27/02/2025
Im Rahmen der Veranstaltung „Tage des Exils“, organisiert von der Körber-Stiftung in Hamburg, fand gestern, am 26. Februar, im Stammhaus der Stiftung ein interessanter Vortrag über den Fotografen Max Halberstadt statt. Dieser wurde im Jahre 1882 in Hamburg geboren; und legte eine fulminante Karriere als Fotograf hin, ließ sich bereits im Alter von 25 Jahren mit einem eigenen Atelier in einer der besten Adresse in der Hamburger Innenstadt nieder: am Neuen Wall, Ecke Bleichenbrücke. Kunstvolle Fotografien von Menschen, Räumen, der schönen Stadt Hamburg, auch eindrucksvolle Werbefotografie im Stile des Art déco. Eines seiner bekanntesten erhaltenen Portraits ist jenes von Sigmund Freud; dessen Tochter Sophie er 1913 ehelichte.
Leider kam es, wie es kommen musste, als die N**i 1933, demokratisch gewählt, an die Macht kamen und die Demokratie innerhalb weniger Wochen dekonstruierten und abschafften. Denn Max Halberstadt war jüdischen Glaubens; ein feinsinniger, kunstliebender Mann, der im menschenverachtenden System der N**i – wie so viele Millionen andere Menschen auch – untergingen.
Den eindrucksvollen Vortrag gestern hielt der freie Literaturwissenschaftler und Kurator Wilfried Weinke; ein Freund unseres Hauses. Begleitet von einem weiteren Freund: unserem Ausstellungsgestalter Uwe Franzen. Eine der Besonderheiten des Vortrags gestern war, dass auch Uwe mit auf der Bühne stand; und gemeinsam mit Katharina Schütz den Vortrag besonders interessant und lebendig werden ließ. Ein Genuss, im Publikum zu sitzen und zuzuhören!
Uwe Franzen hatte vor rund vier Jahren im Museum für Hamburgische Geschichte eine Ausstellung zu Max Halberstadt umgesetzt; kuratiert von Wilfried Weinke. Ein beeindruckendes Team, und, wie die beiden es gestern im Nachgang des Vortrags, bei Fragen aus dem Publikum wissen ließen, eine seit dreißig Jahren bewährte Freundschaft. Für uns war es eine Freude, neben dem Vortragenden auch unseren Museumsgestalter auf der Bühne zu erleben; denn damit verbunden war das Gefühl, wie eng wir Menschen miteinander vernetzt und verwachsen sind.
Der spätabendliche Blick gestern Abend noch in die heutige Zeitung war dann ernüchternd; lautete doch eine der Überschriften „Omas gegen Rechts im Visier der CDU und CSU“, begleitet von der Unterzeile „Die Union im Bundestag stellt Fragen zur Finanzierung von gemeinnützigen Organisationen – und löst so Empörung aus.“ Nach dem Erstarken der AfD und den Einzug Rechtsextremer in unser Parlament in Berlin – u.a. Menschen, die sich als „das freundliche Gesicht des Nationalsozialismus“ bezeichnen, gemeint sind die AfDler Helferich und Krah – ist das alles nur noch schwer erträglich.
Wir sollten hier, auf dieser Seite, eigentlich aus unserem Museum berichten. Wir könnten erzählen, dass wir im Magazin nun endlich so weit sind, dass wir den ersten Schwung Exponate aus dem Lagerraum auf der Hitzler Werft in das Hauptdepot in unserem Museum zurückbringen können. Dass wir einen tollen Praktikanten zur Unterstützung haben. Dass wir endlich das Grenzgeschichte(n)-Projekt abgeschlossen und uns längst in der Planung weiterer Ausstellung befinden. Dass das Künstlerhaus in diesem Jahr mit dem Raddampfer Kaiser-Wilhelm zusammenarbeiten und auf Fahrt gehen wird. Dass wir einen sehr interessanten Besuch aus Stralsund empfangen hatten. Dass wir bereits jetzt mit den Vorbereitungen unseres 100-jährigen Museumsjubiläums zu arbeiten begonnen haben. Dass wir mit den Vorbereitungen zum nächsten kommen Jugend-Projekt, einem Memory-Walk, in Gange sind. Dass wir auf eine externe Förderung von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur warten, wo wir einen Antrag eingereicht hatten. Dass die Jugendlichen der Albinus-Schule jetzt ihren Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten einreichen werden. Dass Kolleg*innen der Flussschifferkirche in Hamburg uns dabei unterstützen, den Nachlass des französischen Zwangsarbeiters, der im zweiten Weltkrieg auf einem Lauenburger Binnenschiff eingesetzt wurde, ins Deutsche übersetzt wird. Dass wir zwei tolle neue Ehrenamtliche in unseren Reihen zur Unterstützung haben, die sich jeder für sich Aufgaben annehmen, von denen die eine über Jahre schlichtweg links liegengelassen werden musste. All das ist unglaublich schön und hilfreich, jedes Mal vor allem ein Treffen mit tollen Menschen. Angesichts der oben benannten politischen Ereignisse sind all dies, so scheint es zuweilen, sehr zarte Pflänzchen, kleine Insel der Freundlich- und Mitmenschlichkeit im wirren Ganzen.
Martin Luther wird der Ausspruch zugesprochen, dass er auch dann noch ein Apfelbäumchen pflanzen würde, wenn die Welt morgen unterginge. Machen also auch wir uns daran, weiterhin Apfelbäumchen zu pflanzen. Denn sie wird morgen ja auch nicht untergehen, die Welt, auch, wenn die populistischen politischen Lösungswege zuweilen schwer erträglich sind. Tröstlich deshalb, dass um uns herum viele gute Kräfte am Wirken sind, die es genauso halten, wie wir es wollen. Unermüdlich weiterarbeiten am einem guten und einträchtigen Miteinander, interessanten Projekten und sinnvollen Aufgaben zugewandt, an das Gute glaubend. Eine Ausstellung zum 80. Jahrestag des Kriegsendes steht für uns an, die Vorarbeiten zum Memory-Walk, einen vom Anne-Frank-Haus im Berlin entwickelten Format, mit welchem wir mit den JUZ in Lauenburg zusammenarbeiten wollen. Museumsarbeit, auf die wir uns freuen.
Max Halberstadt verließ 1936 seine Heimat, immigrierte nach Süd-Afrika. Dort versuchte er, ein neues Leben zu beginnen; starb aber bereits 1940. Seine Frau blieb dort, sie überlebte dort das sinnlose Morden der N**is. Gott sei Dank gibt es viele Menschen wie Wilfried Weinke und Uwe Franzen; Menschen, die sich für die Mitmenschlichkeit einsetzen und sich für Kultur engagieren. Schön, dass wir von diesem Schlage so viele auch in unserem schönen Museum um uns herum wissen.
Arbeiten wir daran, dass es so weitergehen kann.