25/09/2026
Decatur-Brücke wieder frei: Maschen und Hörsten rücken wieder zusammen
Seit heute, 18 Uhr, rollen wieder Fahrzeuge über die Decatur-Brücke von Maschen nach Hörsten. Damit ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen den beiden Ortsteilen sowie zum Bahnhof Maschen nach fast zehn Jahren Sperrung wiederhergestellt. Die Brücke führt über Europas größten Rangierbahnhof und nimmt eine zentrale Rolle für die Mobilität in der Gemeinde Seevetal ein.
Bereits am frühen Nachmittag war die Brücke feierlich eröffnet worden. Kurz nach 13 Uhr setzte sich ein Konvoi aus mehreren Treckern und zwei Gelenkbussen mit rund 120 geladenen Gästen aus Richtung Hörsten in Bewegung. Auf der Brücke angekommen, wurde das sinnbildliche rote Band zerschnitten.
Grant Hendrik Tonne, niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, würdigte die Bedeutung der Brücke für die Region und die Gemeinde Seevetal: „Heute ist ein guter Tag für Seevetal und für die Logistik in Niedersachsen. Mit der Verbindung zwischen Maschen und Hörsten erschließen wir vor allem wichtige Bahn- und Gewerbestandorte. Es ist bemerkenswert, mit wie viel Beharrlichkeit und Problemlösungsbewusstsein die Gemeinde Seevetal zum Gelingen des Projekts beigetragen hat. Diese Geduld wird sich nun endlich auszahlen. Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass dieses wichtige Projekt trotz einer schwierigen Ausgangslage zu einer Erfolgsgeschichte geworden ist.“
Mit der Wiedereröffnung der Brücke sind die Gemeindeteile Maschen und Hörsten wieder auf dem direkten Weg verbunden und der direkte Weg zum Bahnhof Maschen ist frei. „Heute ist einer der schönsten Tage, die ich als Maschenerin und Vorsitzende des Gemeinderates Seevetal erleben darf. Zehn Jahre nach der Vollsperrung der Decatur-Brücke findet dieses Drama ein Happy End!“, betonte Angelika Tumuschat-Bruhn, Ortsbürgermeisterin von Maschen/Horst Hörsten. „Endlich gibt es wieder eine Direktverbindung zum Bahnhof Maschen und zwischen den Menschen in Maschen und Hörsten. Das ist einfach großartig!“
Die zunächst namenlose Brücke wurde 1973 in Betrieb genommen. Als 2016 die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet war, musste sie gesperrt werden. Daran kann sich Tumuschat-Bruhn, die schon damals Ratsvorsitzende war, gut erinnern: „Im Verwaltungsausschuss wurde uns mitgeteilt, dass Betonbrocken von der Brücke auf die Gleise gefallen sind und die Brücke die Nachweise für die Aufnahme der Schub- und Torsionskräfte nicht erfüllt“, so Tumuschat-Bruhn. „Damit war klar, dass die Brücke sofort gesperrt werden musste.“
Es folgten lange Jahre mit Gutachten für und wider den Abriss oder die Sanierung der Brücke. Schließlich trieb Bürgermeisterin Emily Weede mit ihrem Amtsantritt die Entscheidung über die Zukunft des Bauwerks maßgeblich voran. „Da musste eine Entscheidung her“, so Weede rückblickend. Nach erneuter Durchsicht der Akten und der Rechtslage wurde deutlich: Ein Abriss der Brücke wäre rechtlich nicht zulässig. „Ich bin dem Rat der Gemeinde Seevetal sehr dankbar, dass er mehrheitlich, die Sanierung und Ertüchtigung unterstützt hat. Vor allem aber gilt mein und unser Dank allen Beteiligten, dem Land Niedersachsen, den Firmen Strabag und Echterhoff und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde Seevetal, die dafür gesorgt haben, dass die Brücke in Rekordzeit saniert werden konnte. Die Menschen in Seevetal haben lange genug auf ihre Brücke gewartet.“
Die Instandsetzung der 750 Meter langen Brücke begann im Jahr 2024 und stellte für Seevetal einen in der Geschichte der Gemeinde einmaligen Kraftakt dar. Projektleiter Andreas Hein erklärt: „Da die Brücke ja über den Rangierbahnhof führt, konnten wir nur von oben arbeiten. Das machte die Sache aufwendig. Außerdem waren Bohrungen schwierig. Der Grund sind Spannbetonglieder, die tief im Bauwerk in Längs- und Querrichtung sowie anderen Knotenpunkten der bahneigenen Rampe der Brücke verlaufen. Doch von solch einer Brücke kann man kein millimetergenaues Röntgenbild erstellen. Wären diese Spannbetonglieder beschädigt worden, wäre das ein großes Problem gewesen. Dank der guten Arbeit der Firmen Echterhoff und Strabag hat alles gepasst.“
Die alten, schweren Stahlbeton-Kappen wurden durch moderne Hybridkappen aus Leichtbeton ersetzt – ein System, das Echterhoff speziell für Projekte wie dieses entwickelt hat. Entgegen der herkömmlichen Bauweise führen wir alle Arbeiten von oben aus – ein Vorgehen, das in dieser Form einzigartig ist und das wir daher auch patentieren ließen“, so Lucas Wehrmann, Bauleiter bei Echterhoff.
Die Arbeiten waren aber nicht nur statisch, sondern auch logistisch äußerst anspruchsvoll. Immer wieder waren Sperrungen einzelner Bahngleise nötig – es sind rund 55 Gleise, die unter der Decatur Brücke verlaufen. In den meist 24-stündigen Sperrpausen, die teilweise mehrere Jahre im Voraus in mehrstufigen Verfahren beantragt werden müssen, wurden die jeweiligen Brückensegmente im Sägeschnittverfahren ausgebaut.
Anstrengungen, die von Erfolg gekrönt waren: Das Projekt Decatur-Brücke blieb im Zeit- und Budgetrahmen. Die Kosten für die statische Ertüchtigung und Instandsetzung belaufen sich auf rund 50 Millionen Euro. Sie konnten nur mit einer 75-prozentigen Förderung durch das Land Niedersachsen gestemmt werden. „Dass dies alles geglückt ist und wir heute hier stehen, dafür sind wir unendlich dankbar“, sagte Emily Weede, bevor das rote Band symbolisch durchschnitten wurde. „Das ist ein Projekt, das zeigt, was man erreichen kann, wenn man gemeinsam zusammenarbeitet!“
Der wohl wichtigste Moment des Eröffnungstages aber war die offizielle Verkehrsfreigabe um 18 Uhr. „Die Brücke ist ja kein Selbstzweck“, betonte Emily Weede. „Dieses Bauwerk ist für die Seevetalerinnen und Seevetaler da. Ich bin sehr froh, dass diese Verbindung nun wieder frei ist.“ Mit der Öffnung der Decatur-Brücke findet ein bedeutendes Infrastrukturprojekt und ein Kapitel Gemeindegeschichte zu einem guten Abschluss.
Fotos (Rechte Gemeinde Seevetal, Fotograf Oliver Kratz)