28/04/2026
Erich Spießbach ist einer der vielen Künstler*innen, die wir in unserer Sonderausstellung „Wer bin ich? Bilder der Identitätssuche“ zeigen.
Spießbach hatte als archäologischer Hilfsarbeiter zunächst in Gotha, dann in Münster für Grabungsberichte gezeichnet und Fundstücke restauriert. 1936 führte ein Streit mit seinem Vorgesetzten im Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster zur fristlosen Entlassung und zu einem Gerichtsverfahren, das der Angestellte gewann. In der Folge eskalierte jedoch die Auseinandersetzung, und Spießbach machte immer mehr gerichtliche Eingaben mit immer weniger nachvollziehbaren Beschwerden. Stattdessen wurden nacheinander drei Gutachten über seine geistige Verfassung angefertigt, die er später als 3faches „Idiotendiplom“ bezeichnete. 1943 entmündigte man Spießbach schließlich, und er kam mit der Diagnose „querulierender Paranoiker“ in die psychiatrische Anstalt Münster.
Nach seiner Verlegung nach Marsberg begann er 1951 zu zeichnen. Dort hatte ihn der junge Psychiater Manfred in der Beeck (1920–2004) mit Zeichenmaterial versorgt und großes Interesse an seinem eigenwilligen Humor gezeigt. Das spornte Spießbach an, innerhalb weniger Monate mehr als 300 humoristisch-sarkastische Zeichnungen zu schaffen.
Spießbach sah sich ermutigt, auf diesem Kommunikationsweg seinen Wunsch nach Entlassung zu formulieren. Wegen dieses Vertrauensbruchs stellte Spießbach jegliche Zeichentätigkeit ein.
1956 stürzte Spießbach bei einem Fluchtversuch durchs Fenster ab und verstarb an einer Kopfverletzung.
Bilder: Erich Spießbach, Ohne Titel [Selbstporträt], 1933, Inv.Nr. 8542/48 (2015); „Echte Tobzelle“, 1952, Inv. Nr. 8542/350 (2015) © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg