08/05/2026
Im April hatten wir die große Ehre den nun 100-jährigen NS-Zeitzeugen Andrei Iwanowitsch Moiseenko und seine Lebensgeschichte besser kennenzulernen.
Als Rahmenprogramm zur Fotoausstellung von Christian Rothe, haben wir mit der Mieze Südlich zum Zeitzeugengespräch eingeladen. Neben einer kurzen Einführung unserer Gedenkstätten-Leiterin Nicole Schönherr-Trenkmann, beleuchtete unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Rike Schreiber das Thema Zwangsarbeit, das in Forschung und Vermittlung von vielen Leerstellen geprägt ist. Diese müssen mit einer Erinnerungskultur gefüllt werden, die ideologische, wirtschaftliche, lokal- und globalpolitische Ebenen verknüpft, um die Nationalsozialistische Gesellschaft umfänglicher zu verstehen.
Iwanowitsch Moiseenko erzählte eindrucksvoll, wie er als jugendlicher Waisenjunge von den N***s ins Reich zur Zwangsarbeit verschleppt wurde und wegen vermeintlicher widerständischer Organisation ins KZ Buchenwald kam.
Er überlebt, doch auch nach der Befreiung, in der Sowjetunion, werden dem nun jungen Erwachsenen Steine in den Weg gelegt. Andrei führt ein bewegtes Leben, qualifiziert sich, verliebt sich, engagiert sich - und beginnt in seinen 90ern, die Welt zu bereisen und noch einmal ALLES zu sehen, was diese Welt zu bieten hat.
Unser Dank geht auch an Filmemacher Hannes Farlock, der die Übersetzung für Andrei übernahm und mit seinen beiden Dokumentarfilmen Andreis Geschichte erzählte.
Fotos: Christian Rothe