22/05/2026
Die Preise explodieren!
Der Groll der Bevölkerung steigt wie der Preis pro Liter. Nein, es geht nicht um Benzin, sondern um Bier! Vor genau 116 Jahren eskalierte im Landkreis Mühldorf der Streit um den Preis für das kühle Gold.
Das kam so: Der Reichstag hatte eine Steuererhöhung auf Malz beschlossen – um ganze zwei Pfennige. Die Brauereien gaben diese Mehrkosten weiter – mit 100 Prozent Aufschlag, also vier Pfennige.
ArbeiterInnen und LandwirtInnen wollten bzw. konnten diese Erhöhung nicht bezahlen. Mehr als 500 MühldorferInnen schlossen sich daher einem Boykott auf Bier an, darunter die Gewerkschafter im Sägewerk Geiger und viele Maurer.
Denn beim Bier handelte es sich für viele nicht (nur) um ein Genussmittel. Die schwer körperlich arbeitende Bevölkerung deckte ihren hohen Kalorienbedarf außer durch Fleisch und Brot auch mit Getränken 🍺
Heute erinnert uns eine Postkarte aus dem Stadtarchiv Mühldorf an den Bierstreik. Für das Motiv versammelten sich 72 der Bierstreikenden am 22. Mai 1910 zu einem Foto – demonstrativ mit Limo-Flaschen.
Während der Protest in Mühldorf eher fröhlich blieb, brannte am 5. Juni 1910 eine wütende Menge in Dorfen aus Protest zwei Wirtshäuser nieder. Im Angesicht dieser Spannungen nahmen die Mühldorfer Bierstreikenden eine kleine Preissenkung auf dunkles Bier zum Anlass, ihren Protest wieder zu beenden.
Na dann Prost!
Die ganze Geschichte der Bierproteste im Landkreis erzählt Rudolf Neumaier im Buch „Mühldorfer Brau- und Wirtshauskultur – Geschichte und Geschichten“ (herausgegeben vom Heimatbund Mühldorf) ab Seite 153.
👉Das Buch gibt’s bei uns im Museumsshop!
Bild Postkarte: Stadtarchiv Mühldorf