01/01/2026
Wir hoffen, dass ihr alle gut ins Neue Jahr gerutscht seid.
"Zwischen gestern und morgen
Ein Jahr geht zu Ende, und man weiß nicht recht, soll man das bedauern, oder soll man sich freuen.
Es gibt vieles zu sagen über ein vergangenes Jahr, denn ein Jahr ist lang, mit vielen Tagen und ebensovielen Nächten, mit unzähligen Mühen, mit manchem Versagen, mit soviel Sehnsucht und mit so vielen Wünschen, mit beglückender Erfüllung und bangem Entsagen, mit vergeblichen Versuchen, mit gebuchten und gefeierten Erfolgen, mit bitterer Enttäuschung.
Alles Gute und Schöne des Jahres wollen wir sammeln und wie Blumen, von der Wiese unserer Träume gepflückt, zu einem Kranze winden, den wir uns aufheben: unser Stolz, unser Glanz, und unser Trost an düsteren Tagen.
Das gewesene Leid und die Schmerzen, Ku**er und Sorgen wollen wir zwischen die Blumen stecken. Es mögen die Dornen an den Rosen sein, die uns gemahnen, wie zerbrechlich das Glück, wie wertvoll es ist.
Das Begonnene oder nicht ganz Geschaffte wollen wir weitermachen und nicht verzagen am guten Werk. Einander ermuntern und stärken, helfen und stützen und wieder aufrichten, was gebeugt oder daniederliegt. So bieten sich freudige Aussichten für das kommende Jahr. Wir wollen ihm zuversichtlich entgegengehen.
Es wird auch im kommenden Jahr viel Gutes um uns sein. Das wollen wir begrüßen und nie unbemerkt lassen. Wir wollen darauf hinweisen und uns daran aufrichten. Wir wollen es pflegen und verehren und die Menschen, von denen es kommt, in unser Herz schließen. Denn sie sind Spender der guten Saat, die guten Hirten in Bedrängnis und Verirrung. Ihnen wollen wir unser ganzes Vertrauen schenken, den schönsten Lohn für das Gutsein.
Es wird im neuen Jahr auch Wunden geben, an Leib und Seele, bei uns selbst und bei anderen. Ich will nicht sagen, wir wollen mutig sein. Denn Mut ist eine Gnade, die man nicht einfach wollen oder nicht wollen kann, um die man beten muß. Ich meine, wir sollten Geduld haben. Die kann man lernen. Wir solllten barmherzig sein. Die Barmherzigkeit zählt zu den schönsten Tugenden des Menschen. Sie legt sich wohltuend auf jede Wunde des Leibes und der Seele. Sie öffnet dem, der sie übt, liebende Herzen.
Es werden im neuen Jahr auch Dinge um uns herum geschehen, die häßlich sind. Manches wird sich vielleicht verhindern lassen, manches abmildern aus redlichem Herzen. Das meiste aber wird geschehen, ohne daß wir es ändern können. Dann wollen wir uns nicht in häßlichen Reden darüber aufhalten, sondern uns schämen, schämen für die, die doch unsere Nachbarn, Bekannten oder gar Verbündete unseres Glaubens sind.
Haltet euch diejenigen vom Leibe, die mit Spott und Hohn den Glauben vergiften. Die so tun, als gehörten sie dazu. In Wirklichkeit aber schänden sie das Heilige. Hütet euch vor solchen, die Freundschaften zerstören, aus Neid, Eifersucht oder Habgier. Der Teufel sucht von jeher Bundesgenossen.
Kein Mensch ist so "heil-ig", daß ihn die Kräfte des Bösen nicht berühren könnten. Heiligkeit bedeutet nicht Immunität. Das lehren uns diejenigen, die wir als Heilige verehren. Grade sie waren den Angriffen des Bösen in dauernder Bedrohung ausgesetzt. Der Teufel kümmert sich nicht um Minderwertiges. Das wäre er selbst. Wen interessierte das schon! Man findet das, was man sucht. Wer sich selbst sucht, findet sich selbst. Doch was hat er damit gefunden?
Wir selbst werden auch im neuen Jahr nicht freibleiben von eigener Schuld. Wir wollen nicht allzulange über fremde Gründe nachgrübeln und versuchen, uns frei-zusprechen. Allgemeine Schuldbekenntnisse mögen gut gemeint sein, spülen aber über die persönliche, eigene Schuld hinweg. Mit dem Wort "Schuld" sollte man nicht umgehen, als handele es sich um einen Versprecher. Was bleibt, ist immer der Fleck in der eigenen Seele. Wenn im Vaterunser von "unserer" Schuld die Rede ist, dann sind wohl die beiden gemeint, die es angeht. Für sich allein klänge es besser: "Vergib mir meine Schuld, wie auch vergebe meinem Schuldiger!"
Dies nun als Aussicht in das neue Jahr:
Es wird viel verdunkelt sein.
Die täglichen Nachrichten lassen kaum Platz für Freude oder für Dank.
Sie machen Angst. Aus Angst aber ist noch nie eine lebensgestaltende Kraft gewachsen.
Lassen wir uns bei allem Schlimmen, was in der Welt geschieht, nicht einschüchtern im Glauben an das Gute.
Wir haben Gott auf unserer Seite.
Das klingt fast vermessen, aber es ist so.
Gehen wir in das neue Jahr mit der Frohen Botschaft im Herzen!"
Hans Naczenski
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