Historisch-Technisches Museum Peenemünde

Historisch-Technisches Museum Peenemünde Offizielle Seite des Historisch-Technischen Museums Peenemünde

Die Versuchsanstalten Peenemünde waren von 1936 bis 1945 das größte militärische Forschungszentrum Europas. Auf einer Fläche von 25 km² arbeiteten bis zu 12.000 Menschen gleichzeitig an neuartigen Waffensystemen, wie etwa dem weltweit ersten Marschflugkörper und der ersten funktionierenden Großrakete. Beide wurden als Terrorwaffen gegen die Zivilbevölkerung konzipiert, größtenteils von Zwangsarbei

tern gefertigt und gelangten ab 1944 als „Vergeltungswaffen“ zum Einsatz im Zweiten Weltkrieg. Das Historisch-Technische Museum Peenemünde arbeitet die Geschichte der Entstehung und Nutzung dieser Waffen auf. Die Ausstellungen dokumentieren, wer in Peenemünde arbeitete, wie die Menschen lebten und warum die enorm aufwändigen Waffenprojekte durchgeführt wurden.

Verschmolzene Schachtel Hanewacker Kautabak, Signatur: HTM2016/0021Die Dose kann als Behälter für Kautabak der Firma G. ...
17/06/2026

Verschmolzene Schachtel Hanewacker Kautabak, Signatur: HTM2016/0021

Die Dose kann als Behälter für Kautabak der Firma G. A. Hanewacker aus Nordhausen identifiziert werden. Sie besteht aus einem seltenen Kunststoff, ist auf die Zeit um 1940 zu datieren. Ein Mitarbeiter unseres Museums fand das Objekt in den ehemaligen Peenemünder Versuchsstellen in einer Grube, in der vielleicht Müll deponiert worden war.

Genaues lässt sich heute nicht mehr sagen. Denn die Fundstelle befand sich an der Oberfläche einer illegalen Grabung. Wenn Raubgräber den denkmalgeschützten Bereich durchwühlen, entwenden sie nicht nur öffentliches Kulturgut, sondern zerstören auch wertvolle archäologische Befunde. Ort und Kontext des Funds stellen einen wichtigen Bestandteil der Erforschung der Geschichte Peenemündes dar, insbesondere aufgrund der zahlreichen Lücken in den schriftlichen und bildlichen Überlieferungen zu den baulichen Anlagen sowie zur Arbeitswelt der Versuchsstellen.

Warum die Kautabak-Dose verschmolzen ist, lässt sich deshalb nicht mehr klären. Offenbar befand sie sich in einem Bereich, der starker Hitze, jedoch keinem direkten Feuer ausgesetzt war. Denkbar ist, dass sie in einem Gebäude lag, das nach Kriegsende gesprengt wurde.

Abbildungen: Einwickelpapier für Kautabak, HTM Peenemünde Archiv, AOB0002, Schenkung Thomas Kühnemuth, Raubgrabung mit untergrabenem Baum im denkmalgeschützten Bereich

16/06/2026

Neue Schenkung an das Museum Peenemünde: Ein Holzkästchen mit einer spannenden Geschichte

Der aus Heringsdorf-Neuhof stammende Ernst Seeck begann 1937 seine Tätigkeit in der Versuchsstelle Peenemünde als Feuerwehrmann. 1940 wechselte er als zivilangestellter Kraftfahrer in die Fahrbereitschaft der Heeresversuchsstelle. In dieser Funktion musste er jeden zweiten Tag mit einem LKW Opel Blitz von einer Wolgaster Bäckerei frisches Brot abholen und im Arbeiterlager Trassenheide abliefern. Als Hilfe wurden ihm zwei „Ostarbeiter“ aus der Ukraine zugeteilt, von denen einer recht gut Deutsch sprach. Nach einiger Zeit bildete sich eine Art Vertrauensverhältnis, so dass einer der Ukrainer Herrn Seeck in einen Plan einweihte, um das Elend und den Hunger der ukrainischen Zwangsarbeiter ein wenig zu mildern. Zur Baracke in Trassenheide, zu der das Brot geliefert wurde, führte eine kleine hölzerne Treppe. In eine der Setzstufen der Treppe hatten die Ukrainer ein kleines Loch gesägt und dahinter einen Leinensack befestigt. Bei der Brotanlieferung trugen die beiden dann jeweils eine Kiste die Treppe hoch. Herr Seeck, der nur die Gehilfen zu beaufsichtigen und nichts in den Händen hatte, lief zwischen ihnen und steckte jedes Mal drei bis vier Brote durch den Schlitz. Diese Prozedur lief über einen längeren Zeitraum und blieb unbemerkt. Aus Dankbarkeit schenkten die Ukrainer Herrn Seeck ein selbstangefertigtes schmuckvolles Holzkästchen, das seine Frau auch lange nach dem Krieg als Nähkästchen benutzte. Ihr Sohn übergab dieses mit Strohmosaiken und Miniaturlandschaftsbildern verzierte Kästchen nun dem Historisch-Technischen Museum, wofür wir uns herzlich bedanken.

12/06/2026
Triebwerk Walter HWK 109-507 der Flugbombe Henschel Hs 293, um 1942 Bei diesem Raketentriebwerk der Gleitbombe Henschel ...
10/06/2026

Triebwerk Walter HWK 109-507 der Flugbombe Henschel Hs 293, um 1942

Bei diesem Raketentriebwerk der Gleitbombe Henschel Hs 293 handelt es sich um einen Unterwasserfund. Es wurde bei der Untersuchung der Trasse für ein Seekabel zu einem Offshore-Windpark in der Ostsee durch die 50Hertz Transmission GmbH entdeckt. Dabei konnten auch zahlreiche weitere Relikte der Peenemünder Versuchsstellen geborgen werden.

Die Hs 293 wurde während des Zweiten Weltkriegs in der Versuchsstelle der Luftwaffe in Peenemünde in Zusammenarbeit mit deutschen Rüstungsunternehmen entwickelt und erprobt. Für die Testflüge wurde die Ostsee als weitläufiges und vergleichsweise sicheres Zielgebiet genutzt. Zahlreiche Flugkörper gelangten dabei ins Meer und blieben dort erhalten. Der Zustand der Funde hing stark von ihrer Lage in den unterschiedlichen Sediment- und Bodenschichten der Ostsee ab. Das Spektrum reichte von Bauteilen, die nahezu neuwertig wirkten, bis hin zu Objekten, die durch Korrosion vollständig zerstört waren. Besonders die hohe Salzbelastung stellte eine erhebliche Herausforderung für die langfristige Konservierung und Erhaltung der geborgenen Fundstücke dar.

Dieses Raketentriebwerk trug die Bezeichnung HWK 109-507, benannt nach der entwickelnden Firma Helmut Walter in Kiel. Obwohl die Treibstoffe Wasserstoffperoxyd und Kaliumpermanganat leicht unkontrolliert reagieren konnten, schaffte Walter es, die beiden Komponenten durch eine Düse so zusammenzubringen, dass eine stabile Verbrennung entstand.

Das Triebwerk entwickelte etwa 600 kp (5900 N) Schub und beschleunigte die Bombe auf eine Geschwindigkeit von 0,85 Mach, damit sie gegnerischen Jägern und der Flakabwehr entkommen konnte. Der Motor wurde zeitverzögert 1,2 Sekunden nach Abwurf gezündet und hatte eine Brenndauer von etwa 11 Sekunden.

Das Museum hat das Objekt, unterstützt durch eine Förderung der 50Hertz Transmission GmbH konserviert.

Abbildungen: HTM Peenemünde, Archiv, FE26-0537 bis FE27-0153 (GD659.8.1), ABS 12-16-26 Abwurf der Gleitbombe vom Erprobungsflugzeug

08/06/2026
04/06/2026

Neues Großexponat für das Freigelände des Historisch-Technischen Museums Peenemünde

Dieses Objekt aus unserer Sammlung wurde Anfang der 1990er Jahre im Bereich der ehemaligen Versuchsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West geborgen und anschließend provisorisch im Kesselhaus des Peenemünder Kraftwerks eingelagert.

Nun soll es künftig auch für unsere Besucherinnen und Besucher zugänglich sein. Zur Vorbereitung der Aufstellung im Freigelände haben wir das Ausstellungsstück daher in unsere Restaurierungswerkstatt gebracht.

Wer erkennt, was hier bald als neues Großexponat zu sehen sein wird?

Fortsetzung folgt.

04/06/2026
Puppenmöbel mit Strohmosaiken, Signatur: HTM2018/0018Ein Soldat, der im Versuchskommando Nord in Peenemünde arbeitete, e...
03/06/2026

Puppenmöbel mit Strohmosaiken, Signatur: HTM2018/0018

Ein Soldat, der im Versuchskommando Nord in Peenemünde arbeitete, erwarb diese Puppenmöbel als Geschenk für seine Tochter zum Weihnachtsfest 1942. Die Tochter erzählte, dass ihr Vater diese Möbel sicherlich gegen Lebensmittel von einem ihr unbekannten Häftling eingetauscht hätte.

Verschiedene Zeitzeugen berichten ähnliches: Osteuropäische Zwangsarbeiter bzw. sowjetische Kriegsgefangene nutzten ihre Freizeit für zusätzliche Heimarbeit. Sie tauschten die Produkte gegen Nahrung. Einwohner und Mitarbeiter der Versuchsstellen erwarben beispielsweise dekorative Kästchen zur Aufbewahrung von Haushaltswaren, Bilder oder Holzspielzeug. Obwohl dieser Tauschhandel offiziell verboten war, duldete ihn die Standortleitung. Die Tauschwährung war in der Regel Brot. Auch offiziell nutzten Offiziere das handwerkliche Geschick der Gefangenen. Zum Beispiel stellten Kriegsgefangene für den leitenden Offizier des Entwicklungswerks eine Wiege zur Geburt des Kindes her.

Auf den Puppenmöbeln fallen die Ornamente in Form von Strohmosaiken auf. Solche Stroharbeiten waren in verschiedenen osteuropäischen Ländern unter deutscher Besetzung verbreitet. Die Hersteller mussten geübt in dieser Volkskunst sein, um die teilweise komplizierten Muster aufzukleben. Dass die Zwangsarbeiter Schmuckstücke und Alltagsgegenstände für ihre Herren herstellten, mutet an wie Leibeigenschaft. Sie konnten mit diesen Arbeiten ihre Lebenssituation verbessern, lenkten sich jedoch auch von ihrem schweren Alltag in der Fremde ab und schufen sich ein Stück heimatliche Identität.

Abbildungen: HTM Peenemünde, Archiv, APS Bornträger

Am 30. Mai 2026 feierte die Freiwillige Feuerwehr Peenemünde ihr 30-jähriges Bestehen mit einer Festveranstaltung und ei...
01/06/2026

Am 30. Mai 2026 feierte die Freiwillige Feuerwehr Peenemünde ihr 30-jähriges Bestehen mit einer Festveranstaltung und einem abwechslungsreichen Begleitprogramm mit einem Festumzug und Einsatzübungen der Jugendfeuerwehren des Amtes Usedom-Nord, Karlshagen und Zinnowitz.

Wir gratulieren der Freiwilligen Feuerwehr Peenemünde herzlich zu diesem besonderen Jubiläum und wünschen den Kameradinnen und Kameraden auch für die Zukunft stets erfolgreiche Einsätze, Gesundheit und eine starke Gemeinschaft. Zugleich bedanken wir uns für die engagierte ehrenamtliche Arbeit und den Einsatz zum Schutz und Wohl der Bürgerinnen und Bürger. Dieses langjährige Engagement verdient große Anerkennung und unseren besonderen Respekt.

Adresse

Im Kraftwerk
Peenemünde
17449

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