30/04/2026
Gedenken an die Opfer der Cap-Arcona-Katastrophe – Neue Informationstafel an der Seebrücke Haffkrug eingeweiht
Anlässlich des Jahrestages der Cap-Arcona-Katastrophe erinnert die Gemeinde Scharbeutz gemeinsam mit dem Museum für Regionalgeschichte Scharbeutz und dem Verein „Zukunft braucht Erinnerung“ an eines der tragischsten Ereignisse der Endphase des Zweiten Weltkrieges. An der Seebrücke in Haffkrug wurde eine neue Informationstafel installiert – mit unmittelbarem Blick auf den Ort des damaligen Geschehens in der Lübecker Bucht.
Die Tafel informiert über die Ereignisse des 3. Mai 1945, als britische Bomber die vor Neustadt liegenden Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ angriffen. Mehr als 7000 Menschen kamen dabei ums Leben. Den Piloten war nicht bekannt, dass es sich bei den Menschen an Bord um Häftlinge aus mehreren Konzentrationslagern handelte, die Opfer des NS-Regimes waren. Viele starben im Bombenhagel, verbrannten oder ertranken. Zeitzeugenberichte belegen zudem, dass Marinesoldaten auf im Wasser treibende KZ-Häftlinge schossen. Nur etwa 500 Menschen überlebten die Katastrophe.
Die „Thielbek“ sank, während das Wrack der „Cap Arcona“ noch bis Anfang der 1950er Jahre rund vier Kilometer nordöstlich der heutigen Gedenkstätte sichtbar aus dem Wasser ragte. Ein Friedhof der Opfer befindet sich etwa 1000 Meter von der Seebrücke entfernt in Haffkrug, zwischen der B 76 und der Autobahnanschlussstelle Eutin.
Die neue Informationstafel trägt folgenden Wortlaut:
„Am 3. Mai 1945, wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges, kommen mehr als 7000 Menschen in der Lübecker Bucht ums Leben, als britische Bomber die vor Neustadt liegenden Schiffe „Cap Arcona” und „Thielbek” bombardieren. Die Piloten wissen nicht, dass die Menschen an Bord Opfer des NS-Regimes sind: Es sind Häftlinge aus mehreren Konzentrationslagern, die auf den Schiffen eingesperrt worden waren. Sie sterben im Bombenhagel, verbrennen oder ertrinken. Marinesoldaten schießen noch von Kriegsfischkuttern und Minensuchbooten aus auf die im Wasser treibenden KZ-Häftlinge. Nur etwa 500 Menschen überleben die Tragödie. Die „Thielbek” sinkt, das Wrack der „Cap Arcona” ragt noch bis Anfang der 1950iger Jahre etwa vier Kilometer nordöstlich von hier gut sichtbar aus dem Wasser. Ein Friedhof der Opfer liegt etwa 1000 Meter von hier in Haffkrug zwischen der B 76 und der Autobahnanschlussstelle Eutin, zu Fuß oder per Rad zu erreichen über den Waldweg.
© Museum für Regionalgeschichte Scharbeutz - www.museum-scharbeutz.de / Zukunft braucht Erinnerung“
Gedenkveranstaltungen in Haffkrug
Die Gemeinde Scharbeutz lädt im Rahmen des Jahrestages zu mehreren Gedenkveranstaltungen ein:
Am Sonntag, dem 3. Mai, um 10.30 Uhr findet auf dem Cap-Arcona-Ehrenfriedhof in Haffkrug eine Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung statt.
Bereits am 2. Mai um 15 Uhr wird unter dem Titel „Ein Blick in die Geschichte“ ebenfalls auf dem Cap-Arcona-Friedhof Haffkrug eine besondere Informationsveranstaltung angeboten.
Über die zahlreichen Opfer der letzten NS-Tage in der Gemeinde Scharbeutz war lange Zeit nur wenig bekannt. Dank einer großzügigen Spende des polnischen Kulturministeriums konnten vor wenigen Monaten erstmals Informationstafeln mit den Namen der hier bestatteten polnischen Opfer sowie deren Geschichte enthüllt werden.
In diesem Rahmen wird Helmut Kurth über die neuen Erkenntnisse berichten. Dr. Peter Wendt gibt zudem Einblicke in seine in Kürze erscheinende Publikation „Internationale Mahn- und Grabstätte Cap Arcona Friedhof Haffkrug“. Diese beleuchtet erstmals detailliert die verschiedenen Opfergruppen, ihre Leidenswege sowie den internationalen Charakter des Friedhofs. Ein begleitender Flyer informiert über die Veröffentlichung.
Mit der neuen Informationstafel und den begleitenden Veranstaltungen setzt die Gemeinde Scharbeutz ein sichtbares Zeichen des Erinnerns und der Mahnung – gegen das Vergessen und für eine lebendige Erinnerungskultur.