21/05/2026
Mehr als ein dreiviertel Jahrhundert nach seiner Verhaftung konnten wir das Schicksal von Kurt Steinecke rekonstruieren. Seine Nichte Camilla Klich erhielt nach Jahren des Wartens nun Kopien aus der geheimdienstlichen Ermittlungsakte, die in Moskau verwahrt wird. Mit dabei war auch ein Abzug des erkennungsdienstlichen Fotos aus dem Gefängnis Leistikowstraße. Beim heutigen Besuch des Leidensortes ihres Onkels übergaben Camilla Klich, ihre Schwester Bettina Zarneckow und deren Tochter Alexandra diese wertvollen Dokumente. Außerdem vertrauten sie der Gedenkstätte private Familienfotografien sowie sieben originale Postkarten an, die Kurt Steinecke von Angehörigen und Freunden in das sowjetische Strafarbeitslager geschickt bekommen hatte.
Die sowjetische Spionageabwehr nahm Kurt Steinecke im September 1950 fest. Wie aus den nun vorliegenden Unterlagen hervorgeht, wurde ihm die Kontaktaufnahme eines früheren Freundes zum Verhängnis, der ihn als Informant für den britischen Geheimdienst anwerben wollte. Da sein Name in dessen Notizbuch auftauchte, wurde auch Kurt Steinecke verhaftet und Ende April 1951 wegen Spionage zu 25 Jahren Haft im Strafarbeitslager verurteilt. Nach rund viereinhalb Jahren in den Lagern Workuta und Jawas gelangte er im Oktober 1955 wieder in die Freiheit.