04/04/2026
Liebes Publikum,
obwohl das afrikanische Kino eine über 60-jährige Geschichte schreibt, blieben Regisseur*innen viel zu lange im Schatten. Pionier*innen wie Safi Faye, Anne Mungai oder Sarah Maldoror schufen unter schwierigsten Bedingungen Meilensteine des postkolonialen Films – doch sie blieben Ausnahmen. Das Bild wandelt sich aber: Seit über zwei Jahrzehnten drängt eine neue Generation gut ausgebildeter Filmemacherinnen von West- bis Ostafrika ins Rampenlicht. Den Auftakt unserer Reihe, die bis einschließlich Mai geht, macht PROMIS LE CIEL der tunesischen Filmemacherin Erige Sehiri am 4. und 5. April.
Wir freuen uns sehr, zwei Jahre nach der Premiere auf der Berlinale 2024 mit DIRECT ACTION (mit zwei Preisen ausgezeichnet) eines der spannendsten und außergewöhnlichsten Dokumentarfilm-Projekte der letzten Jahre im Koki zu zeigen. Für den Film haben die Regisseure Guillaume Cailleau und Ben Russell lange mit der ZAD (Zone à défendre), einer französischen Aktivist*innengruppierung, die in den 2010ern Bekanntheit erlangte, gefilmt, gearbeitet und gelebt. Herausgekommen ist ein langer, genauer und vielschichtiger Film, der Klischees unterläuft und Bilder des Miteinanders, der Fürsorge wie des Protestes gleichermaßen zeigt. Die Thematik des Films reicht weit über Frankreich hinaus uns spiegelt eine globale Dynamik zivilen Ungehorsams wider, die in Deutschland etwa durch den Widerstand im Hambacher Forst ihr prominentes Gegenstück findet. Für die Vorführung haben wir den Regisseur Guillaume Cailleau am 12.4. eingeladen und freuen uns auf die Diskussion mit ihm.
Im Dezember 2025 ist Rosa von Praunheim gestorben. Mit seinem Film NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS, SONDERN DIE SITUATION, IN DER ER LEBT (1971) löste er einen Skandal aus, der gleichzeitig zum Gründungsmythos der modernen deutschen Schwulen- und Lesbenbewegung wurde. Der Filmemacher, Pionier des LGBTQ+-Aktivismus, hinterlässt uns ein umfangreiches und einzigartiges Werk. Im Koki ehren wir in Zusammenarbeit mit der SCHWULEN FILMWOCHE diese prägende Figur des deutschen Autorenkinos und laden dazu ein, den Künstler anhand von vier Schlüsselwerken (neu) zu entdecken: NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS, SONDERN DIE SITUATION, IN DER ER LEBT (1971, 8.4. & 11.4.), DIE BETTWURST (1971, 17.4.), MEINE MÜTTER (2007, 12.4.) und SATANISCHE SAU (2025, 11.4.).
Am Freitag laden wir herzlich zur Eröffnung unserer neuen Ausstellung in der Galerie ein. MOVING IN EVERY DIRECTION der Künstlerduo Roswitha Lüthi und Martin Solèr hebt eine utilitaristische und kapitalistische Wahrnehmung Alltagsgegenstände auf und verwandelt sie in eine kinetische Installation: Objekte bewegen sich auf unvorhersehbare Weise und laden das Publikum zur Interaktion ein sowie dazu, von dieser neuen, aus alltäglichen Dingen konstruierte Wirklichkeit faszinieren zu lassen. Um 19 Uhr zeigen wir im Kinosaal die Deutschlandpremiere von Florian Krautkrämers Film MOVING IN EVERY DIRECTION, der sich weniger als klassischer Dokumentarfilm versteht denn als visuelle Auseinandersetzung mit der Arbeit des Duos solerluethi, die die Ideen, die der Ausstellung Leben verleihen, auf der großen Leinwand zum Klingen bringt. Wir freuen uns auf den Besuch aller drei Künstler*innen bei der Filmpremiere und der Eröffnung der Ausstellung.
Last but not least zeigen wir am Dienstag ein Kurzfilmprogramm, das uns dazu anregt, darüber nachzudenken, was Kino ist und was es sein kann. Kuratiert von Neriman Bayram zeigen wir eine Auswahl von Kurzfilmen, die Bewegung und den Rhythmus im Zentrum stehen. Von den Pionieren der visuellen Musik (Oskar Fischinger) – seine Filme werden in 16mm gezeigt - bis zu den Meistern der filmischen Choreografie (Deren, Nekes) werden wir Filme sehen, die wie Partituren funktionieren. Es wird visueller Genuss, der das Kino als reine, rhythmische Kunstform feiert.
Wir sehen uns im Kino!