27/04/2026
Und noch ein großartiger Neuzugang! Mit toller Geschichte - hier ist sie:
„Der kleiner Drache aus Charkiw
Aufgrund seiner charmanten Form wurde dieser Gießkannendrache vom Museumsteam online erworben. Erst nach Erhalt der Sendung stellte sich heraus, dass das Objekt den weiten Weg aus dem ukrainischen Charkiw nach Gießen zurückgelegt hatte.
Bemerkenswert war bereits die Verpackung: Die Kunststofffolie war mit der traditionellen „Brokar-Stickerei“ verziert – einem rot-schwarzen Blumenmuster. In der ukrainischen Symbolik steht Rot für Liebe, Lebensenergie und Schutz, während Schwarz die fruchtbare Erde und das Gedächtnis der Generationen verkörpert.
Im Rahmen einer Recherche konnte eine ukrainische Praktikantin des Museums per WhatsApp Kontakt zur Vorbesitzerin herstellen. Diese berichtete, dass sie die Gießkanne bereits vor der russischen Invasion bei einer Auktion ersteigert hatte. Das Stück weckte in ihr nostalgische Gefühle: In den 1980er-Jahren wurden Gießkannen in der Ukraine oft genutzt, um Kindern das Baden zu verschönern.
Tatsächlich war die Gießkanne ein fester Bestandteil der sowjetischen Badepraxis jener Zeit. Medizinische Richtlinien des Gesundheitsministeriums der UdSSR (Minzdraw) empfahlen ausdrücklich, das Bad von Kleinkindern mit einem Abgießen zu beenden. Hierfür wurden allgemein Gießkannen mit gelochtem Aufsatz verwendet, da der sanfte „Regen“ die Kinder nicht erschreckte. Diese Methode war zudem Teil eines Systems zur Abhärtung und Stärkung des Immunsystems: Durch das schrittweise Senken der Wassertemperatur beim Abspülen sollte die Widerstandsfähigkeit gegen Erkältungskrankheiten erhöht werden. Da spezialisierte Babyartikel oft Mangelware waren, wurden gewöhnliche Haushaltsgegenstände wie Gießkannen zu unentbehrlichen, multifunktionalen Hilfsmitteln bei der Kinderpflege.
Gleichzeitig dienten sie jedoch auch ganz klassisch der Pflege von Zimmerpflanzen.“
Herzlichen Dank an Viktoria, unsere Praktikantin, für ihren Einsatz!