21/05/2026
Diese Ikone aus unserer Dauerausstellung demonstriert, wie Ikonen gestalterisch funktionieren: Es dominieren Formen, Farben und Linien, Figuren und Landschaften wirken flach, räumliche Tiefe ist kaum vorhanden; auch Bewegung wirkt eher verewigt denn dynamisch im Bestreben, das zeitlose, überirdische, hinter der natürlichen Erscheinung verborgene und mit den menschlichen Sinnen eigentlich nicht fassbare „Wesen“ des Abgebildeten ins Bild zu setzen. Dieser Anspruch und die entsprechende Form- und Zeichensprache waren für Künstler der Klassischen Moderne wie Henri Matisse auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen Offenbarung und Inspiration zugleich.
Zum Thema: Die Ikone zeigt den Erzengel Michael als Engelfürsten und Teufelsbezwinger, basierend auf der Offenbarung des Johannes. Der himmlische Streiter sitzt auf einem feurigen, geflügelten Ross und bläst zum Jüngsten Gericht. Mit seinem Speer trifft er den „Engel des Abgrunds“, der samt den „Städten“ ins „aufwallende Meer“ versinkt. Jedes Detail zählt: Zwischen den ausgebreiteten Armen Michaels spannt sich der die zu richtende Welt umfassende Regenbogen, mit seiner linken Hand schwenkt er ein Weihrauchfass, dessen „Wohlgeruch den ganzen Erdkreis“ durchzieht. Der „Kelch des Zorns“ und eine sich verdunkelnde Sonne in den oberen Ecken vertiefen die apokalyptische Symbolik, die durch Inschriften erläutert wird.
Wer mehr über Engel und Dämonen erfahren will, kann im Ikonen-Museum spezielle Themenführungen besuchen oder buchen, die diesen faszinierenden und rätselhaften Wesen gewidmet sind. Weitere Informationen und Termine sind auf unserer Webseite unter „Veranstaltungen“ und „Vermittlungsprogramm“ zu finden.