17/10/2026
Ein-Mann-Delegation des OCM zu Besuch in Europas größtem Apple-Museum
Gleich vorweg: Ja, das Apple Museum Utrecht spielt finanziell in einer völlig anderen Liga. Aber wir als das ehrenamtlich geführte Oldenburger Computer Museum gehen aus einem Vergleich mit dem großen Apple-Museum als Sieger der Herzen hervor.
Hier ist die Geschichte eines ebenso beeindruckenden wie kuriosen Besuchs beim größten Apple Museum der Welt.
Eigentlich sollte mich mein Trip durch die Niederlande am Montag und Dienstag nach Utrecht führen. Utrecht ist eine wirklich tolle Stadt. Doof nur, dass das Apple Museum an genau diesen beiden Tagen Ruhetage hat.
Auf meine Wochen vorher ausgesprochen freundlich formulierte Anfrage, ob nicht vielleicht jemand an diesen Tagen für mich als durchreisenden Computerfreak da sein könnte, hieß es schlicht: Ein Besuch außerhalb der Öffnungszeiten kostet 1.500 Euro. Ein ganz klarer Punkt für das Oldenburger Computer Museum, denn wir finden eigentlich immer Zeit für einen echten Enthusiasten auf Durchreise – zu ganz anderen Konditionen.
Also musste der Aufenthalt in Utrecht kurzfristig um einen Tag verlängert werden. Wenn man schon mal in der Stadt des europaweit größten Apple Museums verweilt, ist der Besuch schließlich Pflichtprogramm.
Wie schon erwähnt spielt die Einrichtung aber in einer ganz anderen Liga. Für den Besuch muss man sich zwingend einen Time Slot sichern. Selbst in der Tourist Info Utrecht hieß es: Unbedingt vorher einen Time Slot buchen. Also ran an die Kreditkarte, den Termin für Mittwochmorgen um 10 Uhr gewählt und 21,50 Euro wanderten für den guten Zweck an das holländische Museum.
Am Mittwochmorgen hieß es dann: Auf zum computertechnischen Highlight der Woche. Doof nur, dass genau an diesem Tag der öffentliche Nahverkehr streikte. Und das Museum liegt nun wahrlich nicht zentral. Wieder Punkte für das Oldenburger Computer Museum, denn wir sind zentral gelegen und nicht nur günstiger zu erreichen, sondern auch beim Eintritt preiswerter.
Sollte ich jetzt etwa laufen? Oder den Besuch absagen? Nein, schnell ein Lime E-Bike vom Straßenrand gebucht und schon ging es mit der grünen Limette zum bunten Apfel.
Pünktlich zur Öffnungszeit war ich vor Ort und was soll ich sagen: Gott sei Dank hatte ich den Time Slot im Voraus gebucht. Ich war nämlich der einzige Gast. Und das sollte sich auch während meines gut zweistündigen Aufenthalts nicht ändern.
Gleich im Eingangsbereich merkt man sofort, dass hier in Utrecht ein größere Geldbeutel am Werk ist. Spannendes Detail am Rande: Das Museum verzichtet in der Außendarstellung komplett auf das offizielle Apple Logo. Möchte man rechtlichen Reibereien aus dem Weg gehen?
Schon im Foyer steht ein rot weiß lackierter T1 Bus von Volkswagen, daneben ein kleiner Taschenrechner HP-65. Der Apple-Kenner weiß natürlich Bescheid: Sie symbolisieren den Beginn von Apple, schließlich benötigten Steve Jobs und Steve Wozniak etwas Kleingeld für ihre Firmengründung. Kurzerhand verkaufte Jobs seinen Bulli und Wozniak seinen Taschenrechner.
Jetzt ging es endlich ab in die eigentliche Ausstellung. Nur für mich ganz allein öffnete sich die nachgebaute Garage der Familie Jobs und Sekunden später schloss sich das Tor wieder hinter mir. Leise Bob Dylan Musik erklang und ein Video erzählte von den Anfängen in der Garage als Treffpunkt der Freunde.
Nachdem sich eine kleine Seitentür öffnete, ging es weiter. Natürlich folgte nach der Garagen-Zeit die Phase mit dem Apple 1, dem Tandy TRS 80, dem Commodore PET und den unterschiedlichsten Apple II Modellen. Unendlich viele Klone und selbst der schwarze Bell and Howell Apple II, der spöttisch Darth Vader genannt wird, war dort zu sehen. Und genau wie bei uns hieß es überall anfassen und ausprobieren. VisiCalc und Oregon Trail luden direkt zum Verweilen ein. Ein klarer Punkt für beide Museen. Hands On ist Ehrensache!
Das größte Apple Museum Europas hat natürlich wirklich alle Modelle da. Oder wer von euch hat schon mal den Apple Knowledge Navigator von 1987 in echt gesehen? Da bleiben wirklich keine Wünsche offen.
Ich habe mich also auf die kleinen Highlights der interaktiven Ausstellung konzentriert. Natürlich gab es immer wieder Kopfhörer, um sich Zitate anzuhören, Bildschirme für Interaktion. Wirklich toll fand ich die Möglichkeit, sich mit den im Macintosh Gehäuse verewigten Personen näher zu beschäftigen. Durch das händische Klicken von Icons an der Wand starteten kurze Infovideos über die jeweilige Person. Das war extrem stark gemacht. Punkt für Utrecht.
Aber das alles war kein Vergleich zur Präsentation des eigentlichen Mac. Natürlich spielte auch hier der legendäre Werbeclip eine besondere Rolle. In einem geschlossenen Kinoraum läuft der Clip, in dem die Hammerwerferin die Menschheit vom Big Brother befreit. Nun gut, wie toll wäre es, wenn der Kinosal in einem riesigen Mac untergebracht wäre? Aber wer kommt schon auf solche Ideen? Punkt für Oldenburg 😉
Aber mindestens zwei Punkte für Utrecht: Genau in dem Augenblick, wenn im Werbespot der Hammer die Mattscheibe trifft, öffnet sich an der richtigen Stelle der Kinosaal und es weht dir ein starker Wind entgegen, als wärst du Teil des Werbeclips. Das war wahnsinnig beeindruckend. In der geöffneten Tür erspähst du dann den Mac, der dich mit den ikonischen Worten begrüßt: Hello, I am Macintosh.
Weiter ging es durch die bewegte Geschichte von Apple. Immer wieder wurden die Geräte in zeitlich passend eingerichteten Zimmern präsentiert und man konnte nach Herzenslust daran rumfummeln. Warum allerdings in wirklich jedem Raum im Hintergrund ein Fernseher mit Star Trek lief, wurde mir bis zum Schluss nicht deutlich.
Weiter ging es durch die "Grey Period" der Neunzigerjahre. Immer wieder dachte ich mir dabei: Ja, das haben wir im Oldenburger Computer Museum ähnlich gemacht, aber hier waren die finanziellen Möglichkeiten einfach völlig anders. Apple-Drucker, Apple-Mäuse, Apple-Software, eine Apple Bibliothek.... Es gab eine eigene Vitrine nur für Frog Design und einen ganzen schwarzen Raum allein für die NeXTstation. Hier findet sich alles aus Steves Obstgarten.
Danach kam aber wieder extrem viel Farbe ins Spiel unter dem Motto: Sorry, no beige! Ein riesiges Rondell war vollgestellt mit den leuchtend bunten iMacs. Absolut beeindruckend!
Richtig cool war außerdem die Möglichkeit, bei den iPods einen eigenen iTunes Videoclip zu drehen. Wer mich kennt, der weiß ganz genau: Ich tanze nie. Aber was solls, ich war ja schließlich mutterseelenallein im ganzen Museum!
Das Apple Museum Utrecht ist eine absolut beeindruckende, hochprofessionelle Zeitreise und definitiv eine Reise wert, wenn man mal im Großraum Amsterdam unterwegs ist. Wenn Apple etwas gemacht, gebaut oder gesagt hat, dann findet man es hier.
Aber auch wenn die Holländer die dicken Budgets und die großen Effekte haben: Die Herzlichkeit, die nahbare Leidenschaft und das unkomplizierte Miteinander gibt es so nur im Oldenburger Computer-Museum!
applemuseum.nl