09/05/2026
📅Historisches Kalenderblatt
09.05.1963: Sprengung des Johanniskirchturms
Am 9. Mai 1963 fiel der Johanniskirchturm auf dem gleichnamigen Platz der Kulturbarbarei der DDR zum Opfer.
Am 28. März 1897 wurde die „neue“ Johanniskirche geweiht, der vielleicht schönste Leipziger Kirchenneubau um 1900. Eine Kirche existierte dort vermutlich seit mindestens 1278 als Einrichtung des Johannishospitals. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie zu klein. Bis auf den barocken Kirchturm wurde alles abgetragen, 1894/97 entstand ein neobarocker Neubau. Die Gebeine der dort beigesetzten Johann Sebastian Bach und Christian Fürchtegott Gellert wurden in eine Gruft unter der Kirche verbracht.
Nach der teilweisen Zerstörung des Kirchenschiffs im Jahr 1943 wurden 1949 die Ruinen bis auf den Kirchturm abgetragen, Bachs und Gellerts sterbliche Überreste wurden in andere Kirchen verbracht. Der 1956 sogar teilsanierte Kirchturm bestand noch bis 1963, dann wurde er trotz vorheriger Neugestaltungsvorschläge des Johannisplatzes unter Einbeziehung des neobarocken Kleinods am 9. Mai gesprengt. Heute erinnern am dort nur noch ein schlichtes Holzkreuz und die freigelegte, aber abgedeckte Gruft an die Johanniskirche.
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📖:
Werner Marx: Der Johanniskirchturm in Leipzig. Die Geschichte seiner Zerstörung. Sax-Verlag, Beucha 2006
📷:
Johanniskirche. Fotografie, nach 1930, Inv.-Nr.: F/2018/110
Johanniskirche. Kupferstich, J. E. Scheffler, 1749, Inv.-Nr.: Mü.II/81 b
Johanniskirche. Fotografie, A. Stecher, vor 1894, Inv.-Nr.: Doubl. 1037/2
Johanniskirche. Fotografie, um 1905, Inv.-Nr.: F/5421/2005
Ruine der Johanniskirche. Fotografien, J. Widmann, 1944/1946, Inv.-Nr.: 4300 und F/2018/109
Eingerüsteter Johanniskirchturm. Fotografie, J. Widmann, 1956, Inv.-Nr.: W 8071/2
Johanniskirchturm vor und während der Sprengung. Fotografien, W. Voigtländer, 1963, Inv.-Nr.: F/1471/2010 und F/1472/2010
Reste des gesprengten Johanniskirchturms. Fotografie, L. Sack, 1963, Inv-Nr.: F/2015/991