15/08/2026
Habt Ihr Euch schon mal gefragt, ob die Menschen in der skandinavischen Wikingerzeit fit in Heilkunde waren?
Über die Heilkunde – und vor allem die Nutzung von Heilpflanzen – in der skandinavischen Wikingerzeit wissen wir aus archäologischer Perspektive viel weniger, als die Darstellungen in den Medien vermuten lassen. Archäobotanisch sind eine Reihe von Pflanzen belegt, denen man in späteren mittelalterlichen Schriften heilkräftige Wirkungen nachsagte oder die tatsächlich medizinische Wirkung hatten. Auch aus Haithabu sind einige dieser Pflanzen belegt, von denen sich Pollen oder Samen z. B. im feuchten Boden von Mooren oder Seeufern über 1.000 Jahre erhalten haben. Ob man diese Pflanzen in der Wikingerzeit aber auch als Heilmittel genutzt hat oder sie eine andere Funktion hatten – z. B. als Nahrungs- Färbe- oder Faserpflanze –, lässt sich archäologisch nicht belegen.
So kann der ebenso archäologisch wie schriftlich für die Wikingerzeit nachgewiesene Engelwurz (Angelica archangelica) als Gemüsepflanze genutzt werden, hat aber auch durchaus medizinisch nachweisbare, immunstärkende und verdauungsfördernde Wirkung. In den altnordischen Schriftquellen des 13./14. Jahrhunderts spielt vor allem der Lauch (Allium ampeloprasum) eine große Rolle als Heilpflanze und für diagnostische Zwecke. Die Erwähnung von Lauch in vorwikingerzeitlichen und wikingerzeitlichen Runeninschriften deutet zudem darauf hin, dass der Pflanze auch magische Eigenschaften nachgesagt wurden.
Die direktesten Belege für medizinische Kenntnisse in der Wikingerzeit bieten jedoch die Menschen selber, nämlich behandelte und verheilte Wunden und Verletzungen an wikingerzeitlichen Skeletten. Erstaunlicherweise sind dabei durch gewalttätige Auseinandersetzungen verursachte Verletzungen relativ selten und nicht wenige nachweisbare Knochenbrüche sind vermutlich durch Unfälle entstanden. Die hohe Zahl von verheilten Verletzungen belegt dabei medizinisches Wissen und die Fähigkeit der Wundvorsorge. Knochenbrüche konnten geschient und gerichtet und offene Wunden versorgt werden. Gefährlicher als die eigentliche Verletzung war jedoch oft eine Blutvergiftung, die nicht selten tödlich endete.
P.S. Die Fotos zeigen Ausschnitte aus unserem Garten im Freigelände, neben Engelwurz auch Schlangenlauch.