11/01/2026
Der Weg nach Bagdad: Ein farbiges Zeugnis unter dunklen Wolken
Von Assem Alrubeiy
Im Jahr 2003, als meine Heimat unter der Last schwerer Stunden stöhnte, besaß ich nichts als meinen Pinsel, um dieses emotionale Erdbeben auszudrücken. Ich erschuf mein Werk „Der Weg nach Bagdad“ als eine spirituelle Brücke, die mich mit den Meinen verbindet – ein Versuch, meinen stummen Schrei zu übersetzen, während ich das Geschehen aus der Ferne beobachtete, hin- und hergerissen zwischen Angst und bangem Warten.
In diesem Werk ist die Farbe Schwarz nicht bloß ein Pigment, sondern der Protagonist eines gewaltigen Dramas. Ich habe sie eingesetzt, um zwei extreme Gegensätze künstlerisch zu vereinen. Auf der einen Seite steht das Schwarz der Bedrohung, das im oberen Teil des Bildes in scharfen, spitzen Formationen erscheint. Wie dunkle Schatten ersticken diese Formen den Himmel der Stadt und legen ihre Alb traumhafte Schwere über die Köpfe der Unschuldigen. Dem gegenüber tritt an der Seite des Bildes eine Frau in ihrer schwarzen Abaya hervor. Sie ist eine lebendige Heraufbeschwörung meiner Mutter und ein Symbol für Standhaftigkeit, Beständigkeit und jene edle Trauer, die die Trümmer der Seele inmitten der äußeren Not zusammenhält.
Der rechte Teil des Gemäldes wird von der Gestalt eines hageren Menschen dominiert, der eine übermenschliche Anstrengung unternimmt, um andere zu retten und sie aus einem dunklen Schacht zu befreien. Die bewusste Entscheidung, ihn so hager darzustellen, verkörpert unsere menschliche Hilflosigkeit gegenüber gewaltigen Kräften. Er repräsentiert den Versuch, mit bloßer Brust jene zu schützen, die wir lieben, und uns an eine zerbrechliche Hoffnung zu klammern. Diese Hoffnung versucht, die gequälten Seelen zu jenem weißen Leerraum zu drängen, der als einziger Ausweg aus der Tiefe der Not erscheint.
Um diesen Schmerz greifbar zu machen, habe ich einen heftigen expressionistischen Stil gewählt. Die Gesichter stoßen einen kollektiven Schrei aus, während die warmen Farben Rot und Orange wie Spuren des Lebens inmitten der Asche leuchten. „Der Weg nach Bagdad“ ist somit mein künstlerisches Zeugnis für den Moment, in dem persönlicher Schmerz mit einer nationalen Tragödie verschmilzt und die Erinnerung aus dem Staub des Vergessens gerettet wird.
Dieses Werk ist mehr als nur ein Gemälde; es ist meine persönliche Reise zurück zum Ursprung und mein visuelles Gebet für eine Stadt, die von schweren Prüfungen heimgesucht wurde. Es ist der Schrei der Entschlossenheit, der in uns allen wohnt und der sich trotz aller Schwäche weigert, die anderen zurückzulassen. Es bleibt meine Botschaft an die Welt, das verbliebene Licht zu bewahren, damit der Mensch nicht ewig ein hagerer Kämpfer bleiben muss, der verzweifelt versucht, der Dunkelheit zu entkommen.