12/08/2024
Liebe Bundesregierung,
ihr habt im Januar 2024 als erste Maßnahme nach dem gekippten Bundeshaushalt, die Mehrwertsteuer auf Speisen von 7 % zurück auf 19 % erhöht.
Was bedeutet das für uns in der aktuellen Lage?
Dieser „Sommer“ trifft die Gastronomie in einer enorm harten Phase und das unbeständige Wetter ist fast Sinnbild für unsere Zukunftssorgen.
Noch nie haben so viele Betriebe Insolvenz anmelden müssen im ersten Halbjahr wie dieses Jahr und Wirtschaftsauskünfte blicken ebenso wenig zuversichtlich auf die zweite Jahreshälfte.
Laut Wirtschaftsauskunft CRIF (ehemals Bürgel) werden 30% mehr Gastro-Insolvenzen erwartet gegenüber dem Vorjahr und der Branchenverband DEHOGA hat in seiner Verbandsumfrage einen Umsatzrückgang von 22,2% im Vergleich zu 2023 feststellen müssen.
Zahlen, die erschrecken und die kein Einzelschicksal abbilden.
Selbst einst erfolgreiche Großkonzepte schließen etliche Restaurants.
Gründe hierfür sind anhaltende und sogar steigende wirtschaftliche Belastungen. Stetig steigende Rohwarenpreise, erhöhte Lieferantenpreise und die erhöhte Mehrwertsteuer, die seit Anfang 2024 wieder mit 19 statt wie in den Jahren zuvor mit 7% veranschlagt wird.
Unsere Gäste sind selbstverständlich selbst von höheren Belastungen betroffen und können sich Restaurantbesuche und erst recht die notwendigen Preisanpassungen nicht leisten.
Eine Abwärtsspirale, die zu Schließungen führt.
Was bedeuten diese Schließungen aber für uns alle?
Die Gastronomie ist nicht nur Ort der Begegnungen, sie ist insbesondere in Köln eine der drei größten Arbeitgeber*innen der Stadt.
Niederschweliig und unkompliziert ist die Gastrobranche eine wichtige Anlaufstelle für viele, die Arbeit suchen.
Hierbei geht es nicht nur um Fachkräfte, sondern insbesondere auch um kurzfristige und geringfügige Beschäftigungen. Wie kaum in einer anderen Branche findet man in der Gastro einen Job, der mit den individuellen Lebensrealitäten vereinbar ist. Insbesondere gering qualifizierte Arbeitskräfte, die in der Gastronomie häufig beschäftigt sind, könnten ihre Jobs verlieren, was soziale und wirtschaftliche Probleme verstärken könnte.
Neben der großen Menge an Menschen, deren Arbeitsplatz durch Insolvenzen bedroht ist, betrifft das Damoklesschwert der Insolvenz aber die gesamte Gesellschaft.
Die Gastronomie ist ein kultureller Pfeiler und trägt als Ort der Begegnung und des Austauschs erheblich zur Lebensqualität in Städten und Gemeinden bei.
Eine Verödung der Innenstädte und ein Verlust an Vielfalt und Kultur sind die möglichen Folgen einer massiven Insolvenzwelle in der Gastronomie.
Eine geringe Mehrwertsteuer hilft nicht nur den Betrieben, sondern hat positive wirtschaftliche Effekte.
Die kulturelle Vielfalt wird damit geschützt und erhalten und kleine und große Betriebe haben bessere Chancen auf Fortbestand.
Wir fordern differenzierte Betrachtung und eine Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie!
Liebe Bundesregierung, eure Rechnung geht nicht auf.
Die von euch skizzierten 3 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer, werden durch Insolvenzen, Arbeitslosigkeit und Kulturverlust leider genullt.
Eure Bierdeckelrechnung führt lediglich zu einem nie dagewesenen Gastrosterben.
Jede*r darf Fehler machen, wahre Größe zeigt sich, wenn man sich diese Fehler eingesteht und korrigiert.
Wir brauchen dringend sofort die Rückkehr auf 7 %.
Wir versprechen euch euer Bundeshaushalt kommt dadurch nicht in Schieflage, es zahlt am Ende nur eine buntere Vielfalt an den Fiskus.