27/01/2026
Der 27. Januar ist seit 1996 als "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" und 2005 wurde er von der UN zum "Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust" erklärt.
Das Datum geht auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 zurück. Es soll den Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden.
"Wir gedenken den Entrechteten, Gequälten und Ermordeten: der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Millionen verschleppter Slawen, der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, der Homosexuellen, der politischen Gefangenen, der Kranken und Behinderten, all derer, die die nationalsozialistische Ideologie zu Feinden erklärt und verfolgt hatte. Wir erinnern heute auch an diejenigen, die mutig Widerstand leisteten oder anderen Schutz und Hilfe gewährten und dafür selbst allzu oft mit ihrem Leben bezahlen mussten", so der Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert im Rahmen der Feierstunde im Deutschen Bundestag im Jahr 2015.
Die Geschichtswerkstatt Lehe erinnert stellvertretend für die Opfer aus Wesermünde an Hermann Rosenberg, der 1891 in Leipzig geboren worden ist und nach dem 1. Weltkrieg in Lehe wohnte. Er war Tabakwarengroßhändler und nach der Reichspogromnacht in Schutzhaft genommen und für kurze Zeit in das KZ Sachsenhausen überstellt.
Am 24. August 1939 wurde er wegen des "Verdachts des Devisenvergehens" verhaftet und in Wesermünde als auch Bremen in Untersuchungshaft gesteckt. Mit dem Vorwurf des "Devisenvergehens und das Rassenschande" wurde er ohne Verurteilung in den Strafvollzug überstellt.
Mit einem Sammeltransport kam er am 24. Juli 1943 in Auschwitz an. Ein Jahr später kam er in das KZ Stutthof und schließlich in das KZ-Außenlager Hailfingen. Das Arbeitslager war für den Ausbau eines Militärflugplatzes eingerichtet worden.
Als offizielle Todesursache wurde "Entkräftung" vermerkt. Der Leichnam soll im Krematorium des Friedhofs Unter den Linden in Reutlingen eingeäschert und bestattet worden sein.
Aus der U-Haft schrieb Hermann Rosenberg noch einen Brief an seinen Sohn:
"Ich muss eine weite Reise antreten und weiß nicht ob und wann ich dich wiedersehen werde. Ich will Dir deshalb heute einen lieben Gruß senden und Dir alles Liebe und Gute für Dein ferneres Leben wünschen. Sei stark, tapfer, edel und gut. Vergiss nie Deine Eltern und auch nie Dein Schwesterchen.
Lasse Dich vom Verstand und nicht vom Gefühl leiten und denke daran im Leben Deinen Platz auszufüllen. Ich weiß wie wir uns kennen und verstehen, denn Blut lässt sich nicht verleugnen und ich bin glücklich, dass ich in Dir weiterlebe.
Mache Deiner Mutter Freude und nochmals vergiss nie Dein Schwesterchen. Möge Gott Dich segnen und behüten auf alle Deinen Wegen. Vergiss auch Deinen Papa nicht. Er hat Dich immer geliebt und nur das Beste für Dich gewollt.
Tausend liebe Grüße und Küsse von Deinem Vater, Dein Papa.
Leb wohl, mein lieber Junge, und wenn Gott will auf Wiedersehen".
Im Buch "Geschichten aus Lehe - Spiegel einer Stadt" hat der Enkel Norman Rosenberg das Geschehen aus Sicht der Familie beschrieben.