29/05/2026
Kalenderblatt - 34 Jahre Apple Newton
29. Mai 1992 - Der Apfel, der zu früh vom Stamm fiel: Apples Newton ist der Zeit voraus
Heute betritt ein sichtlich stolzer Apple-Chef John Sculley die Bühne der Consumer Electronics Show in Chicago und zieht ein Gerät aus der Tasche, das die Welt verändern soll: das Apple MessagePad, besser bekannt unter dem visionären Projektnamen „Newton“.
Es ist die offizielle Geburtsstunde des PDA – des „Personal Digital Assistant“. Ein digitaler Assistent für die Hosentasche, der Termine verwaltet, Notizen speichert und vor allem eines kann: Handschriften erkennen. Zumindest in der Theorie.
Heißt das Ding eigentlich Newton wegen dem allerersten, nostalgischen Apple-Logo von 1976, auf dem der gute alte Sir Isaac Newton unter einem Apfelbaum sitzt? Vielleicht! Die Symbolik ist bestechend: Damals fiel Newton ein Apfel auf den Kopf und er macht sich theoretisch Gedanken um die Schwerkraft.
1992 bringt Apple den Newton auf den Markt und stellt fest, dass die Realität der Schwerkraft verdammt hart ist. Denn der PDA fällt beim Publikum krachend durch und mutiert zu einem der legendärsten Flops der Tech-Geschichte.
Warum? Nun, die hochgelobte Handschrifterkennung ist ein einziges, komödiantisches Desaster. Und sorgt nicht selten für Verwirrung.
Das System lernt zwar mit der Zeit die Handschrift des Nutzers, aber wer hat schon die Geduld, monatelang Hieroglyphen zu üben, damit das Gadget den Einkaufszettel versteht?
Die Popkultur stürzt sich genüsslich darauf: Selbst die Simpsons widmen dem Newton eine eigene Parodie, in der aus der handschriftlichen Notiz „Beat up Martin“ die freundliche Erinnerung „Eat up Martha“ wird.
Wenn wir den Newton mit einem modernen Smartphone vergleichen, wird die Sache erst recht skurril.
Unser heutiges iPhone gleitet elegant in die Jeans, schießt 4K-Videos und funkt mit Highspeed durchs Internet. Der Newton von 1992 ist dagegen ein klobiger Backstein, der stolze 400 Gramm auf die Waage bringt.
Ein Mobilfunknetz? Fehlanzeige! Wer online gehen will, muss ein separates Fax-Modem anstöpseln, das fast so groß ist wie das Gerät selbst.
Und der Bildschirm hat keine funkelnden OLED-Millionen Farben, sondern ein monochromes, unbeleuchtetes Grau-in-Grau, bei dem man im Dunkeln eine Taschenlampe braucht.
Dazu kommt ein stolzer Preis von rund 700 US-Dollar, der das Gadget eher zum Statussymbol für betuchte Nerds als zum Massenprodukt macht.
Als Steve Jobs 1997 zu Apple zurückkehrt, fackelt er nicht lange und stampft das Newton-Projekt radikal ein.
Die Rache des Genies? Vielleicht. Aber ohne den Newton und die dort gesammelten Pleiten, Pech und Pannen gäbe es heute vermutlich kein iPhone und kein iPad. Der Newton war eben seiner Zeit weit voraus – er konnte nur leider seine eigene Zukunftsvision nicht fehlerfrei entziffern.
Du möchtest mehr über das Logo von Apple erfahren? Oder einfach mal den Newton in der Hand halten? Dann besuche uns im OCM. An einem der folgenden Apple Talks Themenabende werden wir uns übrigens intensiv mit der Geschichte hinter dem Apfel-Logo befassen.
Bildquelle: https://arstechnica.com/gadgets/2022/06/remembering-apples-newton-30-years-on/