Gedenkstätte Bonn

Gedenkstätte Bonn Dokumentieren, Erinnern, Lernen - über Verfolgung, Ermordung und Widerstand in Bonn in der NS-Zeit

Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn zeigen seit 1996 eine Dauerausstellung zum Thema Verfolgung und Widerstand.
2005 ist die Ausstellung grundlegend überarbeitet und 2012 aktualisiert und ergänzt worden. Darüber hinaus erforscht, recherchiert und dokumentiert die Gedenkstätte die Zeit des Nationalsozialismus in Bonn. Ein Themenschwerpunkt in zahlreichen Veranstaltungen ist die Auseinand

ersetzung mit den Menschen, die verfolgt, inhaftiert und ermordet wurden oder die durch die NS-Politik gezwungen waren, Deutschland zu verlassen. In der Geschäftsstelle im Erdgeschoss gibt es eine Präsenzbibliothek, eine Videothek und einen Seminarraum für Veranstaltungen.

Die Erinnerung an den Holocaust steht vor großen Herausforderungen: Zeitzeug*innen sterben, die historische Distanz wäch...
29/05/2026

Die Erinnerung an den Holocaust steht vor großen Herausforderungen: Zeitzeug*innen sterben, die historische Distanz wächst und zugleich nehmen Antisemitismus und Geschichtsverfälschung zu. Wie kann ein lebendiges, verantwortungsvolles Gedenken unter diesen Bedingungen gelingen?

Die Lesung „Gedenken neu denken“ der Autorin Susanne Siegert lädt dazu ein, über Formen, Sprache und Verantwortung des Erinnerns nachzudenken.

Susanne Siegert, Jahrgang 1992, ist Journalistin und Influencerin zum Thema Gedenken an den Nationalsozialismus in Deutschland. Unter .erinnerungskultur klärt sie auf Instagram und TikTok über den Holocaust und NS-Verbrechen auf und wurde für Ihr innovatives Engagement mehrfach ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt der Lesung steht die Frage, wie das Gedenken an den Holocaust heute und in Zukunft gestaltet werden muss, um seiner historischen Bedeutung gerecht zu werden und zugleich kommende Generationen zu erreichen. Siegerts Präsentationsansatz verbindet dabei historische Reflexion mit modernen Kommunikationsformen.

Ort: Robert-Wetzlar-Berufskolleg, Kölnstraße 229, 53117 Bonn
Beginn: 17 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Veranstalter: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn & Robert-Wetzlar-Berufskolleg

Fotos: Ina Lebedjew, Buchcover | Piper Verlag GmbH

[English version below]Für Paula Guth war Bonn nur eine Station auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Geboren wurd...
27/05/2026

[English version below]

Für Paula Guth war Bonn nur eine Station auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Geboren wurde sie am 27.05.1875 in Soest als Paula Dickhoff. Ihre Eltern waren der jüdische Viehhändler Bernhard Dickhoff und seine Ehefrau Rosalie Sommer. Als sie zwei Jahre alt war, verstarb ihr Vater. Paula lebte mit ihrer Mutter zusammen in Münster, ging als junge Frau jedoch nach Dortmund, wo sie in der Düsseldorfer Straße 8 eine Unterkunft fand und als Verkäuferin arbeitete.

Am 18. August 1898 heiratete sie in Dortmund den Instrumentenbauer Albert Guth. Dieser stammte ursprünglich aus Breslau, war vier Jahre älter als seine Braut und evangelischer Konfession. Im Mai 1899 wurde dem Paar Sohn Paul geboren. Gemeinsam lebte die Familie unter verschiedenen Adressen in Dortmund, ehe sie sich spätestens in den 1920ern zwischenzeitlich im thüringischen Rudolstadt niederließ. Mit Beginn der NS-Zeit gerieten vor allem Paula Guth und ihr Sohn zunehmend in den Fokus nationalsozialistischer Verfolgung. Paul gelang rechtzeitig die Emigration nach Brasilien, wo er die NS-Zeit überlebte. Paula Guth war durch ihre Ehe zunächst noch geschützt, zog mit ihrem Mann jedoch in diesen Jahren mehrfach um.

Zunächst ging es für eine Weile nach Bonn. Anschließend ließ das Paar sich im heutigen Niedersachsen in Bad Pyrmont in der Mühlenstraße 13, wenige Gehminuten vom Schloss entfernt, nieder. Von dort wurde Paula Guth im Februar 1945 über Hannover in das KZ Theresienstadt im heutigen Tschechien deportiert. Sie überlebte das Lager und kehrte nach Bad Pyrmont zurück, wo im Jahr 1965 ihr Mann verstarb. Über Paula Guths weiteren Lebensweg ist bislang nichts bekannt.

Bild: Brunnenplatz in Bad Pyrmont 1914



For Paula Guth, Bonn was just one stop on her flight from the N***s. She was born on May 27, 1875, in Soest as Paula Dickhoff. Her parents were the Jewish cattle dealer Bernhard Dickhoff and his wife Rosalie Sommer. Her father died when she was two years old. Paula lived with her mother in Münster, but as a young woman she moved to Dortmund, where she found lodging at Düsseldorfer Straße 8 and worked as a saleswoman.

On August 18, 1898, she married the instrument maker Albert Guth in Dortmund. He was originally from Breslau, was four years older than his bride, and was of the Protestant faith. In May 1899, the couple’s son Paul was born. The family lived together at various addresses in Dortmund before settling, at the latest in the 1920s, in Rudolstadt, Thuringia. With the onset of the N**i era, Paula Guth and her son in particular increasingly came under the scrutiny of N**i persecution. Paul managed to emigrate to Brazil in time, where he survived the N**i era. Paula Guth was initially protected by her marriage, but she and her husband moved several times during those years.

First, they went to Bonn for a while. The couple then settled in Bad Pyrmont, in what is now Lower Saxony, at Mühlenstraße 13, just a few minutes’ walk from the castle. From there, Paula Guth was deported in February 1945 via Hanover to the Theresienstadt concentration camp in what is now the Czech Republic. She survived the camp and returned to Bad Pyrmont, where her husband died in 1965. Nothing is known so far about Paula Guth’s subsequent life.

[English version below]Was ist den eigenen Freundinnen, Freunden und Angehörigen widerfahren? Hat jemand aus der Familie...
26/05/2026

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Was ist den eigenen Freundinnen, Freunden und Angehörigen widerfahren? Hat jemand aus der Familie überlebt und wenn ja, wo? Fragen wie diese stellten sich für alle europäischen Jüdinnen und Juden, die dem Zugriff der Nationalsozialisten entkommen konnten. Auch Jahre und zum Teil Jahrzehnte später kannten sie häufig nur mehr oder weniger zutreffende Bruchstücke der Verfolgungsgeschichte ihrer Liebsten. Gerade in der unmittelbaren Nachkriegszeit erschien die Suche nach einzelnen Verfolgten oft aussichtslos.

Doch es gab durchaus Versuche, Abhilfe zu schaffen. So fertigten Hilfsorganisationen Listen mit den Namen der Jüdinnen und Juden an, die das NS-Regime in Deutschland und den besetzten Staaten überlebt hatten. Eine davon war die Jewish Agency for Israel, ein zionistisches Hilfswerk für die Vernetzung von Jüdinnen und Juden und deren Einwanderung ins britische Mandatsgebiet. Am 25.05.1945 wurde berichtet, dass diese u.a. Namen von Überlebenden aus Bonn, Frankfurt, Mönchengladbach und Piotrków zusammengestellt hatte. Die Listen wurden für jedermann einsehbar in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem in den Büros des „Irgun Olej Merkas Europa“ ausgelegt. Dieser vertrat vor allem die Interessen deutschsprachiger Einwanderer und organisierte für sie Hilfen und ein Kulturprogramm.

So kurz nach dem Kriegsende konnten die Listen nicht vollständig sein und ohnehin gingen nur die wenigsten Hoffnungen auf überlebende Liebste in Erfüllung. Doch in Zeiten absoluter Unsicherheit boten sie ein wichtiges Stück Information und halfen für die Überlebenden Unterstützung durch Freundinnen, Freunde und Verwandte zu organisieren.



What had happened to their friends and relatives? Had anyone in the family survived, and if so, where? Questions like these were on the minds of all European Jews who had managed to escape the N***s. Even years, and in some cases decades, later, they often knew only more or less accurate fragments of the story of their loved ones’ persecution. Especially in the immediate postwar period, the search for individual victims of persecution often seemed hopeless.

Yet there were certainly attempts to remedy the situation. Aid organizations compiled lists of the names of Jews who had survived the N**i regime in Germany and the occupied territories. One of these was the Jewish Agency for Israel, a Zionist relief organization dedicated to connecting Jews and facilitating their immigration to the British Mandate territory. On May 25, 1945, it was reported that the organization had compiled lists that included the names of survivors from Bonn, Frankfurt, Mönchengladbach, and Piotrków, among other places. The lists were made available for public viewing in Tel Aviv, Haifa, and Jerusalem at the offices of “Irgun Olej Merkas Europa.” This organization primarily represented the interests of German-speaking immigrants and organized assistance and a cultural program for them.

So soon after the end of the war, the lists could not be complete, and in any case, only very few hopes of finding surviving loved ones were fulfilled. Yet in times of absolute uncertainty, they provided a vital piece of information and helped survivors organize support from friends and relatives.

[English version below]Mit Joseph Goebbels besuchte einer der entscheidendsten geistigen Wegbereiter der NS-Verbrechen a...
22/05/2026

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Mit Joseph Goebbels besuchte einer der entscheidendsten geistigen Wegbereiter der NS-Verbrechen am 22.05.1936 seine alte Studienstadt Bonn. Goebbels, ab 1933 offiziell „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“ und Präsident der „Reichskulturkammer“, sollte die Bevölkerung für die Ideologie der Nationalsozialisten begeistern und richtete die gesamte Kultur- und Medienlandschaft zu diesem Zweck aus.

Im Mai 1936 landete er zunächst in Hangelar und kam dann zu einer Besprechung in das Bonner Hotel „Königshof“. Dort erwarteten ihn neben der lokalen NS-Prominenz auch Kulturschaffende wie die NS-Sympathisantin und Pianistin Elly Ney oder der Intendant des Bonner Stadttheaters Herwig. Anschließend ging es weiter zum wiedereröffneten Bonner Landesmuseum, das erst kurz zuvor seine Dauerausstellung ganz im Sinne des NS neu strukturiert hatte. Nach einer Besichtigung und Einführung durch den Museumsdirektor endete der Besuch auch schon wieder. „Der große Trommler des Führers“, wie ihn die örtliche Presse bezeichnete, hatte die Einladung zu einem Konzert des Beethovenfestes am Abend ausgeschlagen und war stattdessen weiter nach Bielefeld geflogen.

Kritische Töne musste Goebbels bei seiner Visite kaum fürchten. Stattdessen wurde er von neugierigen Bonnerinnen und Bonnern und den eigens einbestellten lokalen NS-Gliederungen am Wegesrand freudig empfangen. So sollten Besuche wie dieser auch die vermeintliche Nahbarkeit der NS-Größen demonstrieren und so die Beliebtheitswerte in der Bevölkerung und das Gemeinschaftsgefühl erhalten.

Foto: Joseph Goebbels mit lokalen NS-Größen kurz nach der Landung in Hangelar



On May 22, 1936, Joseph Goebbels, one of the most influential intellectual architects of the N**i regime, visited Bonn, the city where he had studied. Goebbels, who from 1933 onward served as the official “Reich Minister for Public Enlightenment and Propaganda” and president of the “Reich Chamber of Culture,” was tasked with inspiring the population with enthusiasm for N**i ideology and reorganized the entire cultural and media landscape to that end.

In May 1936, he first arrived in Hangelar and then went to the “Königshof” hotel in Bonn for a meeting. There, in addition to local N**i dignitaries, he was greeted by cultural figures such as the N**i sympathizer and pianist Elly Ney and the artistic director of the Bonn City Theater, Herwig. The group then proceeded to the reopened Bonn State Museum, which had only recently restructured its permanent exhibition entirely in line with N**i ideology. After a tour and an introduction by the museum director, the visit was already over. “The Führer’s great drummer,” as the local press called him, had declined an invitation to a Beethovenfest concert that evening and had instead flown on to Bielefeld.

Goebbels had little to fear from critical voices during his visit. Instead, he was joyfully welcomed along the way by curious Bonn residents and the specially summoned local N**i organizations. Visits like this were also intended to demonstrate the supposed approachability of N**i leaders, thereby maintaining their popularity among the population and fostering a sense of community.

[English version below]Ausgelassene Momente wie jenen auf dem Foto gab es für Alfred Weber nach 1933 kaum noch. Geboren ...
18/05/2026

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Ausgelassene Momente wie jenen auf dem Foto gab es für Alfred Weber nach 1933 kaum noch. Geboren wurde er am 18.05.1913 in Ipplendorf, einer heutigen Ortschaft von Rheinbach. Seine Eltern waren das jüdische Ehepaar David und Jeanette Weber (geborene Halm). Alfred hatte 2 Schwestern und einen Bruder, eine weitere Schwester starb bereits als Kleinkind. Die Familie lebte in Wormersdorf in der Ipplendorfer Straße 64. Auch als junger Erwachsener wohnte Alfred Weber noch dort und ging seinem Beruf als Kaufmann nach.

Am Tag nach den Novemberpogromen 1938 drangen SA-Männer in die Wohnung der Familie Weber ein. Sie zerschlugen die Möbel und Haushaltsgegenstände und warfen sie durch ein Fenster auf die Straße. Alfred Weber und sein Vater wurden verhaftet und zur angeblichen „Schutzhaft“ in das Konzentrationslager Dachau bei München gebracht. Bis zum 07.03.1939 musste Alfred Weber im KZ überleben. Anschließend kehrte er nach Wormersdorf zurück.

Teilen der Familie gelang rechtzeitig die Flucht aus Deutschland. So emigrierten Alfreds Schwestern nach Großbritannien und in das britische Mandatsgebiet Palästina. Er selbst, seine Eltern und sein Bruder wurden dagegen am 11.02.1942 in das zum Ghettolager für die jüdische Bevölkerung umfunktionierte Benediktinerinnen-Kloster nach Bonn-Endenich gebracht. In dieser Zeit musste Alfred Weber Zwangsarbeit leisten und beispielsweise Entwässerungsgräben ausheben. Im Juli 1942 erfolgte dann die Deportation nach Malyj Trostenez bei Minsk, wo Alfred Weber kurz nach seiner Ankunft ermordet wurde.

Foto: Alfred Weber (2. von rechts) mit Rheinbacher Freundinnen und Freunden (Stadtarchiv Rheinbach)



Moments of joy like the one captured in this photo were rare for Alfred Weber after 1933. He was born on May 18, 1913, in Ipplendorf, now a neighborhood of Rheinbach. His parents were David and Jeanette Weber (née Halm), a Jewish couple. Alfred had two sisters and a brother; another sister died as an infant. The family lived in Wormersdorf at 64 Ipplendorfer Straße. Even as a young adult, Alfred Weber still lived there and worked as a merchant.

The day after the November pogroms of 1938, SA men broke into the Weber family’s apartment. They smashed the furniture and household items and threw them out the window onto the street. Alfred Weber and his father were arrested and taken to the Dachau concentration camp near Munich for so-called “protective custody.” Alfred Weber had to survive in the concentration camp until March 7, 1939. He then returned to Wormersdorf.

Some members of the family managed to flee Germany in time. Alfred’s sisters, for instance, emigrated to Great Britain and to the British Mandate of Palestine. He himself, his parents, and his brother, however, were taken on February 11, 1942, to the Benedictine convent in Bonn-Endenich, which had been converted into a ghetto camp for the Jewish population. During this time, Alfred Weber was forced to perform hard labor, such as digging drainage ditches. In July 1942, he was deported to Malyj Trostenez near Minsk, where Alfred Weber was murdered shortly after his arrival.

[English version below]Hersch Drongs Leben in Deutschland war geprägt von Angst und Sorgen. Geboren wurde er am 14.05.18...
15/05/2026

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Hersch Drongs Leben in Deutschland war geprägt von Angst und Sorgen. Geboren wurde er am 14.05.1881 in Warschau in eine jüdische Familie. Während des Ersten Weltkrieges wurde er von der Beueler Möbelfabrik als Facharbeiter angeworben. Nach dem Ende des Krieges kamen seine Frau Scheva und der 1912 geborene Sohn Gimeck zu ihm nach Beuel. Die Familie lebte zunächst in der Wilhelmstraße, dann in der Bonner Straße (der heutigen Rheindorfer Straße). 1920 wurde mit Samuel ein zweiter Sohn geboren. Hersch (auch Hermann)

Drong wurde während der Wirtschaftskrise mehrfach arbeitslos. Die Familie konnte wegen ihrer polnischen Staatsbürgerschaft keine Hilfen vom deutschen Staat beantragen, da ihnen sonst die Abschiebung drohte. Die Situation belastete Scheva Drong so stark, dass ihre psychische Gesundheit litt. Zwei Jahre lang war sie wegen einer diagnostizierten Psychose in stationärer Behandlung. Samuel musste deshalb im jüdischen Kinderheim in Köln weiter aufwachsen. 1931 startete ein formelles Ausweisungsverfahren gegen die Familie. Diese musste die Wohnung aufgeben und in eine Vilicher Barackensiedlung ziehen. Erneut erkrankte Scheva Drong und blieb diesmal dauerhaft in stationärer Behandlung. Zwar war Polen nicht bereit, die Familie aufzunehmen, doch das Ausweisungsverfahren gegen sie blieb bestehen.

1937 gelang Gimeck Drong die Flucht in das britische Mandatsgebiet Palästina. Ein Jahr darauf wurden Hersch Drong und sein Sohn Samuel in der sogenannten „Polenaktion“ aus Deutschland nach Polen abgeschoben. Von ihnen fehlt jede weitere Nachricht. Scheva Drong blieb in der Klinik und wurde ein Opfer der nationalsozialistischen Morde.

Foto: Symbolbild



Hersch Drong’s life in Germany was marked by fear and worry. He was born on May 14, 1881, in Warsaw to a Jewish family. During World War I, he was hired as a skilled worker by the Beuel furniture factory. After the war ended, his wife Scheva and their son Gimeck, born in 1912, joined him in Beuel. The family first lived on Wilhelmstraße, then on Bonner Straße (now Rheindorfer Straße). In 1920, a second son, Samuel, was born. Hersch (also known as Hermann)

Drong became unemployed several times during the economic crisis. Because of their Polish citizenship, the family could not apply for assistance from the German government, as they would otherwise have faced deportation. The situation weighed so heavily on Scheva Drong that her mental health suffered. She was hospitalized for two years after being diagnosed with psychosis. As a result, Samuel had to continue growing up in the Jewish children’s home in Cologne. In 1931, formal deportation proceedings were initiated against the family. They were forced to give up their apartment and move to a barracks settlement in Vilich. Scheva Drong fell ill again and, this time, remained in inpatient care permanently. Although Poland was unwilling to accept the family, the deportation proceedings against them continued.

In 1937, Gimeck Drong managed to flee to the British Mandate of Palestine. A year later, Hersch Drong and his son Samuel were deported from Germany to Poland as part of the so-called “Poland Action.” There has been no further news of them. Scheva Drong remained in the clinic and became a victim of the N**i murders.

[English version below]Peter Mühlens war auf der Jagd nach neuen medizinischen Erkenntnissen – und er war bereit, dafür ...
12/05/2026

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Peter Mühlens war auf der Jagd nach neuen medizinischen Erkenntnissen – und er war bereit, dafür über Leichen zu gehen. Geboren am 12.05.1874 in Bonn, trat Mühlens nach seinem Medizinstudium der Marine bei und entwickelte sich zum Experten für Schiffs- und Tropenkrankheiten. Zahlreiche Auslandsaufenthalte, etwa in China, Australien und dem Osmanischen Reich, steigerten sein Fachwissen noch. Ab 1925 war er Honorarprofessor für Tropenmedizin an der Universität Hamburg, im September 1933 wurde er zum Leiter des Hamburger Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten ernannt.

Mühlens, der sich stets für eine Erneuerung des deutschen Kolonialismus aussprach, fehlten ab 1918 durch das Wegfallen deutscher Kolonien entscheidende Forschungsmöglichkeiten. Er begann daher, Malariamittel an syphiliskranken Patienten des psychiatrischen Krankenhauses Langenhorn zu testen. Anfangs holte er sich deren Einstimmung ein, später verzichtete er zunehmend darauf. Teilweise infizierte er die Patienten bewusst mit Malaria, was tödliche Fieberschübe zur Folge haben konnte.

Mit Fortschreiten der NS-Morde an Menschen mit Krankheiten und Behinderungen wurden jedoch immer mehr von Mühlens Patienten schon vor möglichen unfreiwilligen Untersuchungen ermordet. Als Ersatz richtete das Institut eine Dependance im besetzten Warschau ein und begann mit Experimenten zu Fleckfieber-Medikamenten an Insassen des KZ Neuengamme. Peter Mühlens trat 1937 der NSDAP bei, zu der er sich schon vier Jahre zuvor positiv geäußert hatte. 1940 wurde er Präsident der kolonialärztlichen Akademie der NSDAP. Er starb im Juni 1943 in Hamburg.

Foto: Peter Mühlens (Wellcome Images – CC BY 4.0)



Peter Mühlens was on the hunt for new medical discoveries—and he was willing to stop at nothing to achieve them. Born on May 12, 1874, in Bonn, Mühlens joined the navy after completing his medical studies and became an expert in maritime and tropical diseases. Numerous stays abroad, for example in China, Australia, and the Ottoman Empire, further enhanced his expertise. Beginning in 1925, he served as an honorary professor of tropical medicine at the University of Hamburg; in September 1933, he was appointed director of the Hamburg Institute for Maritime and Tropical Diseases.

Mühlens, who had always advocated for a renewal of German colonialism, lost crucial research opportunities beginning in 1918 due to the loss of German colonies. He therefore began testing malaria drugs on patients with syphilis at the Langenhorn Psychiatric Hospital. At first, he sought their consent; later, he increasingly dispensed with it. In some cases, he deliberately infected patients with malaria, which could result in fatal bouts of fever.

However, as the N**i killings of people with illnesses and disabilities progressed, more and more of Mühlens’ patients were murdered even before they could undergo any involuntary examinations. As a substitute, the institute established a branch in occupied Warsaw and began conducting experiments on typhus medications using inmates from the Neuengamme concentration camp. Peter Mühlens joined the NSDAP in 1937, having already spoken favorably of the party four years earlier. In 1940, he became president of the NSDAP’s Academy of Colonial Medicine. He died in Hamburg in June 1943.

[English version below]Selbst in der Internierung in Endenich gab es kurze Momente, die die Verfolgten aus dem Alltag he...
07/05/2026

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Selbst in der Internierung in Endenich gab es kurze Momente, die die Verfolgten aus dem Alltag herausrissen. Heinrich Sommers Hochzeit war so ein Moment. Sommer kannte Endenich gut, war er doch hier am 07.05.1889 als Sohn des jüdischen Viehhändlers Hermann Sommer und seiner Frau Rosalie Oswald geboren worden. Gemeinsam mit seinen jüngeren Schwestern Maria und Caroline wuchs Heinrich Sommer in der Bonner Straße 47 auf. Als Erwachsener zog er nach Köln und fand in der Lothringerstraße 51 eine Wohnung. Zwischen 1927 und 1930 starben beide Eltern.

In der NS-Zeit war Sommer den Verfolgungen des NS-Regimes voll ausgesetzt. Auch in seinem Heimatort Endenich zeigten sich deren Spuren deutlich: Das ehemalige Kloster „zur ewigen Anbetung“ war zum Ghettolager für die verbliebenen Jüdinnen und Juden aus Bonn und der Umgebung umfunktioniert worden. Ausgerechnet dort lebte nun eine Frau, die Heinrich Sommer besonders am Herzen lag. Am 15.10.1941 heiratete er in Bonn die in Endenich internierte, 12 Jahre jüngere, Lilli Cossmann. Sommers Beruf zu dieser Zeit wurde als „Fabrikarbeiter“ angegeben, wobei nicht klar ist, ob es sich um seinen regulären Beruf oder Zwangsarbeit handelte.

Nach der Hochzeit kehrte Heinrich Sommer nach Köln zurück. Nach einem Luftangriff auf die Stadt und zur Vorbereitung der Deportation wurde er am 10.06.1942 mit anderen Jüdinnen und Juden aus Köln in das Reichsarbeitsdienst-Lager Niederbardenberg gebracht. Nach einer Zwischenstation im Kölner Fort V wurde Heinrich Sommer gemeinsam mit seiner Frau Lilli am 20.07.1942 nach Malyj Trostenez deportiert und ermordet.

Foto: Der Kölner Volksgarten in der Nähe von Heinrich Sommers Wohnung



Even during their internment in Endenich, there were brief moments that pulled the persecuted out of their daily routine. Heinrich Sommer’s wedding was one such moment. Sommer knew Endenich well, having been born there on May 7, 1889, as the son of the Jewish cattle dealer Hermann Sommer and his wife Rosalie Oswald. Together with his younger sisters Maria and Caroline, Heinrich Sommer grew up at 47 Bonner Street. As an adult, he moved to Cologne and found an apartment at 51 Lothringerstraße. Both of his parents died between 1927 and 1930.

During the N**i era, Sommer was fully exposed to the persecution of the N**i regime. The effects of this were also clearly evident in his hometown of Endenich: the former monastery “Zur ewigen Anbetung” had been converted into a ghetto camp for the remaining Jews from Bonn and the surrounding area. It was precisely there that a woman whom Heinrich Sommer held particularly dear was now living. On October 15, 1941, he married Lilli Cossmann, who was 12 years his junior and had been interned in Endenich, in Bonn. Sommer’s occupation at that time was listed as “factory worker,” though it is unclear whether this was his regular job or forced labor.

After the wedding, Heinrich Sommer returned to Cologne. Following an air raid on the city and in preparation for deportation, he was taken on June 10, 1942, along with other Jews from Cologne, to the Reich Labor Service camp in Niederbardenberg. After a stopover at Fort V in Cologne, Heinrich Sommer was deported together with his wife Lilli on July 20, 1942, to Malyj Trostenez, where both were murdered.

[English version below]„Arbeitslager“ für Mathematik? Was heute seltsam anmutet erschien Ernst August Weiß als der Weg h...
05/05/2026

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„Arbeitslager“ für Mathematik? Was heute seltsam anmutet erschien Ernst August Weiß als der Weg hin zu einer „deutschen Mathematik“. Geboren am 05.05.1900 in Straßburg, hatte sich der sprachbegabte Weiß im Studium der Mathematik zugewandt. Ab 1926 wirkte der dekorierte Weltkriegsteilnehmer als Privatdozent an der Bonner Universität. Sein besonderes Steckenpferd war die Geometrie.

Nach der Ernennung zum Professor 1932 zeigte sich schnell die Empfänglichkeit von Weiß für den Nationalsozialismus. Mit seiner Weigerung, mit jüdischen Kollegen zusammenzuarbeiten erwarb er sich zwar das Vertrauen der NS-Studentenschaft, isolierte sich ansonsten innerhalb des Institutes aber weitgehend. Schon 1933 trat er der SA, später auch der NSDAP bei. Im selben Jahr veröffentlichte er seine Vorstellungen von idealer mathematischer Arbeitsweise im Einklang mit dem NS. Diese umfassten in mathematischen „Arbeitslagern“ vor allem eine Mischung aus Sport, Wandern und ideologischen Schulungen für angehende Mathematikerinnen und Mathematiker. Nach Weiß diene die Mathematik der Charakterbildung und diese stehe gegenüber etwaigen großen Forschungsleistungen im Vordergrund.

Insgesamt fünf solcher Zusammenkünfte setzte Weiß dann auch tatsächlich in die Tat um und fand sogar vereinzelt Nachahmer in anderen Städten. Im Februar 1942 wurde er als deutscher Hauptmann während der Kesselschlacht von Demjansk in der Sowjetunion durch einen Bauchschuss schwer verwundet und erlag anschließend seinen Verletzungen. Seine „Arbeitslager“ blieben eine kurze Episode in der langen Geschichte der Mathematik.



“Work camps” for mathematicians? What seems strange today appeared to Ernst August Weiß as the path toward a “German mathematics.” Born on May 5, 1900, in Strasbourg, the linguistically gifted Weiß had turned to the study of mathematics. Beginning in 1926, the decorated World War I veteran served as a private lecturer at the University of Bonn. His particular passion was geometry.

After his appointment as a professor in 1932, Weiß’s receptiveness to National Socialism quickly became apparent. While his refusal to collaborate with Jewish colleagues earned him the trust of the N**i student body, it also largely isolated him within the institute. As early as 1933, he joined the SA, and later the NSDAP as well. In the same year, he published his ideas on the ideal mathematical approach in harmony with National Socialism. In addition to mathematical “work camps,” these primarily consisted of a mix of sports, hiking, and ideological training for aspiring mathematicians. According to Weiß, mathematics served to build character, and this took precedence over any major research achievements.

Weiß actually organized a total of five such gatherings and even inspired a few imitators in other cities. In February 1942, while serving as a German captain during the Battle of Demyansk in the Soviet Union, he was seriously wounded by a shot to the abdomen and subsequently succumbed to his injuries. His “work camps” remained a brief episode in the long history of mathematics.

[English version below]In der DDR waren sie ein Klassiker: Pflaster von Gothaplast in der charakteristischen rot-blauen ...
01/05/2026

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In der DDR waren sie ein Klassiker: Pflaster von Gothaplast in der charakteristischen rot-blauen Verpackung. Weniger bekannt ist, dass der Betrieb ursprünglich aus Bonn kam – und nur auf Wunsch der Nationalsozialisten in Thüringen ansässig wurde. Unter dem Namen „Verbandspflasterfabrik Carl Blank“ betrieb selbiger bereits seit 1908 eine erfolgreiche Firma in der Endenicher Straße 81, Ecke Haydnstraße.

Der Betrieb etablierte sich und zeigte sich ab 1933 auf der Linie des neuen Regimes. Mehrfach wurde die Pflasterfabrik als vorbildlicher Betrieb mit einem „Gaudiplom“ ausgezeichnet, auf Betriebsversammlungen erhielten NS-Redner die Gelegenheit, den Arbeitnehmenden ihre Propaganda näher zu bringen. Durch die Einrichtung einer speziellen Altersvorsorge und einer in Bonn bis dahin einmaligen „Werksmütterschule“ demonstrierte man die enge Orientierung am NS-Ideal der „Betriebsgemeinschaft“. In dieser sollten sich die einzelnen Arbeitskräfte als Teil eines firmeneigenen Sozialsystems begreifen und dieses wiederum als Teil einer größeren „Volksgemeinschaft“, der gegenüber der oder die Einzelne verpflichtet war.

Spätestens mit Kriegsbeginn war die Nachfrage nach Verbandsmaterial gesichert. Doch Bonn und das Rheinland gerieten immer stärker ins Visier alliierter Luftangriffe. Carl Blank erhielt daher die Anweisung des zuständigen Reichsministeriums, eine Zweigstelle im Osten des Landes aufzubauen. Faktoren wie die Verfügbarkeit von Fachkräften, die zentrale Lage und die Infrastruktur ließen die Wahl auf Gotha fallen. Unter dem Namen „Gothaplast“ gelang dann in der DDR die Etablierung als erfolgreicher Betrieb, der bis heute in Gotha seinen Sitz hat.

Foto: 126Edward – CC BY-SA 4.0



In the GDR, they were a classic: Gothaplast band-aids in their distinctive red-and-blue packaging. Less well known is that the company originally came from Bonn—and only moved to Thuringia at the request of the N***s. Under the name “Verbandspflasterfabrik Carl Blank,” the same company had been operating a successful business since 1908 at Endenicher Straße 81, on the corner of Haydnstraße.

The company established itself and, starting in 1933, aligned itself with the new regime. The plaster factory was repeatedly honored as a model enterprise with a “Gaudiplom”; at company meetings, N**i speakers were given the opportunity to indoctrinate the workers with their propaganda. By establishing a special pension plan and a “factory mothers’ school”—the first of its kind in Bonn at the time—the company demonstrated its close alignment with the N**i ideal of the “work community.” Within this framework, individual workers were expected to see themselves as part of the company’s own social system, which in turn was viewed as part of a larger “national community” to which the individual was bound.

By the time the war began, the demand for medical supplies was assured. However, Bonn and the Rhineland were increasingly targeted by Allied air raids. Carl Blank was therefore instructed by the relevant Reich Ministry to establish a branch in the eastern part of the country. Factors such as the availability of skilled workers, the central location, and the infrastructure led to the choice of Gotha. Under the name “Gothaplast,” the company successfully established itself in the GDR and remains headquartered in Gotha to this day.

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