16/10/2026
Wie viele seiner Zeitgenoss*innen machte sich Lucio Fontana nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs auf die Suche nach einer neuen Bildsprache. Er machte das Trägermaterial, die Leinwand, selbst zum Thema: Er durchlöcherte sie, in späteren Arbeiten fügte er präzise Schlitze mit der Rasierklinge bei. Das Gemälde wird zum Relief. Fontana arbeitete zwar weiterhin traditionell mit Ölfarbe, stellte aber die Grenzen der Malerei grundlegend infrage: Wie viele Künstler*innen der Moderne verstand er das Bild nicht länger nur als ein Fenster in eine dargestellte Welt, sondern als ein reales Objekt im Raum. Durch die Löcher entsteht der Eindruck einer geheimnisvollen Tiefe. Gerade in der Nachkriegszeit verband sich diese Suche nach neuen Dimensionen mit der Hoffnung auf einen künstlerischen Neuanfang.
Das Werk ist in unserer aktuellen Ausstellung »This is the Modern World« zu sehen!
Lucio Fontana, Raumkonzept (Concetto spaziale), 1960, Hamburger Kunsthalle / ARTOTHEK / VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Foto: Christoph Irrgang