern häufig Schokolade mit nach Bonn.

Als Erwachsener arbeitete der junge Mann in der Holzhandlung Schatz & Meyer, verlor den Job allerdings in der NS-Zeit. In der Folge musste er Zwangsarbeit leisten. 1938 starb seine ältere Schwester unerwartet im Alter von nur 27 Jahren an einer Krankheit. Sein Bruder Willi wurde im November 1938 festgenommen und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Manfreds Schwester Thea und sein Bruder flohen nach seiner Entlassung aus der Haft nach Großbritannien, wo Willi Hirschfeld auf einem Bauernhof arbeitete. Der Landwirt wollte auch Manfred zu sich holen, doch dies war im Krieg bereits nicht mehr möglich.

Zuletzt verarmte die Familie immer stärker. Im Juli 1942 wurde Manfred Hirschfeld nach Minsk deportiert. Am 24.07.1942 wurde er im nahe Minsk gelegenen Lager Malyj Trostenez gemeinsam mit zahlreichen anderen Bonner Jüdinnen und Juden ermordet. Auch seine Eltern überlebten die NS-Zeit nicht.

Foto: Archiv Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn



Rescue seemed so close for Manfred Hirschfeld—and yet it was impossible to reach. He was born on June 18, 1917, in Bonn, the son of Arthur and Regina Hirschfeld (née Moses), a Jewish couple. Both parents were originally from what is now Poland, but they ran the “Kronprinz” fashion store in downtown Bonn. Together with his older sister Betty and his younger twin-siblings, Thea and Willi, Manfred Hirschfeld grew up, among other places, at 14 Lennéstraße. The family was not very religious and employed a housekeeper and a nanny. On business trips to Cologne, his father often brought chocolate back to Bonn for Manfred and his siblings.

As an adult, the young man worked at the Schatz & Meyer lumberyard, but lost his job during the N**i era. As a result, he was forced to perform hard labor. In 1938, his older sister died unexpectedly of an illness at the age of only 27. His brother Willi was arrested in November 1938 and sent to the Dachau concentration camp. After his release from prison, Manfred’s sister Thea and his brother fled to Great Britain, where Willi Hirschfeld worked on a farm. The farmer wanted to bring Manfred to live with him as well, but this was no longer possible once the war had begun.

Eventually, the family fell into increasing poverty. In July 1942, Manfred Hirschfeld was deported to Minsk. On July 24, 1942, he was murdered at the Malyj Trostenez camp near Minsk, along with numerous other Jews from Bonn. His parents also did not survive the N**i era.

[English version below]Einen durchaus ungewöhnlichen Abschluss der Spielzeit erlebte das Bonner Stadttheater im Jahr 194...
16/06/2026

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Einen durchaus ungewöhnlichen Abschluss der Spielzeit erlebte das Bonner Stadttheater im Jahr 1940. Schon seit Kriegsbeginn hatten sowohl das Theater als auch die Stadt Bonn als Trägerin das Problem, dass das Ensemble immer wieder zur Unterhaltung der Armee auswärts auftreten sollte, während in Bonn vergünstigte Tickets für Soldaten und Angehörige von NS-Organisationen eingefordert wurden. Wichtige Einnahmen fielen dadurch weg. Zugleich musste man immer mit Einberufungen männlicher Ensemble-Mitglieder rechnen und kriegsbedingt mit den Ressourcen (wie etwa den Kostümen) stark haushalten.

Am 16.06.1940 stand am Ende einer turbulenten Saison noch einmal eine unbezahlte Reise an. Koffer und Körbe voller Requisiten hatte man mit einigen Schauspielerinnen und Schauspielern in einen Autobus gepackt, um sie Richtung Westen in die Eifel zu fahren. In einem gut getarnten Fliegerhorst an der belgischen Grenze führte man das Tropenstück „Dschungel“ auf, vermutlich ein Schauspiel basierend auf der Erzählung „Footprints in the Jungle“ von William Somerset Maugham und der Theaterfassung des ungarisch-jüdischen Drehbuchautors Ladislas Fodor. Arrangiert hatte das Gastspiel der Beueler Oberleutnant Andernach, der auch die Kulisse für das Stück selbst beisteuerte.

Die Nationalsozialisten erhofften sich durch die Vereinnahmung des Theaters Zerstreuung für die Soldaten und eine Etablierung vermeintlich „deutscher“ Stücke, die jedoch nur sehr fragmentarisch gelang. Für die Theater andererseits war das verstärkte Engagement für die Wehrmacht die Grundlage dafür, überhaupt weiterhin geöffnet zu bleiben und Haushaltsmittel zu erhalten.



The Bonn City Theater experienced a rather unusual end to its season in 1940. Ever since the war began, both the theater and the city of Bonn, as its sponsor, had faced the problem that the troupe was repeatedly called upon to perform away from home to entertain the army, while in Bonn there were demands for discounted tickets for soldiers and members of N**i organizations. This resulted in a significant loss of revenue. At the same time, the theater had to constantly anticipate the conscription of male ensemble members and, due to the war, had to manage resources—such as costumes—very carefully.

On June 16, 1940, at the end of a turbulent season, another unpaid trip was on the agenda. Suitcases and baskets full of props had been packed into a bus along with some of the actors and actresses to take them westward to the Eifel region. At a well-camouflaged air base on the Belgian border, the tropical play “Jungle” was staged—presumably a drama based on the short story “Footprints in the Jungle” by William Somerset Maugham and the stage adaptation by the Hungarian-Jewish screenwriter Ladislas Fodor. The guest performance was organized by First Lieutenant Andernach of Beuel, who also provided the set for the play himself.

By taking over the theater, the N**is hoped to provide entertainment for the soldiers and to establish supposedly “German” plays, though this effort succeeded only very partially. For the theaters, on the other hand, this increased commitment to the Wehrmacht was the basis for remaining open at all and for receiving budgetary funds.

[English version below]Wie viele Täter versuchte Herbert Engelshoven sich 1945 seiner Strafe zu entziehen. Der gebürtige...
11/06/2026

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Wie viele Täter versuchte Herbert Engelshoven sich 1945 seiner Strafe zu entziehen. Der gebürtige Bonner war zunächst niederländischer Staatsbürger und 25 Jahre alt. Er hatte sich als Deutscher einbürgern lassen und im Krieg als SS-Mann an der Front gekämpft. Ab Sommer 1944 war er Teil des „Sicherheitsdienst“ in Rotterdam.

Am 10. und 11. November 1944 kam es in Schiedam und im benachbarten Rotterdam zu einer großen Razzia. Über 50.000 Männer wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland und in den Osten-des Landes verschleppt. Die Brüder Johannes und Lambertus Eijkenbroek versteckten sich am 10. November bei Nachbarn. Am Folgetag wurden sie denunziert und festgenommen. Auf dem Weg zur SD-Zentrale in Rotterdam baten sie, von zuhause noch einige Dinge zu holen, was gestattet wurde. Sie gingen in die Wohnung, doch bei der Rückkehr eröffnete ein SD-Mann das Feuer auf Lambertus Eijkenbroek. Sein Bruder konnte noch die Tür schließen, wurde dann aber vom hinter ihm stehenden Engelshoven erschossen, der nach Schilderungen sein ganzes Magazin entleerte. Die Morde blieben Stadtgespräch und nicht die einzigen, an denen Engelshoven direkt beteiligt war.

1945 begann die Fahndung nach den Beschuldigten. Nach gründlichen Ermittlungen konnten Engelshoven und der mitangeklagte Dortmunder Bernhard Siebers in Deutschland aufgespürt und mithilfe der Alliierten ausgeliefert werden. Erst bestritten sie die Tat, legten aber ein Geständnis ab, als man sie auf dem Friedhof mit den Leichen der Brüder konfrontierte. Das Strafmaß für Engelshoven ist unbekannt, Siebers wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt und im April 1956 nach Deutschland entlassen.

Foto: Gefangene werden während der Razzia im November 1944 abgeführt (Nationaal Archief, Den Haag)



Like many perpetrators, Herbert Engelshoven attempted to evade punishment in 1945. Born in Bonn, he was initially a Dutch citizen and 25 years old. He became a naturalized German citizen and fought on the front lines as an SS officer during the war. Starting in the summer of 1944, he was part of the “Security Service” in Rotterdam.

On November 10 and 11, 1944, a large-scale roundup took place in Schiedam and neighboring Rotterdam. Over 50,000 men were deported to Germany and the eastern part of the country for forced labor. The brothers Johannes and Lambertus Eijkenbroek hid at a neighbor’s house on November 10. The following day, they were denounced and arrested. On the way to the SD headquarters in Rotterdam, they asked to retrieve a few items from their home, which was permitted. They went into the apartment, but upon their return, an SD officer opened fire on Lambertus Eijkenbroek. His brother managed to close the door, but was then shot by Engelshoven, who was standing behind him and, according to accounts, emptied his entire magazine. The murders became the talk of the town and were not the only ones in which Engelshoven was directly involved.

1945, the search for the accused began. Following a thorough investigation, Engelshoven and his co-defendant, Bernhard Siebers of Dortmund, were tracked down in Germany and extradited with the help of the Allies. At first they denied the crime, but confessed when confronted with the brothers’ bodies at the cemetery. The sentence for Engelshoven is unknown; Siebers was sentenced to 18 years in prison and released to Germany in April 1956.

[English version below]19 Jahre alt war Lilly Schmitz, als sie fernab ihrer Heimat ermordet wurde. Geboren war sie am 09...
09/06/2026

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19 Jahre alt war Lilly Schmitz, als sie fernab ihrer Heimat ermordet wurde. Geboren war sie am 09.06.1923 in der Universitäts-Frauenklinik in Bonn in der Theaterstraße. Ihre Eltern waren das jüdische Ehepaar Leopold und Friederike Schmitz, eine geborene Simon. Lilly hatte zwei Geschwister, die zwei Jahre ältere Schwester Margot und den zwei Jahre jüngeren Bruder Emil. Die Familie lebte in der Büttgasse 14 im Bornheimer Stadtteil Waldorf nahe des Dorfplatzes, der Vater betrieb im Ort eine Metzgerei. Die jüdische Gemeinde in Bornheim bestand zu dieser Zeit aus etwa 100 Personen, größere Konflikte mit der übrigen Bevölkerung gab es nicht.

In der NS-Zeit wurde Lilly Schmitz, die zeitweise auch in Euskirchen gelebt hatte, von den Nationalsozialisten im Zwangsarbeitslager Bardenberg nahe Aachen interniert. Zahlreiche Jüdinnen und Juden aus dem Raum Köln wurden dort nach Bombenangriffen auf die Stadt gesammelt, um sie hier für die anstehenden Deportationen zu sammeln. Am 20.07.1942 wurde sie von Köln-Deutz aus mit dem „Transportzug Da 219“ nach Minsk deportiert.

Mehr als 1.100 jüdische Menschen aus dem Rheinland waren Teil dieses Transports. In Berlin gelang es einigen von ihnen noch Postkarten und Briefe an die Liebsten aus dem Zug zu reichen. Nach dem Umstieg von einem Personen- in einen Güterzug an der sowjetischen Grenze stand der Zug kurz vor Minsk beinahe 20 Stunden lang in der Sommerhitze, ehe er schließlich den dortigen Güterbahnhof erreichte. Mit LKW wurden Lilly Schmitz und andere dann in das Waldstück „Blagowschtschina“ nahe des Lagers Malyj Trostenez gebracht und ermordet.

Foto: Stolperstein für Lilli (Lilly) Schmitz in Bornheim-Waldorf (GeorgDerReisende – CC BY-SA 4.0)



Lilly Schmitz was 19 years old when she was murdered far from her home. She was born on June 9, 1923, at the University Women’s Hospital in Bonn on Theaterstraße. Her parents were Leopold and Friederike Schmitz, née Simon, a Jewish couple. Lilly had two siblings: her sister Margot, who was two years older, and her brother Emil, who was two years younger. The family lived at Büttgasse 14 in the Waldorf district of Bornheim, near the village square; her father ran a butcher shop in the town. The Jewish community in Bornheim at that time consisted of about 100 people, and there were no major conflicts with the rest of the population.

During the N**i era, Lilly Schmitz, who had also lived in Euskirchen for a time, was interned by the N**is in the Bardenberg forced-labor camp near Aachen. Numerous Jews from the Cologne area were gathered there following air raids on the city to be held in preparation for their impending deportations. On July 20, 1942, she was deported from Cologne-Deutz to Minsk on “Transport Train Da 219.”

More than 1,100 Jewish people from the Rhineland were part of this transport. In Berlin, some of them managed to pass postcards and letters to their loved ones from the train. After switching from a passenger train to a freight train at the Soviet border, the train stood for nearly 20 hours in the summer heat just outside Minsk before finally reaching the freight yard there. Lilly Schmitz and others were then taken by truck to the “Blagovschina” forest near the Malyj Trostenez camp and murdered.

[English version below]Seine Tochter konnte Arthur Karpel retten. Geboren wurde er am 05.06.1887 in Snjatyn (heutige Ukr...
05/06/2026

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Seine Tochter konnte Arthur Karpel retten. Geboren wurde er am 05.06.1887 in Snjatyn (heutige Ukraine). Der Ort in Österreich-Ungarn gehörte ab 1918 zu Polen. 1913 zog er mit seiner Frau Regina nach Bonn. Mit ihr betrieb der Raucher zwei Läden für Schmuck, Leder und Dekor. 1919 wurde Tochter Gisela geboren, 1922 Sohn Heinz. Die Familie lebte in der Hundsgasse 22 nahe der heutigen Oper. 1922 wurde die Einbürgerung abgelehnt. Arthur Karpel war religiöser als seine Frau und betete im orthodoxen Betraum polnischstämmiger Juden in der (Grau)Rheindorfer Straße.

In der NS-Zeit musste die Familie die Läden aufgeben. Karpel bot Krawatten von Tür zu Tür und auf Straßenfesten an. Als Straßenkehrer musste er Zwangsarbeit im Raum Hofgarten/Poppelsdorfer Allee leisten. Karpel sah das als Demütigung und blieb trotz Ärger öfter zu Hause. Am 28.10.1938 wurde er mit anderen jüdischen polnischen Staatsbürgern nachts nach Polen abgeschoben. Seine Familie schickte ihm Hilfspakete. 1939 durfte er kurz zurück, um seinen Besitz zu verkaufen. Der Erlös ging auf ein Sperrkonto. Dann musste die Familie das Land verlassen.

Weil Arthur Karpel aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg jüdische britische Soldaten kannte, gelang Giselas Flucht nach Großbritannien. Nach ihrer Ausreise erfuhren sie zu spät, dass auch Heinz die Emigration genehmigt wurde. Die Familie lebte bei Karpels Schwester in Snjatyn. Dort ließ er sich einen Vollbart wachsen und hielt eine Katze. 1940 erhielt Gisela Karpel eine letzte Nachricht. 1941 wurde in Snjatyn ein Ghetto eingerichtet und im Folgejahr niedergebrannt. Arthur Karpel und seine Familie wurden in das Vernichtungslager Belzec deportiert und ermordet.

Foto: Arthur Karpel (rechts) mit seiner Frau und den Kindern (Archiv Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn)



Arthur Karpel was able to save his daughter. He was born on June 5, 1887, in Snjatyn (now part of Ukraine). The town, located in Austria-Hungary, became part of Poland in 1918. In 1913, he moved to Bonn with his wife Regina. Together with her, the smoker ran two shops selling jewelry, leather goods, and home decor. Their daughter Gisela was born in 1919, and their son Heinz in 1922. The family lived at Hundsgasse 22, near today’s opera house. In 1922, his application for naturalization was denied. Arthur Karpel was more religious than his wife and prayed at the Orthodox prayer room for Jews of Polish descent on (Grau)Rheindorfer Straße.

During the N**i era, the family had to give up their shops. Karpel sold ties door-to-door and at street festivals. As a street sweeper, he was forced to perform hard labor in the Hofgarten/Poppelsdorfer Allee area. Karpel saw this as humiliating and, despite the consequences, often stayed home. On October 28, 1938, he was deported to Poland at night along with other Jewish Polish citizens. His family sent him care packages. In 1939, he was allowed to return briefly to sell his property. The proceeds were deposited into a blocked account. Then the family had to leave the country.

Because Arthur Karpel had known Jewish British soldiers from the period after World War I, Gisela was able to flee to Great Britain. After they left, they learned too late that Heinz had also been granted permission to emigrate. The family lived with Karpel’s sister in Snjatyn. There, he grew a full beard and kept a cat. In 1940, Gisela Karpel received one last message. In 1941, a ghetto was established in Snjatyn and burned down the following year. Arthur Karpel and his family were deported to the Belzec extermination camp and murdered.

[English version below]Die Aufgaben in der Stadtverwaltung sind vielfältig, doch die Betreuung von 40 Löwen, vier Elefan...
02/06/2026

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Die Aufgaben in der Stadtverwaltung sind vielfältig, doch die Betreuung von 40 Löwen, vier Elefanten, acht Bären und diversen anderen Tieren dürfte im Frühsommer 1937 für die Stadt Bonn doch überraschend gekommen sein. Der Grund: Die Pleite des Zirkus von Alfred Schneider, der mit dem Ensemble wegen fehlenden Publikums auf dem Frankenplatz gestrandet war.

Schneider hatte sich in der Zirkuswelt als Extremsportler auf dem Rad einen Namen gemacht. Später legte er sich ein Rudel Löwen zu und baute einen eigenen Zirkus auf. Als „Herr der 100 Löwen“ war er über Deutschland hinaus bekannt und behauptete, vom belgischen König in den Rang eines „Kapitäns“ erhoben zu sein. Mit seinen Löwen sprach der gebürtige Leipziger sächselnd. Die Tiere waren auch in Filmen zu sehen, wobei es bei den Arbeiten zu „Quo Vadis“ zu einem tödlichen Unfall kam. In der NS-Zeit sagte die Presse Schneider enge Kontakte zu Hermann Göring nach. Er ergänzte sein Programm um eine rassistische „Afrika-Schau“, für die schwarze Deutsche vorgeben mussten, Stammesbewohner und unzivilisiert zu sein. In Briefen an Behörden bediente Schneider rassistische Klischees und sexualisierte die Betroffenen mit Hinweis auf die „Rassegesetze“.

Während weite Teile des Zirkus nach der Pleite in Bonn andere Engagements fanden, waren besonders die Artistinnen und Artisten mitten in der Saison verzweifelt und hielten sich mit spontanen Aufführungen über Wasser. Schneider, wegen Fluchtgefahr verhaftet, kam bald wieder frei und führte später sein Geschäft fort, denn schon 1938 war er wieder bei Pützchens Markt aktiv. 1941 wurde er von seinen Tieren angegriffen und erlag kurz darauf in Berlin den Verletzungen.

Foto: Alfred Schneider inmitten seiner Löwen (Bundesarchiv CC BY-SA 3.0 de)



The tasks of city administration are varied, but caring for 40 lions, four elephants, eight bears, and various other animals must have come as a surprise to the city of Bonn in early summer 1937. The reason: the bankruptcy of Alfred Schneider’s circus, which had been stranded with its troupe on Frankenplatz due to a lack of audience.

Schneider had made a name for himself in the circus world as an extreme cyclist. Later, he acquired a pride of lions and built his own circus. Known as the “Lord of the 100 Lions,” he was famous beyond Germany’s borders and claimed to have been elevated to the rank of “Captain” by the King of Belgium. The native of Leipzig spoke to his lions with a Saxon accent. The animals also appeared in films, though a fatal accident occurred during the production of “Quo Vadis.” During the N**i era, the press alleged that Schneider had close ties to Hermann Göring. He expanded his program to include a racist “African show,” in which Black Germans were forced to pretend to be tribal people and uncivilized. In letters to public authorities, Schneider employed racist stereotypes and sexualized those affected by invoking the “Racial Laws.”

While large parts of the circus found other engagements after the bankruptcy in Bonn, the performers in particular were desperate in the middle of the season and tried to keep their heads above water with impromptu performances. Schneider, arrested on suspicion of attempting to flee the country, was soon released and later resumed his business, as he was active again at Pützchen’s Market as early as 1938. In 1941, he was attacked by his animals and succumbed to his injuries shortly thereafter in Berlin.

Die Erinnerung an den Holocaust steht vor großen Herausforderungen: Zeitzeug*innen sterben, die historische Distanz wäch...
29/05/2026

Die Erinnerung an den Holocaust steht vor großen Herausforderungen: Zeitzeug*innen sterben, die historische Distanz wächst und zugleich nehmen Antisemitismus und Geschichtsverfälschung zu. Wie kann ein lebendiges, verantwortungsvolles Gedenken unter diesen Bedingungen gelingen?

Die Lesung „Gedenken neu denken“ der Autorin Susanne Siegert lädt dazu ein, über Formen, Sprache und Verantwortung des Erinnerns nachzudenken.

Susanne Siegert, Jahrgang 1992, ist Journalistin und Influencerin zum Thema Gedenken an den Nationalsozialismus in Deutschland. Unter .erinnerungskultur klärt sie auf Instagram und TikTok über den Holocaust und NS-Verbrechen auf und wurde für Ihr innovatives Engagement mehrfach ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt der Lesung steht die Frage, wie das Gedenken an den Holocaust heute und in Zukunft gestaltet werden muss, um seiner historischen Bedeutung gerecht zu werden und zugleich kommende Generationen zu erreichen. Siegerts Präsentationsansatz verbindet dabei historische Reflexion mit modernen Kommunikationsformen.

Ort: Robert-Wetzlar-Berufskolleg, Kölnstraße 229, 53117 Bonn
Beginn: 17 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Veranstalter: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn & Robert-Wetzlar-Berufskolleg

Fotos: Ina Lebedjew, Buchcover | Piper Verlag GmbH

[English version below]Für Paula Guth war Bonn nur eine Station auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Geboren wurd...
27/05/2026

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Für Paula Guth war Bonn nur eine Station auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Geboren wurde sie am 27.05.1875 in Soest als Paula Dickhoff. Ihre Eltern waren der jüdische Viehhändler Bernhard Dickhoff und seine Ehefrau Rosalie Sommer. Als sie zwei Jahre alt war, verstarb ihr Vater. Paula lebte mit ihrer Mutter zusammen in Münster, ging als junge Frau jedoch nach Dortmund, wo sie in der Düsseldorfer Straße 8 eine Unterkunft fand und als Verkäuferin arbeitete.

Am 18. August 1898 heiratete sie in Dortmund den Instrumentenbauer Albert Guth. Dieser stammte ursprünglich aus Breslau, war vier Jahre älter als seine Braut und evangelischer Konfession. Im Mai 1899 wurde dem Paar Sohn Paul geboren. Gemeinsam lebte die Familie unter verschiedenen Adressen in Dortmund, ehe sie sich spätestens in den 1920ern zwischenzeitlich im thüringischen Rudolstadt niederließ. Mit Beginn der NS-Zeit gerieten vor allem Paula Guth und ihr Sohn zunehmend in den Fokus nationalsozialistischer Verfolgung. Paul gelang rechtzeitig die Emigration nach Brasilien, wo er die NS-Zeit überlebte. Paula Guth war durch ihre Ehe zunächst noch geschützt, zog mit ihrem Mann jedoch in diesen Jahren mehrfach um.

Zunächst ging es für eine Weile nach Bonn. Anschließend ließ das Paar sich im heutigen Niedersachsen in Bad Pyrmont in der Mühlenstraße 13, wenige Gehminuten vom Schloss entfernt, nieder. Von dort wurde Paula Guth im Februar 1945 über Hannover in das KZ Theresienstadt im heutigen Tschechien deportiert. Sie überlebte das Lager und kehrte nach Bad Pyrmont zurück, wo im Jahr 1965 ihr Mann verstarb. Über Paula Guths weiteren Lebensweg ist bislang nichts bekannt.

Bild: Brunnenplatz in Bad Pyrmont 1914



For Paula Guth, Bonn was just one stop on her flight from the N**is. She was born on May 27, 1875, in Soest as Paula Dickhoff. Her parents were the Jewish cattle dealer Bernhard Dickhoff and his wife Rosalie Sommer. Her father died when she was two years old. Paula lived with her mother in Münster, but as a young woman she moved to Dortmund, where she found lodging at Düsseldorfer Straße 8 and worked as a saleswoman.

On August 18, 1898, she married the instrument maker Albert Guth in Dortmund. He was originally from Breslau, was four years older than his bride, and was of the Protestant faith. In May 1899, the couple’s son Paul was born. The family lived together at various addresses in Dortmund before settling, at the latest in the 1920s, in Rudolstadt, Thuringia. With the onset of the N**i era, Paula Guth and her son in particular increasingly came under the scrutiny of N**i persecution. Paul managed to emigrate to Brazil in time, where he survived the N**i era. Paula Guth was initially protected by her marriage, but she and her husband moved several times during those years.

First, they went to Bonn for a while. The couple then settled in Bad Pyrmont, in what is now Lower Saxony, at Mühlenstraße 13, just a few minutes’ walk from the castle. From there, Paula Guth was deported in February 1945 via Hanover to the Theresienstadt concentration camp in what is now the Czech Republic. She survived the camp and returned to Bad Pyrmont, where her husband died in 1965. Nothing is known so far about Paula Guth’s subsequent life.

[English version below]Was ist den eigenen Freundinnen, Freunden und Angehörigen widerfahren? Hat jemand aus der Familie...
26/05/2026

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Was ist den eigenen Freundinnen, Freunden und Angehörigen widerfahren? Hat jemand aus der Familie überlebt und wenn ja, wo? Fragen wie diese stellten sich für alle europäischen Jüdinnen und Juden, die dem Zugriff der Nationalsozialisten entkommen konnten. Auch Jahre und zum Teil Jahrzehnte später kannten sie häufig nur mehr oder weniger zutreffende Bruchstücke der Verfolgungsgeschichte ihrer Liebsten. Gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit erschien die Suche nach einzelnen Verfolgten oft aussichtslos.

Doch es gab durchaus Versuche, Abhilfe zu schaffen. So fertigten Hilfsorganisationen Listen mit den Namen der Jüdinnen und Juden an, die das NS-Regime in Deutschland und den besetzten Staaten überlebt hatten. Eine davon war die Jewish Agency for Israel, ein zionistisches Hilfswerk für die Vernetzung von Jüdinnen und Juden und deren Einwanderung ins britische Mandatsgebiet. Am 25.05.1945 wurde berichtet, dass diese u.a. Namen von Überlebenden aus Bonn, Frankfurt, Mönchengladbach und Piotrków zusammengestellt hatte. Die Listen wurden für jedermann einsehbar in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem in den Büros des „Irgun Olej Merkas Europa“ ausgelegt. Dieser vertrat vor allem die Interessen deutschsprachiger Einwanderer und organisierte für sie Hilfen und ein Kulturprogramm.

So kurz nach dem Kriegsende konnten die Listen nicht vollständig sein und ohnehin gingen nur die wenigsten Hoffnungen auf überlebende Liebste in Erfüllung. Doch in Zeiten absoluter Unsicherheit boten sie ein wichtiges Stück Information und halfen für die Überlebenden Unterstützung durch Freundinnen, Freunde und Verwandte zu organisieren.



What had happened to their friends and relatives? Had anyone in the family survived, and if so, where? Questions like these were on the minds of all European Jews who had managed to escape the N**is. Even years, and in some cases decades, later, they often knew only more or less accurate fragments of the story of their loved ones’ persecution. Especially in the immediate postwar period, the search for individual victims of persecution often seemed hopeless.

Yet there were certainly attempts to remedy the situation. Aid organizations compiled lists of the names of Jews who had survived the N**i regime in Germany and the occupied territories. One of these was the Jewish Agency for Israel, a Zionist relief organization dedicated to connecting Jews and facilitating their immigration to the British Mandate territory. On May 25, 1945, it was reported that the organization had compiled lists that included the names of survivors from Bonn, Frankfurt, Mönchengladbach, and Piotrków, among other places. The lists were made available for public viewing in Tel Aviv, Haifa, and Jerusalem at the offices of “Irgun Olej Merkas Europa.” This organization primarily represented the interests of German-speaking immigrants and organized assistance and a cultural program for them.

So soon after the end of the war, the lists could not be complete, and in any case, only very few hopes of finding surviving loved ones were fulfilled. Yet in times of absolute uncertainty, they provided a vital piece of information and helped survivors organize support from friends and relatives.

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