07/05/2026
Mit der Geburt von Ilse Katharina Liesenfeld am 7. Mai 1949 – registriert beim Standesamt Recklinghausen-Süd – erlangte Recklinghausen Großstadtstatus. Die Geburt stand stellvertretend für die dynamische Stadtentwicklung nach 1945, die ohne den enormen Zuwachs durch Flüchtlinge und Vertriebene nicht vorstellbar gewesen wäre.
Am 10. Mai versammelten sich im Sitzungsaal des Rathauses der Stadt Recklinghausen Vertreter des Rates der Stadt Recklinghausen, der Militärverwaltung, der Verwaltung und selbstverständlich der Presse, um die Geburt der 100.000sten Bürgerin zu feiern. Die Zukunftshoffnung der Stadt richtete sich in den folgenden Wochen auf eine Person: „Großstadt-Ilse“. Oberbürgermeister Joseph Dünnebacke verkündete erwartungsfroh: „Wenn Gott will, dürfen wir annehmen, daß Recklinghausen mit dem Erreichen der 100.000 Grenze einer weiteren Blüteperiode entgegen geht.“
Bedeutende Aktivitäten schlossen sich am 25. und 26. Mai 1949 an: Festgottesdienst, Glockengeläut, eine Feierstunde im Saalbau, ein Auto-Korso mit dem Großstadt-Kind, turnerische Vorführungen und Volkstänze, Großkampftag in Fuß- und Handball, abendliche Festivitäten in den Gaststätten mit abschließendem Feuerwerk waren u.a. Ausdruck dieser Feierlaune von Ende Mai 1949, die durch von der Bürgerschaft geschmückte und beflaggte Straßen und Häuser kandiert wurde. Ob die Übergabe des Großstadtkindes von Vertretern der Südstadt an den Herrn Oberbürgermeister auf dem Balkon des Rathauses um 11.45 Uhr der Höhepunkt der Festivitäten war, möge bitte individuell bewertet werden.
Jedenfalls war die Wirtschaft der Revierstadt wiedererwacht und entsprechend das Selbstbewusstsein der Recklinghäuser. Auch die Firma Povel beteiligte sich am öffentlichen Festprogramm zur Geburt der 100.000sten Einwohnerin Recklinghausens, da Ilses Vater Günter Liesenfeld einer ihrer Beschäftigten war.
Über die Festivitäten hinaus bekräftigte die Stadt ihren Aufbauwillen durch Grundsteinlegungen, etwa zum Wiederaufbau des zerstörten Mädchengymnasiums, zum Bau der Volkssternwarte und eines Schwimmbades.
„Großstadt-Ilse“ wurde erwachsen und heiratete 1967 in der Antonius-Kirche in König-Ludwig. Später soll sie übrigens nach Dormagen gezogen sein. Die Gründe sind uns allerdings nicht bekannt. Vielleicht gibt es unter den Lesern Dormagener, die darüber mehr wissen ...
Foto: Institut für Stadtgeschichte