02/06/2026
Am 2. Juni 1948 wurden im Rahmen des 1. Nürnberger Nachfolgeprozesses, bekannt als Ärzteprozess, die Todesurteile im Landsberger Gefängnis vollstreckt.
Seit Dezember 1946 mussten sich 23 Angeklagte, darunter Ärzte, eine Ärztin sowie Verwaltungsangestellte, im Verfahren des amerikanischen Militärgerichtshofes „United States of America vs. Karl Brandt et al.“ verantworten.
Ziel war es, die Verantwortlichkeit der Angeklagten für zentrale Elemente der nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungspolitik nachzuweisen und sie stellvertretend für die Gruppe der beteiligten Ärzte zur Rechenschaft zu ziehen. Im Mittelpunkt stand die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderung, physischen und psychischen Erkrankungen, Zwangssterilisationen sowie eine Vielzahl medizinischer Experimente an KZ-Häftlingen.
Die Angeklagten wurden der folgenden Vergehen für schuldig befunden: Kriegsverbrechen (II), Verbrechen gegen die Menschlichkeit (III) sowie Mitgliedschaft in einer für verbrecherisch erklärten Organisation wie der SS (IV).
Insgesamt wurden sieben Todesurteile gesprochen. Fünf Angeklagte wurden zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt, vier zu Zeitstrafen zwischen zehn und zwanzig Jahren. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen.
Mehrere Verurteilte wurden in den 50er Jahren begnadigt und vorzeitig entlassen.
Bei Urteilsspruch wurden ethische Richtlinien zur medizinischen Forschung formuliert, die bis heute als Nürnberger Kodex bekannt und Reaktion auf die medizinischen Versuche während der NS-Zeit sind. So ist in Punkt 1 festgelegt, dass die Versuchsperson fähig sein muss, eine freiwillige, informierte und von Gewalt unbeeinflusste Zustimmung zu geben.
Bild: Der Angeklagte Joachim Mrugowsky plädiert vor dem Militärgerichtshof auf „nicht schuldig“. Am 20. August 1947 wurde er den Anklagepunkten II, III, IV für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.
Vordere Reihe, v.l.n.r.: Karl Brandt, Siegfried Handloser, Paul Rostock, Joachim Mrugowsky, Karl Genzken.
Hintere Reihe, v.l.n.r.: Gerhard Rose, Siegfried Ruff, Viktor Brack, Hans Wolfgang Romberg, Hermann Becker-Freysing.
Nachweis: National Archive and Records Administration, College Park, MD.