08/05/2026
Fokus am FREITAG: Passagier-Billet für die Schnellpost und Post-Karte von Kleve-Jülich-Berg
Düsseldorf im Mai ist sicher eine Reise wert. Das dachte sich wohl auch ein gewisser Herr Stein, der am 10. Mai 1834 eine Fahrkarte von Jülich nach Düsseldorf buchte. Bis zur Einführung der Eisenbahn bedeutete dies aber die beschwerliche Reise mit der Postkutsche.
Jülich, an der Straße von Köln in Richtung der Niederlande, war ein wichtiger Etappenort der Postverbindungen. Spätestens Ende des 17. Jahrhunderts hatte Jülich eine Poststation. 1747 wurde die Stadt an das Netz des Hauses Thurn und Taxis angeschlossen. Unsere Karte des Post-Netzes von Kleve-Jülich-Berg zeigt die verschiedenen Postrouten durch Jülich: Fahrpost, Reiterpost und Schnellpost.
Einmal täglich ging eine Schnellpost-Kutsche nach Köln ab. Unser Herr Stein nahm die Schnellpost nach Düsseldorf über Neuss, die ebenfalls täglich fuhr. „Schnell“ ist dabei relativ: die Fahrzeit nach Köln dauerte 8 Stunden, nach Düsseldorf brauchte man gar 9,5 Stunden. Die Fahrpost war um einiges länger, sie brauchte bis Köln ganze 12 Stunden.
Nicht zu unterschätzen sind neben der Dauer die Strapazen einer Überland-Reise. Ob Goethe, Immermann oder auch Johann Wilhelm Schirmer: alle haben uns Zeugnisse über ihre Reisen mit der Postkutsche hinterlassen, in denen sie sich über Schaukeln, Stoßen, Lärm oder die ruppigen Postkutscher beschweren.
Dabei waren im 19. Jahrhundert die schlimmsten Zeiten schon vorüber, da die Kutschen mittlerweile meist gefedert waren und die Pflasterung der Straßen deutliche Fortschritte gemacht hatte.
Der Aufstieg der Eisenbahn leitete das Ende des Postkutschenwesens ein, war die Bahn doch schneller und komfortabler. Doch der Wechsel vollzog sich nicht schlagartig. So wurde z.B. Düren nur wenige Jahre nach Herrn Steins Reise, nämlich 1841 durch die Bahn erschlossen, während Jülich noch bis 1873 auf die Eisenbahn warten musste.
Bildnachweis: Inv.-Nr.: MZJ 2003-0076 und -0095.