16/06/2026
[💡 Unten gibt es den Text auch in Einfacher Sprache.]
Am 16. Juni 1944 stirbt Maria Czimochowska in der Tötungsanstalt Hadamar. Sie gehört zu jenen Menschen, über die wir nicht mehr viel wissen. Hinweise auf ihr Leben erhielten wir nur aus ihrer Krankenakte.
Anfang Mai 1940 wird Maria in die Landesanstalt Görden in Brandenburg eingewiesen. Sie ist zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt. Aus den Akten geht ihr Einweisungsgrund nicht mehr eindeutig hervor. Wir erfahren lediglich, dass sie vor ihrer Einweisung als Hausangestellte arbeitete. Schnell plagte sie dort das Heimweh nach Warschau. Denn Maria war als polnische Zwangsarbeiterin nach Deutschland gekommen.
In Görden hält der zuständige Arzt fest, dass eine Verständigung mit Maria nahezu unmöglich sei. Maria sprach nur polnisch. Eine polnisch sprechende Patientin versucht daraufhin zu dolmetschen. Maria erzählt ihr, sie habe zuvor in Warschau gelebt und sei „durch die Bomben verrückt geworden.“ Sie habe ein Haus gehabt, das durch deutsche Flieger in Brand gesetzt wurde. Inwiefern dies zutraf, bleibt ungewiss. Bei Marias körperlicher Untersuchung wird jedoch vermerkt, dass sie Brandwunden im Gesicht und an den Händen hat. Als Diagnose wird eine psychische Erkrankung festgehalten.
Nach nur drei Wochen wird Maria in die Anstalt Teupitz verlegt. Nach ihrem dortigen Aufenthalt wird sie im Sommer 1942 in die hessische Anstalt Eichberg gebracht. Ein Jahr später, im Herbst 1943 kommt sie nach Weilmünster. Auch hier bleibt Maria nicht lange. Während sie in Teupitz in der Waschküche arbeitet und als „fleißig“ gilt, scheint sich ihr Zustand in Eichberg und Weilmünster rapide zu verschlechtern.
Im Juni 1944 wird Maria mit vier weiteren Patientinnen und Patienten nach Hadamar verlegt – sie alle gelten als psychisch erkrankte Zwangsarbeitende. Laut den Eintragungen in ihren Krankengeschichten sollte von Hadamar aus der „Abstransport in die Heimat“ erfolgen. Innerhalb Hessen-Naussaus gilt Hadamar zeitweise als Sammelstelle für solche Rückverlegungen. Doch nur wenige werden tatsächlich verlegt. Wohin, lässt sich bis heute nicht klären, aller Wahrscheinlichkeit jedoch nicht in ihre Heimat.
Die meisten jedoch werden im Zuge der NS-„Euthanasie“ ermordet. So auch Maria am 16. Juni 1944.
Foto: Ein Portrait von Maria Czimochowska. LWV-Archiv, K 12, Nr. 411
[💡 Der gleiche Text einfacher]
Maria Czimochowska stirbt am 16. Juni 1944 in der Tötungs·anstalt Hadamar.
Dort werden viele Menschen getötet.
Über Maria wissen wir heute nur wenig.
Die Infos über ihr Leben kommen aus ihrer Kranken·akte.
Eine Kranken·akte ist eine Sammlung von Infos über die Gesundheit eines Menschen.
Im Mai 1940 kommt Maria in die Landes·anstalt Görden in Brandenburg.
Eine Anstalt ist eine Art Krankenhaus.
Damals ist sie 32 Jahre alt.
Der Grund für ihre Aufnahme ist heute unklar.
Vorher arbeitet Maria als Haus·angestellte.
Sie hat große Sehnsucht nach Warschau.
Warschau ist die Haupt·stadt von Polen.
Maria kommt als polnische Zwangs·arbeiterin nach Deutschland.
Zwangs·arbeit bedeutet:
Menschen müssen arbeiten.
Sie haben keine freie Wahl.
In Görden schreibt ein Arzt:
Ein Gespräch mit Maria ist sehr schwer.
Maria spricht nur Polnisch.
Eine andere Patientin spricht Polnisch.
Sie hilft beim Übersetzen.
Maria erzählt von ihrem Leben in Warschau.
Sie sagt:
Die Bomben haben sie krank gemacht.
Bomben sind Waffen.
Sie können große Schäden anrichten.
Maria erzählt auch von ihrem Haus.
Das Haus brennt nach einem Angriff durch deutsche Flugzeuge.
Heute wissen wir nicht sicher, ob das genau so passiert ist.
Bei einer Unter·suchung finden die Ärzte Brand·wunden.
Die Brand·wunden sind im Gesicht und an den Händen.
Die Ärzte schreiben auf:
Maria hat eine psychische Krankheit.
Eine psychische Krankheit betrifft das Denken, Fühlen oder Erleben eines Menschen.
Nach drei Wochen kommt Maria in die Anstalt Teupitz.
Im Sommer 1942 kommt sie in die Anstalt Eichberg in Hessen.
Ein Jahr später kommt sie nach Weilmünster.
Auch dort bleibt sie nur kurze Zeit.
In Teupitz arbeitet Maria in der Wasch·küche.
Die Mitarbeitenden beschreiben sie als fleißig.
Später wird sie immer mehr krank.
Im Juni 1944 kommt Maria mit vier weiteren Patientinnen und Patienten nach Hadamar.
Alle gelten als psychisch krank.
Alle leisten Zwangs·arbeit oder haben Zwangs·arbeit geleistet.
In den Akten steht:
Von Hadamar aus soll sie nach Hause kommen.
Von Hadamar sollen angeblich viele Leute nach Hause kommen.
Nur wenige Menschen reisen später wirklich weiter.
Bis heute weiß niemand genau, wohin diese Menschen gebracht werden.
Wahrscheinlich kommen sie nicht nach Hause zurück.
Viele Menschen werden während der sogenannten Euthanasie getötet.
Euthanasie war ein Verbrechen der N***s.
Die N***s ermorden dabei viele kranke und behinderte Menschen.
Maria gehört zu diesen Opfern.
Sie wird am 16. Juni 1944 in Hadamar getötet.
Foto: Ein Portrait von Maria Czimochowska. LWV-Archiv, K 12, Nr. 411