01/10/2026
EIN ZEITMESSER DER BESONDEREN ART:
Unsere Vorfahren entzündeten im Herbst bei zunehmend kürzeren Tagen schon früh am Morgen und erneut am späten Nachmittag den sogenannten „Krüsel“, um bei der Arbeit im Haus genügend Licht zu haben.
Als Krüsel bezeichnete man in weiten Teilen Norddeutschlands bestimmte Öllampen aus Blech oder Zinn.
Der Heimatforscher, Volkskundler und Fabrikant Wilhelm Bomann beschreibt in seinem Werk eine Vielzahl verschiedener Krüsel, dabei auch eine besondere Form – die „Zeitlampe“: „Schließlich finden wir auf Zinnkrüseln auch birnenförmige Ölbehälter aus Glas aufgeschraubt. Diese tragen zumeist noch einen Zinnstreifen mit Stundenzahlen, z. B. von 10 Uhr abends bis 7 Uhr morgens, so dass man also nachts aus dem Ölverbrauch die Zeit feststellen konnte.“
Die Zeitlampe steht beispielhaft für jene unscheinbaren Alltagsgegenstände, deren Bedeutung heute erst durch das Sammeln, Bewahren und Erforschen sichtbar wird.
Der Nienburger Lehrer Friedrich („Fritz“) Heller begann um die Jahrhundertwende, Gegenstände zu sammeln, die vom Hauswesen und Tagewerk der Menschen in den Grafschaften Hoya, Diepholz und Wölpe zeugten. Er war vom Bildungswert der Heimatkunde und vom Bewahren regionaler Alltagskultur überzeugt. Seine Sammlung bildete die Grundlage der späteren musealen Arbeit in Nienburg. Ein 1908 gegründeter Verein übernahm dafür die Trägerschaft.
Im Jahr 2008 feierte das Museum Nienburg sein 100-jähriges Bestehen. Mit seinen vielfältigen Ausstellungen, Veranstaltungen und museumspädagogischen Angeboten führt es seitdem die Aufgabe fort, regionale Alltagskultur zu bewahren, zu erforschen und anschaulich zu vermitteln.
Bild: Zeitlampe aus der Sammlung des Museums Nienburg, Zinn, Glas, 19. Jahrhundert. (Foto: Museum Nienburg)