Das Heimatmuseum Hohenahr

Das Heimatmuseum Hohenahr Erforschung und Darstellung der Heimatgeschichte sowie Unterhaltung und Betrieb des Heimatmuseums. Gegründet am 10.09.1986

Geschichte und Kultur aus Ahrdt Altenkirchen Erda Großaltenstädten Hohensolms Mudersbach. Zweck des Vereins ist die Erforschung und Darstellung der Heimatgeschichte sowie Unterhaltung und Betrieb eines Heimatmuseums.

Quetschehoink, 3. TeilDie Kinder hatten bis dahin nur interessiert zugeschaut und gelauscht. Wenn das „Hoinkkochen“ zu E...
26/07/2025

Quetschehoink, 3. Teil

Die Kinder hatten bis dahin nur interessiert zugeschaut und gelauscht. Wenn das „Hoinkkochen“ zu Ende ging, erzählte man ihnen, dass sie den geleerten Kessel später auslecken dürften. Dazu wäre eine Leiter nötig, um in den Kessel zu steigen.
Man gab vor, diese „Hoinklaader“ weiterverliehen zu haben und schickte die Kinder auf der Suche in der Nachbarschaft von Haus zu Haus. Die Nachbarn begrüßten sie freundlich und streichelten ihnen beim Zureden die Backen, ohne dass die Kleinen gemerkt hatten, wie die Hände der Erwachsenen vorher am Aschekasten schwarz gefärbt wurden. Nun lachten sie sich gegenseitig aus über ihre berußten Gesichter und gingen weiter auf die Suche nach der kleinen Leiter. Manche Kinder kamen tatsächlich mit einer Holzleiter zurück und standen dann ratlos vor den lachenden Erwachsenen.
Ein paar Zuckerrüben wurden extra für den „Hoink“ angebaut und ihr Saft verfeinerte den Geschmack. Damit der „Hoink“ nicht so sauer war, gab man in manchen Familien einfach Zucker dazu. In vielen Häusern wurden die Pflaumen mit Birnensaft zusammen gekocht, weil meistens ein Birnbaum im Garten stand. Die Kelter zum Pressen der Birnen lieh man sich aus. Ich für meinen Teil habe diese Sorte „Hoink“ am liebsten gegessen. Er schmeckte ein bisschen lieblicher als der reine „Quetschehoink“.

Der Honig musste nach dem Kochen herausgeholt werden. Er kam dann in hohe, braune, irdene Töpfe. Wenn er abgekühlt war, wurden die Töpfe mit einem Tuch bedeckt und zugebunden. So wurde er auf dem Kellerregal aufgehoben, der wichtigste Brotaufstrich. Er schmeckte eigentlich das ganze Jahr über und besonders direkt nach dem Kochen. Eines ist klar: So ein frisch gebackenes Bauernbrot mit Butter und dem hausgemachten „Quetschehoink“ bestrichen ist heute noch ein Hochgenuss.
Ich weiß noch, dass im Herbst aus jedem Waschküchenfenster der Geruch von frischem „Hoink“ herausströmte. Dann konnte man den Vorgang schon von weitem schnuppern und es war nicht der schlechteste Geruch, der sich durch die Gassen verbreitete.
Dieses fruchtige Aroma in der Luft hielt sich vom September bis Oktober wie ein Schirm über dem ganzen Dorf und es war nicht der schlechteste Duft.

„Es gebbt naud Besseres, wej wos Goures“

Quetschehoink, 2 TeilBei der Arbeit wurde schon gemunkelt, wo sich eine heimliche Liebe angebahnt hatte und wie man die ...
17/07/2025

Quetschehoink, 2 Teil

Bei der Arbeit wurde schon gemunkelt, wo sich eine heimliche Liebe angebahnt hatte und wie man die Kerne hier verwenden wollte. In der Nacht wurden dann die Zwetschenkerne auf der Straße von einem zum anderen Haus der Verliebten gestreut. Manchmal ging das „Pfädchen“ durch das ganze Dorf, so dass man gut erkennen konnte, welche beiden jungen Leute etwas miteinander hatten. Wenn es nur ein Gerücht war, kam es zu peinlichen Szenen, die man besser vermieden hätte.

Sehr früh am nächsten Morgen kamen die gekernten Pflaumen in den Kessel. Darunter brannte schon das Feuer. Natürlich hatten die Früchte über Nacht etwas Flüssigkeit gebildet, sonst wären sie sofort am heißen Rand festgeklebt. Und schon ging es los, das ständige Rühren mit einem dicken Stab. Zwölf bis fünfzehn Stunden lang!! Einen solchen Rührlöffel kann man bei uns im Heimatmuseum in Großaltenstädten sehen. In manchen Dörfern benutzte man den „Hannebambel“, den Rührstab mit einer Stütze, der die Arbeit leichter machte.
Das Rühren war eine Tätigkeit, für die man zuverlässige und ausdauernde Personen brauchte. Anfangs war es einfach, wenn die duftende Brühe noch leicht zu bewegen war. Aber nach und nach dickte sie immer mehr ein und der Hoink war nun schwerer zu rühren. Ein Nickerchen am Kessel hätte verheerende Folgen gehabt, die Masse wäre angebrannt und kaum noch zu retten gewesen. Was das Schüren des Feuers unter dem Kessel anbelangt, brauchte man viel Fingerspitzengefühl. Ein kleines Scheit Holz zu viel hätte die Temperatur in die Höhe getrieben, der „Hoink“ wäre angebrannt und das Geschrei groß gewesen.
Jedenfalls durfte der zähflüssige Brei im Kessel nur ganz leicht kochen. Besser gesagt, nur brodeln, nicht kochen und kaum Blasen bilden. Aufgepasst hieß es, wenn das Zeug im Kessel zu spritzen begann und das ging sehr schnell. Schon ein paar Spritzer auf der blanken Haut taten höllisch weh und führten zu Blasen. Deshalb hatte man vorher an der Wand in der Nähe des Kessels Zeitungspapier angebracht. Sonst hätte die Wand hässliche, braune Flecke bekommen.
Uns Kindern wurde immer erzählt, dass der „Hoink“ beim Kochen reden würde. Und es hörte sich tatsächlich so an, als er begann, vor sich hin zu blubbern. So als müsste er dringend reden, sprichwörtlich „Dampf ablassen“. Die Blasen platzen mit einem leisen „Plubb“ – Geräusch.

Der Kupferkessel, der auch als Wasch- und Wurstkessel benutzt wurde.

Quetschehoink, 1. TeilIch möchte davon erzählen, wie früher Pflaumenmus gemacht wurde. Das war bei uns der häufigste Bro...
12/07/2025

Quetschehoink, 1. Teil

Ich möchte davon erzählen, wie früher Pflaumenmus gemacht wurde. Das war bei uns der häufigste Brotaufstrich und der wurde im Dorf „Quetschehoink“ genannt.

Die wichtigste Einrichtung war der große Kessel in der Waschküche, meistens in gemauerter Form. Hatte man einen kupfernen Bottich, dann musste er gründlich geputzt werden. Danach glänzte er so prächtig, dass man sich da drin betrachten konnte. Mitte Oktober, wenn die Herbstwinde die meisten Quetschen schon von den Ästen geweht hatten, holte man sie herein. „Schrumpelig“ müssen sie sein, sagte die Großmutter.
Aber einige der reifen Zwetschen wollten gepflückt werden und wenn nicht, dann hat man sie einfach heruntergeschüttelt. Dann wurde es mühselig. Die meisten waren ins dürre Gras gefallen und mussten mit klebrigen Fingern herausgefischt werden. Wenn man genug Zwetschen für einen Kessel zusammen hatte, wurde die Sache beendet. Im Hausflur, nahe bei der Küchentür, standen später die gefüllten Weidekörbe.
Am Abend vor dem „Hoinkkochen“ wurden die „Quetsche“ in der Küche auf mehrere Schüsseln verteilt. Gemeinsam mit Freundinnen und Nachbarinnen setzte man sich um den Tisch in der Küche und jede hatte eine gefüllte Schüssel vor sich. Manchmal kam auch die Verwandtschaft dazu. Es war so ähnlich wie beim Schlachten, man half sich auch gegenseitig beim Entkernen.
Die wurmstichigen Früchte mussten aussortiert werden. Wenn sie überreif waren, dann reichte es schon, wenn man darauf drückte und der Kern kam einfach heraus.
Die meisten Zwetschen wurden aber mit einem „Kneipchen“, dem mitgebrachten Küchenmesser aufgeschnitten.
In der Mitte der Runde stand eine große Schüssel oder Wanne. Hier wurden die gekernten Pflaumen hineingeworfen. Daneben stand eine Schüssel für die Kerne. Das Schönste bei der Entkernerei waren aber die Späße und lustigen Geschichten, die dabei erzählt wurden. Da war kein Überdruss und Stöhnen bei der Arbeit. Im Gegenteil, es wurde viel gelacht und manches Lied gesungen. Natürlich wurden auch die Neuigkeiten aus dem Dorf ausgeplaudert und was die eine nicht wusste, das wusste der Eine oder die Andere.

Luther und der Schwan, Teil 2/2Das Original des Vertrages zum Erdaer Bild wird im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesba...
04/06/2025

Luther und der Schwan, Teil 2/2

Das Original des Vertrages zum Erdaer Bild wird im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden aufbewahrt und dort konnten wir nachlesen, dass der Maler dafür 28 Taler aus der Kasse der Kirchengemeinde erhielt. Dieser Betrag wird in seiner Höhe erst fassbar, wenn wir den Arbeitslohn eines Handwerkers zum Vergleich heranziehen. Ein Leinweber saß damals im Sommer 11 Stunden und im Winter 8 Stunden am Webstuhl und das an 6 Tagen in der Woche. Dafür erhielt er 2 Taler und 3 Silbergroschen am Ende der Woche und hatte oft eine Familie mit zahlreichen Kindern durchzubringen. Für den Preis des Lutherbildes hätte er also 13 Wochen und 2 Tage arbeiten müssen. Hierbei sind die Verhältnisse der Zeit, in der das Bildnis erstand, noch nicht berücksichtigt.
Vier Jahre vorher, also 1842, war auch unsere Gegend von einer extremen Dürre und Missernte betroffen. Wilhelm Lapp notierte aus Berichten von älteren Bewohnern in seiner Chronik von Erda (1977 veröffentl.) über dieses schlimme Jahr: „Die Not war so groß, dass die Quecken (Unkraut) auf dem Felde getrocknet und nachher gemahlen und zu Brot gebacken wurden.“ Das Brotgetreide war kaum gewachsen und am Halm vertrocknet. Unter vielen Dächern herrschte Not und die verzweifelte Suche nach einem Ausweg. Sogar die „bessergestellten Familien“ waren verschuldet. Weil sie kaum Futter für das Vieh fanden, mussten viele Bauern die meisten Tiere als Schlachtvieh verkaufen und erhielten wegen des Überangebotes nur wenig Geld dafür.
1847, als der Maler das Bild nach Erda brachte, litt das Dorf unter einer großen Nässe. Unglaubliche Regenmengen müssen damals die Kartoffelernte begleitet haben. Man baute sich Hütten auf dem Feld, um die wenigen Kartoffeln z.B. „vor dem Berg“ in kurzen Regenpausen aus dem matschigen Boden zu holen. So wird berichtet. In der Kirche hängte der Maler das Bildnis unter der Fensternische im Chor auf. In der Fensternische hatte das Gemälde der Kreuzigung seinen Platz. Dort war damals eine feste, dünnere Wand und noch kein Fenster eingebaut.
Die Kirchenältesten Peter Jakob und Johannes Jakob besiegelten den Vertrag mit ihren Unterschriften. Pfarrer Friedrich Wilhelm Cellariuis (1812-1852) hat das Vorhaben vermutlich unterstützt, auch zu dem genannten Preis. Er war übrigens auch der Pfarrer, der die Linden in der Hintergasse pflanzte, die heute den Straßennamen „Zu den Linden“ trägt. In einer schwierigen Zeit haben die Presbyter in Erda das Bildnis für ihre Kirche in Auftrag gegeben. Das Vorhaben von damals hat unsere Zustimmung nicht mehr nötig, verdient aber unseren Respekt.

Der vorgesehene Platz für das Luther-Porträt ist im Foto mit einem Rechteck markiert. Die Restaurierung ist im Gange, die Finanzierung
macht uns noch Kopfzerbrechen. Wer uns unterstützen will, klickt folgenden Link an:
https://www.viele-schaffen-mehr.de/projekte/rettung-lutherbild-erda

Luther und der Schwan *Teil 1/2*Das Bild mit Martin Luther ist vielen Älteren in Erda noch in Erinnerung. Es hing 120 Ja...
24/05/2025

Luther und der Schwan *Teil 1/2*
Das Bild mit Martin Luther ist vielen Älteren in Erda noch in Erinnerung. Es hing 120 Jahre lang bis zur großen Renovierung 1966/67 in der Kirche. Zuletzt an der Stelle, wo heute das Gemälde der Kreuzigung zu sehen ist. Für mehrere Generationen war es ein vertrautes Stück Kirchenkultur. Das Lutherbild existiert noch, braucht aber eine Restaurierung.
Einige von uns Kindern und Jugendlichen fanden es schon merkwürdig, dass Luther auf der Abbildung einen Schwan neben sich hatte. Diese und andere Fragen zum Bild wurden nicht gestellt und verschwanden nach dem Gottesdienst auch schnell wieder aus dem Sinn.
Dabei verdienen das Bild und die Umstände seiner Entstehung näher betrachtet zu werden. Der Wetzlarer Maler Carl Stuhl (1808-1877) erhielt im November 1846 den Auftrag, ein Bildnis des Reformators Dr. Martin Luther anzufertigen. Carl Stuhl war nicht nur freischaffender Künstler als Maler und Zeichner, er unterrichtete auch am Gymnasium in Wetzlar. Im Vertrag hatte er zugesagt, in bestimmter Größe ein Porträt Luthers anzufertigen, das „zur Zufriedenheit der Gemeinde“ ausfallen werde und „das Urteil anderer Künstler“ bestehen könne.
Das Bild in Erda reiht sich in die zahlreichen Darstellungen des Reformators ein, die in vielen evangelischen Kirchen Deutschlands zu finden sind. Sie zeigen Luther mit der aufgeschlagenen Bibel und dem Schwan. Der aufgeschlagene Text wechselt, der Schwan kaum. Der Schwan tritt als Sinnbild für Jan Hus auf, den böhmischen Reformator und Wegbereiter von Luther. Etwa 100 Jahre vor Luther hatte sich der wortgewaltige Kritiker der römisch-katholischen Kirche 1415 auf den Weg nach Konstanz gemacht. Dort auf dem Konzil wollte er seine Lehre vor den versammelten Kirchenfürsten verteidigen. Kaiser Sigismund hatte ihm zwar „freies Geleit“ versprochen, trotzdem wurde er als abtrünniger Ketzer verurteilt und schließlich verbrannt. Jan Hus, so sagt es die Legende, soll auf dem Scheiterhaufen gerufen haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wir ein Schwan auferstehen.“ (tschechisch „Hus“ bedeutet Gans). Der Schwan wird als Vorhersage der Person Luthers gedeutet der die Reformation der Kirche umsetzt. Luther selbst hat sich zur Vorreiterrolle des Jan Hus bekannt und damit dieses Bildmotiv ausgelöst, leider auch seine bildhafte Verehrung. ..Teil 2/2 folgt demnächst...
(Bild: E1528b; Das Lutherbild von 1847, es ist in einem schlimmen Zustand. Deshalb befindet es sich bei der Restauratorin Sabine Kuypers in Fellingshausen.
Vor 5 Jahren hat sie eine Voruntersuchung des Gemäldes im Ev. Gemeindehaus in Erda durchgeführt und massive Schäden festgestellt.
Jetzt nutzen wir die Finanzierungsaktion "Viele schaffen mehr" der Volksbank Heuchelheim mit dem Spendenaufruf. ZU JEDER SPENDE BIS 50,- EURO legt die Bank noch einmal den gleichen Betrag obendrauf! Nun soll es endlich wieder in Ordnung gebracht werden.

Das muss gerettet werden !Es gibt in Hohenahr ein Objekt, dass unseren Großeltern und Urgroßeltern noch bekannt und vert...
23/05/2025

Das muss gerettet werden !

Es gibt in Hohenahr ein Objekt, dass unseren Großeltern und Urgroßeltern noch bekannt und vertraut war.

120 Jahre lang war es zu sehen, aber seit einigen Jahren nicht mehr. Ja, es ist einem schlechten Zustand und deshalb entfernt worden.

Näheres im Internet:

https://www.viele-schaffen-mehr.de/projekte/rettung-lutherbild-erda

Adresse

Erdaer Str. 2
Großaltenstädten
35644

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