18/08/2026
Fragt am Priwallufer nach. Nach dem zweiten Köm kriegt ihr es.
Sie hat eine Schwester gehabt, sagen sie. Aus demselben Eisen, dieselbe Straße um die Welt, und gesehen haben sie sich ein einziges Mal, im April siebenundfünfzig, mitten im Atlantik. Im September ist die Schwester dann untergegangen. Achtzig Mann.
Sie war zur gleichen Stunde selbst draußen. Gesehen hat sie es nicht. Und keiner konnte es ihr sagen.
Musste auch keiner. Das Wasser hängt zusammen, Ihr Leute, alles davon, und was auf dem einen Ende passiert, kommt am anderen an. So kam es durch den Rumpf. Es stieg hoch, und die Masten glühten so weit übers Meer, dass man es in drei Ländern gesehen hätte, wenn einer hingeguckt hätte. Ja, so schreit ein Schiff.
Nun liegt sie hier fest, sechsundsechzig Jahre, Anker im Beton, und kriegt keinen Ton raus. Aber wenn der Wind auf Südwest dreht, von da, wo die andere liegt, dann wird sie unruhig. Dann wartet sie, dass einer den Namen sagt.
Und irgendwann sagt ihn einer. Muss keiner sein, der was weiß. Nein ein Kind reicht. Oder ein Narr. Muss auch nicht laut sein. Der Wind kann den Namen vollständig verschlucken – sie hört ihn trotzdem.
Dann geht es wieder hoch. Von unten nach oben, rot durch Masten und Rahen. Und das ist kein Licht, das ist eine Stimme. Eines Schiffes Schrei.
Es dauert nicht lange, ein paar Minuten. Dann liegt sie wieder still und wartet aufs nächste Mal. Wenn der Wind wieder steht. Und das Kind wieder red't.
Und der da draußen auf den Dalben, der weiß das alles. Der steht seit Jahren neben ihr im Wasser, Hand an der Stirn, und guckt. Weil er hofft...